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Seine Waffe war das Wort - Gewürdigt als bürgerlicher Vordenker in historischen Lexika und aktuell in eínem Vortrag.
- Miltenberg am historischen Marktplatz
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Seine Waffe war das Wort - Gewürdigt als bürgerlicher Vordenker.
Vortrag von Helmut Demel zum Miltenberger Amtmann Friedrich Weygandt .
Miltenberg. Der Titel des neunzigminütigen, hoch interessanten Vortrags „Friedrich Weygandt – Von der Geschichte vergessen“ der hiesigen Volkshochschule in Kooperation mit dem Frankenbund stimmte nachdenklich und löste gleichzeitig die Frage nach dem „Warum“ aus.
Der Referent Altbürgermeister Helmut Demel befasste sich sehr intensiv mit dieser bedeutenden Persönlichkeit und der Zeit des Bauernkrieges (1525).
Er besuchte Archive, befragte Experten, unterhielt sich mit Leuten in der Region, wertete schriftliche Quellen aus und kam zu der Erkenntnis:
Friedrich Weygandt war eine historische Gestalt, die es auch heute noch verdient, gerade hier in Miltenberg und in der Umgebung besonders gewürdigt zu werden.
Wer war Friedrich Weygandt?
- Friedrich Weygandt stammte wohl aus Karlstadt am Main,
- hatte aber auch urkundlich genannte Besitzungen in Gamburg im Taubertal.
- Unbekannt ist sein Geburtsjahr,
- ebenso rätselhaft der Ort seines frühen Todes.
- 1525 soll er hingerichtet worden sein, sicherlich durch Verbrennung auf dem Scheiterhaufen.
- Als Mainzischer Amtskeller in Miltenberg betrieb er die Loslösung (Dismembration) Miltenbergs von der Mutterpfarrei Bürgstadt.
- Er galt als einer der führenden theoretischen Köpfe der aufständischen Bauern vor exakt 500 Jahren,
- für die er einen Entwurf zur Reform des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ausarbeitete.
- Als schriftliche Quelle und seltenes Dokument aus dem deutschen Bauernkrieg ist Weigands Entwurf ein lesenswertes Schreiben an den Adel und an die Städte vom April 1525.
Helmut Demel berichtete daraus:
Als sich die Bauern in Franken zum Kampf entschlossen sammelten, unternahm in Heilbronn eine Gruppe bürgerlicher Vordenker den Versuch einer Zusammenführung von bäuerlichen und bürgerlichen Bewegungen durch gemeinsame programmatische Formulierungen.
Die Zeit war reif für Gedankengut, das die Taktik gegenüber dem Kaiser und dem Schwäbischen Bund beschrieb. Diskutiert werden sollte es zu Heilbronn, in das viele Bauernhaufen ihre Delegationen entsandten. Die Initiatoren dieser Beratungen und des Heilbronner Programms hießen Wendel Hipler und Friedrich Weigand.
Beide waren offenbar mit der 1523 erschienenen Flugschrift „Teutscher Nation notturft oder Reformation Kaiser Friedrichs III. “ vertraut, stellten die Forderungen der städtischen Bürger zusammen und rechneten auf eine Durchsetzung mit Hilfe der bewaffneten Bauern.
Wie vorsichtig und untertänig die ersten Versuche dabei geklungen haben, das kann man dem besagten Schreiben entnehmen: noch hofften die Aufmüpfigen auf den Verstand der Obrigkeit.
Der Text entstand offenbar, als die Kampfhandlungen noch nicht begonnen hatten. Es war ein Versuch der Verständigung mit den Bürgern aus den Städten und mit dem Adel!
Die Hauptgegner waren die Fürsten, insbesondere die geistlichen. Ziel war – so der Referent - eigentlich eine friedliche Verständigung über die notwendigen Reformen.
Man wollte sich nicht abwenden von der Obrigkeit, man wollte klar und eindeutig verhandeln. Einladungsschreiben gingen noch an die verschiedensten Orte Süddeutschlands.
Doch zu Beratungen kam es nicht mehr. Die späteren Ereignisse belehrten die Bauern eines Schlimmeren. Sie verloren auf breiter Front in mehreren Aufständen ihren Kampf.
War der Bauernkrieg ein Vorgeschmack auf spätere Freiheitskämpfe, eine wichtige Wegmarke auf dem langen Marsch zu den Menschenrechten und zur Demokratie oder handelte es sich in erster Linie um ein grausames Chaos.
Eine angemessene Bewertung der Ereignisse vor 500 Jahren fällt auch heute nicht ganz leicht, weil sie von späteren Generationen immer wieder für ihre Zwecke instrumentalisiert und verzerrt wurden, resümierte der Referent.
Eines war der Bauernkrieg ganz sicher: ein einmaliges Ereignis. Nie wieder ist es danach in deutschen Landen zu einer vergleichbaren Rebellion gekommen.
Nahezu ins Dunkel verschwunden ist wie typische Artefakte dieses Bauernkrieges auch der Miltenberger Amtmann Friedrich Weygandt. Sein Anfang und sein Ende bleiben rätselhaft.
Eine Straße in einem Stadtrand-Neubaugebiet ist in Miltenberg nach ihm benannt,
weitere Hinweise - wie eine Gedenktafel - fehlen in der Stadt.
Allerdings wer in nächster Zeit durch die Altstadt geht, entdeckt einen Zug wichtiger Persönlichkeiten des Bauernkrieges, unter anderem Götz von Berlichingen und auch Friedrich Weygandt:
es sind verkleidete Stadtführerinnen und -führer, die an die Zeit vor 500 Jahren erinnern.
Roland Schönmüller
BU 1: Hier in Miltenberg am historischen Marktplatz wirkte Amtmann Friedrich Weygandt. Foto Roland Schönmüller
BU 2: Referent Helmut Demel beim Vortrag, zusammen mit Stadthistoriker Wilhelm Otto Keller. Foto Roland Schönmüller
Weitere Bilder und Infos folgen!
Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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