Bildergalerie und Essay.
Schweiß, Sound und Sintflut.
- Das Fazit des Abends fällt durchweg euphorisch aus: Kultur im Freien lebt von der Unberechenbarkeit – und diese wurde hier bravourös in pures Entertainment verwandelt. Der furiose Donnerstagabend macht gleichzeitig Appetit auf mehr.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Das doppelte Klangfeuerwerk auf der Mildenburg.
Miltenberg, 30.07.2026 – Wer am Donnerstagabend den Weg hinauf zur Mildenburg fand, buchte unfreiwillig das Premium-Erlebnispaket der meteorologischen Extreme. Doch was die Besucher des Miltenberger Kultursommers erlebten, war kein Desaster, sondern ein hochgradig temperamentvolles Spektakel.
An diesem Abend stand ein musikalisches Gipfeltreffen auf dem Programm, das in einem faszinierenden Duett zwischen den Künstlern und dem Wettergott gipfelte.
Wenn Chorgesang auf akustische Intimität trifft
Das Sommerkonzert war als spannendes Crossover angelegt: Der stimmgewaltige Miltenberger Rock-Pop-Chor Voice n' Noise traf auf das fein abgestimmte Instrumenten- und Gesangsensemble des Katalda Projects.
Katrin Dinaro, Albrecht Hench und Luisa Klein brachten mit Querflöte, Geige und feinen Harmonien eine charmante Prise Deutsch-Pop und akustische Intimität in die historischen Mauern.
Der Abend begann mit tropischen Temperaturen, die selbst den altehrwürdigen Steinen der Burg den Schweiß aus den Fugen trieben. Als die Formationen die Bühne betraten, war die Luft bereits elektrisierend aufgeladen. Das Publikum fächelte sich noch mit den Programmheften der veranstaltenden Stadtkultur Miltenberg Luft zu, während die Musiker die ersten groovigen Rhythmen ins Rund feuerten.
Platzregen, Schirme und die stimmliche Urgewalt
Mitten in diese temperamentvolle Darbietung hinein öffnete Petrus minutenlang die Schleusen. Ein sommerlicher Platzregen ergoss sich über die Mildenburg. Doch statt einer kollektiven Flucht passierte das, was echte Open-Air-Magie ausmacht: Die Formationen drehten die Lautstärke hoch.
Während das Katalda Project seinen akustischen Instrumenten trotzig-schöne Melodien entlockte, hielt die stimmliche Power von Voice ’n’ Noise gesanglich gegen den Donner stand.
Das Publikum rückte unter Schirmen zusammen und verwandelte die nasse Burgterrasse kurzerhand in eine fast feucht-fröhliche Tanzfläche. Die Künstler reagierten gewohnt schlagfertig und humorvoll auf das Chaos: „Diesen Special Effect haben wir extra im Budget der Stadtkultur eingeplant!“, scherzte die Band klatschnass, aber glücklich in Richtung der Zuschauer.
Der Kitsch-Moment des Jahres: Ein Regenbogen über dem Main und der Burg.
Pünktlich zu einer melancholisch-kraftvollen Ballade, bei der mehrstimmiger Chorgesang und das feinsinnige Spiel des Trios miteinander verschmolzen, riss der Himmel auf. Die tiefstehende Abendsonne brach durch die Wolkenfetzen und zeichnete einen gigantischen, fast schon unverschämt kitschigen Regenbogen direkt über das Maintal und den Burghof.
Die anschließende Abendstimmung tauchte die gesamte Kulisse in ein goldenes, fast surreales Licht.
Fazit und Ausblick Am Ende des Abends lag ein Hauch von Dampf über dem Innenhof – teils vom verdunstenden Regen, teils vom kollektiven Traum-Tanzen einer eingeschworenen Fangemeinde.
Voice ’n’ Noise und das Katalda Project haben bewiesen, dass hochkarätige musikalische Symbiosen selbst einer Hitzewelle und einem Wolkenbruch trotzen können.
Das Fazit des Abends fällt durchweg euphorisch aus: Kultur im Freien lebt von der Unberechenbarkeit – und diese wurde hier bravourös in pures Entertainment verwandelt. Der furiose Donnerstagabend macht gleichzeitig Appetit auf mehr.
Der Miltenberger Kultursommer hat einmal mehr gezeigt, dass die Mildenburg als Open-Air-Kulisse im gesamten Landkreis ihresgleichen sucht.
Für die kommenden Tage und Wochen verspricht das Programm der Stadtkultur noch weitere hochkarätige Highlights unter dem Sternenhimmel.
Bleibt für die nächsten Veranstaltungen nur zu hoffen, dass der Wettergott dann die Spezialeffekte etwas sparsamer dosiert – obwohl ein Regenbogen als Stammgast eigentlich fest gebucht werden sollte.
Die vorgetragenen Musikstücke zeichneten sich durch eine hohe stilistische Bandbreite aus, die vom Ensemble differenziert charakterisiert wurde:
Don’t Stop Me Now: Der Queen-Klassiker bildete das energetische Fundament. Getragen von einem stark synkopierten, treibenden Rhythmus und pointierten Choreinsätzen, bestach das Stück durch eine extrem hohe Dynamik und ein forderndes, beschwingtes Tempo.
So wie du bist / Auf das, was da noch kommt: Diese zeitgenössischen Pop-Titel wurden durch das Katalda Project harmonisch feinsinnig seziert. Die Phrasierung der Querflöte verlieh den Stücken eine schwebende, melancholisch-optimistische Grundstimmung, während die akustischen Harmonien Intimität erzeugten.
Red Balloon: Ein rhythmisch verspieltes Stück, das durch eine transparente Textur überzeugte. Die Violine setzte hier präzise, tänzerische Akzente über einem repetitiven, aber treibenden Groove.
Paris / Ganz Paris träumt von der Liebe: Ein bewusster stilistischer Bruch im Repertoire. Das Ensemble interpretierte das Chanson-Erbe mit einer eleganten, fast nostalgischen Leichtigkeit. Das Tempo war im moderaten Walzer- bzw. Swing-Metrum gehalten, was für eine charmante, retrospektive Färbung sorgte.
Menschen gehen vorüber / Ich sehe dich / Wir sehen uns / Weit weg von mir: Dieser Werkblock bildete das emotionale Kernstück des Abends. Die Kompositionen lebten von einer getragenen, hochgradig sehnsuchtsvollen Dramaturgie. Der mehrstimmige Chorgesang entfaltete hier seine volle sangliche Kraft, gestützt durch eine dichte, harmonische Textur und sanft anschwellende Crescendi.
Lady in Black: Das Finale transformierte den Uriah-Heep-Klassiker in eine hymmische Folk-Rock-Variante. Die Kombination aus der repetitiven, hypnotischen Melodieführung und dem anwachsenden Gesamtvolumen aller Akteure bildete den klanglichen Höhepunkt der Aufführung.
Fazit und Ausblick
Das Experiment, chorische Wucht mit der filigranen Akustik eines Trios zu kreuzen, darf als künstlerisch geglückt bezeichnet werden. Trotz der akustischen Herausforderungen, die ein Open-Air-Areal mit sich bringt, gelang eine ausgewogene Balance zwischen den Ensembles, die vom Publikum mit langanhaltendem Applaus honoriert wurde. Die Mildenburg hat sich erneut als eine der profiliertesten Open-Air-Kulissen des Landkreises bewiesen.
Der Miltenberger Kultursommer setzt sein hochkarätiges Programm in den kommenden Wochen fort. Musik- und Kulturbegeisterte dürfen sich im August auf weitere anspruchsvolle Veranstaltungen unter freiem Himmel freuen, die das historische Ambiente der Region kulturell beleben werden.
Roland Schönmüller
WEITERE BILDER FOLGEN !
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.