Bildergalerie und Essay
Gut besuchter Miltenberger Mantelsonntag – Einkaufsspaß, Kürbisschnitzen, Karussellfahren und Bratwurstduft!
- Vergnügen bereitete das Kürbis-Schnitzen.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Prall gefüllte Einkaufsbeutel, lichtvolle Keramik-Kunstobjekte und vorzeitige Lebkuchenpremiere.
Miltenberg, Sonntagnachmittag, 26. Oktober 2025. Die Uhren zeigen 13 Uhr in der neuen Winterzeit, als sich die ersten ambitionierten Shopper wie Nadel und Faden durch die schmalste Fußgänger-Passage der Stadt am „Würzburger Tor“ zwängen.
Der Mantelsonntag lockt traditionell mit mehreren offenen Geschäften, verspricht Schnäppchen und wärmende Winter-Outfits.
Einige Kinder jubeln über ihr neues Schuhwerk: Hausschuhe für den Winter, Stiefel für die Pfützen.
Kürbisschnitzen mit Spaßfaktor
Ein besonderes Highlight für die kleinen Besucher ist das Kürbisschnitzen direkt am Engelplatz. Unter der Anleitung gut gelaunter jugendlicher Helferinnen und Helfer, die in auffälligen orangefarbenen Outfits für gute Laune sorgen, entstehen fantasievolle Kürbisgesichter.
Mit viel Geduld und kreativen Tipps unterstützten so die Jugendlichen die Kinder beim Schnitzen, sodass am Ende zahlreiche originelle Kunstwerke bewundert werden konnten. Das gemeinsame Lachen und die fröhliche Stimmung machten das Kürbisschnitzen zu einem echten Publikumsmagneten und sorgten für leuchtende Kinderaugen.
Der Engelplatz vor dem Rathaus wurde am vergangenen Sonntagnachmittag zum Tummelplatz für kleine Karussell-Fans; Eltern drehten nicht nur am Glücksrad der Nerven, sondern auch an den Waffeln vom städtischen Kindergarten - Verkaufsstand.
Muffins? Selbstverständlich! Kuchen? Ging weg wie warme Semmeln! Und am türkischen Stand gab es süße Verlockungen, die jedes Diätvorhaben sabotieren.
Eintritt in die Fußgängerzone: Hochbetrieb garantiert
Wer sich ins Gewusel der Fußgängerzone wagte, erlebte ein Kommen und Gehen wie im Taubenschlag. Links der Bratwurststand – die Schlange reichte stellenweise fast bis zur Buchhandlung gegenüber.
Erste Lebkuchen? Schon gesichtet! Die fränkische Fahne am Alten Rathaus wehte stolz im Wind, während die bayerische etwas schüchtern unter einem Tuch hervorlugte. Die deutsche Flagge hatte sich so sehr in sich selbst verwickelt, dass sie wohl erst zur WM 2026 wieder entknotet werden dürfte.
Musikalisch wurde es auch: Ein Alleinunterhalter wechselte zwischen Flöte und Geige wie andere Leute zwischen Shoppingtüte und Kaffeebecher. Ein traditionelles Modegeschäft präsentierte die neueste Herbst- und Wintermode – und das Publikum begutachtete mit schalkhaftem Blick, ob Cordhosen wieder salonfähig sind oder nur Mutigen stehen.
Von Popcorn bis Pumuckl – Kultur trifft Kalorien
Das Kino warb vor dem Eingang plakativ mit Popcorn und dem neuen Pumuckl-Film – so wurde der Mantelsonntag auch zur Familienangelegenheit.
Die Eis-Diele unweit vom „Schnatterloch“ allerdings blieb heute zu und dürfte auch die nächsten Monate geschlossen bleiben. Der Pächter ist vermutlich längst auf dem Weg nach Südtirol und genießt dort das Dolce Vita, während die Daheimgebliebenen sich jetzt und über Weihnachten hinaus nach kulinarischen Alternativen umsehen müssen.
Wer Technik liebt, kam am Marktplatz auf seine Kosten: Kinder stiegen begeistert in die Nutzfahrzeuge der vorgestellten Rettungsdienste ein. Eine Motorrad-Ausstellung gab es nebenan mit viel PS zum Anfassen.
Meditation und Besinnung
Im Schwarzviertel herrschte auch geschäftiges Kommen und Gehen, während die Pfarrkirche zur meditativen Stille einlud – ein Kontrastprogramm zum Trubel rundherum.
Betroffen machten auch eine sehenswerte Ausstellung und ein informativer Vortrag zum Thema „Flucht und Vertreibung im Zweiten Weltkrieg“ in der Alten Volksschule – genau passend zum kommenden November-Monat mit seinen besinnlichen Gedenktagen Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag und Totensonntag:
Es war ein gelungener Beitrag zur Erinnerungskultur, der auch für Schülerinnen und Schüler aller Schularten vor den Herbst-oder Allerheiligenferien besucht werden sollte. Hier werden dramatische, existentielle Lebensbeschreibungen in Bild und Wort vorgestellt.
Erfahrungen von Menschen, die durch Krieg, Vertreibung oder politische Verfolgung ihre Heimat verloren haben
Am Sonntag, den 26. Oktober 2025, fand in der alten Volksschule Miltenberg eine eindrucksvolle Ausstellung zum Thema „Vertreibung: Generation neue Heimat“ statt. Die Veranstaltung wurde von der Volkshochschule Miltenberg in Kooperation mit der Stadtkultur organisiert und stieß auf großes Interesse bei der Bevölkerung. Anlass war das Jubiläum der Städtepartnerschaft mit Dux und der Patenschaftsvertrag mit den ehemaligen Einwohnern der Stadt Dux.
Die Ausstellung beleuchtete die Erfahrungen von Menschen, die durch Krieg, Vertreibung oder politische Verfolgung ihre Heimat verloren haben. Besonders bewegend waren die Porträts der Fotografin Verena Berg, die Zeitzeugen und ihre Geschichten in den Mittelpunkt stellte. Ergänzt wurden die Exponate durch Landschaftsfotografien und Textprotokolle der Flucht, einige Beiträge waren sogar als Tondokumente per QR-Code abrufbar.
Im Rahmenprogramm fanden Vorträge und Gesprächsrunden statt, darunter „Flüchtlingsströme 2015 und die Lehren daraus“ sowie „Geflohen aus Syrien“. Die Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit zum Austausch und zur Reflexion über das Thema Heimatverlust und Integration.
Die Veranstalter zeigten sich sehr zufrieden mit der Resonanz und betonten die Bedeutung der Erinnerungskultur für kommende Generationen. Die Ausstellung bleibt noch bis Anfang November geöffnet und lädt weiterhin zum Besuch und Dialog ein.
Spielplatz, Promenade und ein bisschen Entschleunigung
Am Main hatten sich die Wasservögel diskret auf die ruhigere Seite verzogen. Auf dem Kinderspielplatz herrschte trotzdem Hochbetrieb, wenige Radfahrer eilten nach Hause, zwei Hundebesitzerinnen versuchten, ihre Vierbeiner im Zaum zu halten.
Abendliche Rückkehr ins Herz der Stadt
Der Tag neigte sich kurz vor 18 Uhr langsam dem Ende entgegen. Noch ein schneller Einkauf beim Bäcker („Kuchen für daheim, bitte!“), während die Lichtverhältnisse von „herbstlich golden“ auf „abendlich dämmrig“ umschalteten. Glücklicherweise blieb der Nieselregen aus – das Wetter hatte ein Einsehen mit den Mantelsonntag-Flaneuren aus nah und fern.
Fazit: Miltenberg am Mantelsonntag – das war reichlich Charme, leichtes, aber verkraftbares Chaos, aber jede Menge Lebensfreude zwischen fränkischen Flaggen, appetitanregendem Bratwurstduft, kreativem Kürbis-Schnitzen und schillernden Keramikobjekten. Wer heute nicht dabei war, hat definitiv etwas verpasst – und muss bis zum nächsten Jahr auf den ultimativen Einkaufs-Sonntag warten!
Roland Schönmüller
Weitere Bilder und infos folgen!
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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