Bildergalerie und Essay.
60 Jahre Evangelische Öffentliche Bücherei Kleinheubach: Wunderbare Worte – Wärme – Weiterklingen.
- Manuel Störrle und Gerlinde Bossert-Deckelmann im Saal des Alten Rathauses in Kleinheubach.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Kleinheubach – Ein heißer Juniabend, schwere Luft, offene Fenster und Türen.
Und doch war der Saal des Alten Rathauses am 26. Juni 2026 bis auf den letzten Platz gefüllt - dank der herzlichen Einladung und vorzüglichen Organisation der Initiatorinnen Ilse Schüßler und Kerstin Dietrich vom Leitungsteam der Evangelischen Öffentlichen Bücherei Kleinheubach.
Zwischen 19 und 20.30 Uhr stellte Manuel Störrle sein Debütwerk vor – ein stilles, atmosphärisches Buch über Elise, eine Figur, die weniger auftritt als aufscheint, weniger spricht als nachhallt.
Ein Roman, der sich nicht nur über Handlung definiert, sondern über Zwischentöne, Erinnerungsräume und die Kunst des Andeutens.
Die musikalische Gestaltung durch Gerlinde Bossert-Deckelmann verlieh dem Abend eine dramaturgische Tiefe, die weit über Begleitung hinausging. Jedes gespielte Stück war ein eigener Raum, ein eigenes Licht, ein eigener Zugang zur literarischen Elise.
Sorgsam ausgewählt waren die Musikstücke.
Uwe Korns „Dance for Eliza“ aus Jazz on Beethoven setzte einen modernen Akzent: federnd, rhythmisch, ein spielerisches Weiterdenken des berühmten Motivs.
Beethovens „Mondscheinsonate“ (op. 27 Nr. 2) tauchte den Raum in gedämpftes Licht – ein inneres Leuchten, ein Erinnern, das nicht benennt, sondern spürt.
Mit „Die Wut über den verlorenen Groschen“ (Beethoven) brach ein kurzer, ungestümer Kontrast auf: ein musikalisches Auflachen, ein Riss im Stoff des Abends.
Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“ brachte Ordnung und Eleganz zurück – klare Linien, helle Struktur.
Beethovens Symphonie Nr. 5, op. 67 setzte einen dramatischen Akzent: vier Töne wie ein Hammerschlag, ein Drängen, ein Vorwärts.
Und schließlich Beethovens originales „Für Elise“ – zart, vertraut, aber nicht verbraucht. Ein Nachhall, kein Nachklang. Ein leiser Schluss, der blieb.
Manuel Störrles Lesung fügte sich in diese musikalische Dramaturgie wie ein zweiter Bogen, der die Stille zwischen den Noten mit literarischem Leben füllte.
Wo die Musik Räume der Sehnsucht öffnete, webte der Autor mit präziser, beinahe zärtlicher Sprache die Konturen einer Protagonistin, die den Zuhörern seltsam nah rückte.
Manuel Störrles Roman "Elise - Die Geschichte einer Mörderin" erscheint als ein Psychogramm und historisches Drama im Europa des 19. Jahrhunderts. Es verbindet die klassische Musikwelt mit düsteren Motiven.
Im Mittelpunkt steht eine hochbegabte Musikerin und Mörderin, deren Bewunderung für den tauben Komponisten Ludwig van Beethoven in eine emotionale Zerreißprobe umschlägt.
Auffallend ist der Genre-Mix: Eine spannende Melange aus historischem Roman und packendem Drama.
Elise, die Protagonistin, agiert als zerrissene Künstlerin.
Das Thema selbst bricht mit der romantischen Verklärung und
behandelt die
existentielle Not und Einsamkeit von Ausnahmetalenten.
Zusammen gesehen war der Abend im Kleinheubacher Altem Rathaus kein bloßes Aneinanderreihen von Text und Ton, sondern ein atmendes Gesamtkunstwerk.
Das Wort suchte die Wärme des Klangs, und die Melodien fingen das collagenhafte Wesen der Elise auf, erhaschten die flüchtigen Momente, bevor sie im Raum verglühten.
Als der letzte Ton von Beethovens Widmungsstück im Alten Rathaus ausklang, herrschte für Sekundenbruchteile eine berührende, beinahe sakrale Stille.
Erst dann entlud sich die dichte Atmosphäre in lang anhaltendem, warmem Applaus für einen Abend, der weit über den heißen Juniabend hinaus im Gedächtnis weiterklingen wird.
Vorfreude herrscht bereits bei allen Gästen zu weiteren Veranstaltungen im 60. Jubiläumsjahr der Evangelischen Öffentlichen Bücherei Kleinheubach.
Roland Schönmüller
Hintergrund:
Zusammenfassung des Romans und kurze Wertung
Der fesselnde historische Roman von Manuel Störrle verbindet das Leben des genialen, tauben Komponisten Ludwig van Beethoven mit der spannenden Geschichte der jungen Musikerin Elise.
Als sie in Beethovens chaotisches Wiener Leben aufgenommen wird, entwickelt sie tiefe Gefühle für ihn.
Ihre aufkeimende Liebe und das Leben im Scheinwerferlicht der europäischen Konzertsäle werden jedoch von einem dunklen Geheimnis überschattet.
Dieses birgt politischen Sprengstoff, bringt Elise in akute Lebensgefahr und verwandelt das Drama in einen rasanten Thriller.
Die Handlung besticht durch starke Charaktere, eine feinfühlige Beleuchtung von Beethovens Tragik sowie eine packende Atmosphäre zwischen historischer Eleganz und tödlicher Bedrohung.
Das Werk ist ein absoluter Lese-Tipp für Fans, die historische Kulissen mit einer Mischung aus Romantik, tiefgründigen Geheimnissen und Hochspannung suchen.
Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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