Bildergalerie und Essay.
Wander-Tipp: Zwischen Freudenberg und Collenberg im Südspessart.
- Badefreuden im September.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Sonntagsstille, Seerosen, Septemberseide.
Spätsommer-Sonntag bei Collenberg und Freudenberg am Main: Es gibt Wege, die nicht viel Aufhebens von sich machen und gerade deshalb lange nachklingen. Einer führt oberhalb des Freudenberger Friedhofs entlang, hinunter zum Wasser, am Badesee vorbei, wo der Sommer noch einmal Betrieb macht, als wolle er nicht aufgeben.
Der Natur-Badesee im Seepark gilt als familienfreundlich und liegt eingebettet in eine weitläufige Landschaft aus Wasser, Wiesen und Schilf; gespeist wird er von Quellen aus den nahen Odenwaldhöhen, die ihm jene unaufdringliche Frische geben, von der ein Septembernachmittag lebt.
Am Ufer schwimmen Seerosen wie kleine Gedankeninseln. Enten liegen im Main-Altwasser, nicht wach, nicht schlafend, eher in jener Zwischenzeit, in der Tiere manchmal weiser wirken als Menschen. Ein Angler-Ehepaar sitzt geduldig da, die Schnüre ruhig, der Blick gelassen; der Erfolg, falls er kommt, soll sich offenbar nicht gehetzt fühlen.
Auf dem Damm spaziert eine Familie dahin, verstreut in Gespräche, Schritte und Schatten.
Und dann, fast wie ein stiller Kommentar zum ganzen Nachmittag, ruht ein Seniorenpaar auf einer Bank im geräumigen Friedhof. Vor ihnen steht eine Kreuzigungsgruppe, hinter ihnen die Wärme des Tages, über ihnen dieser blauseidene Himmel, wie ihn nur der September zu spannen versteht: nicht mehr das grelle Blau des Hochsommers, sondern ein mildes, geglättetes, beinahe nachdenkliches Blau. Es ist ein Himmel, der nicht prahlt, sondern trägt.
Der September ist der Monat der leisen Anwesenheiten. Er kennt noch die Wärme, aber schon auch die Ahnung des Abschieds. In seinem Licht werden die Dinge nicht kleiner, sondern klarer: das Glitzern auf dem See, das Schilf am Rand, die langsame Handbewegung eines Anglers, das kurze Auflachen am Badesee, die unbewegte Würde eines Friedhofsweges.
Alles scheint in diesem Monat einen weicheren Rand zu bekommen.
Vielleicht ist es gerade diese Nachbarschaft, die den Weg so idyllisch macht: Badebetrieb und Besinnung, Kinderstimmen und Grabsteine, Wasserlust und Vergänglichkeit. Nichts widerspricht sich hier. Der Sonntag legt alles nebeneinander wie Fundstücke in warmem Licht.
Wer geht, sieht nicht nur Landschaft, sondern Lebensalter: das Spiel, das Warten, das Spazieren, das Ruhen.
So wird aus einem kleinen Weg über dem Friedhof, am Badesee entlang und weiter zum Parksee, ein spätsommerliches Stillleben: ein Feuilleton aus Wasser, Wärme und Weite.
Der September schreibt es ohne Pathos. Er tupft Seerosen auf die Ufernähe, lässt Enten träumen, Familien weitergehen und zwei alte Menschen vor dem Kreuz die Sonne genießen. Mehr braucht es manchmal nicht, damit ein Nachmittag unvergesslich wird.
Roland Schönmüller (Text und Fotos)
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.