Hegeschau
Erstes Jagdjahr im Dreijahreszeitraum bringt zufriedenstellendes Ergebnis

Trophäenbesichtigung in der Hegeschau des Nordlandkreises mit (von links) Armin Rubach (Vorsitzender BJV-Kreisverband Obernburg), Günther Oettinger (weiterer Stellvertreter des Landrats), Sabine Dobler-Stegmann (Sachgebietsleiterin Naturschutz, Jagd- und Fischereiwesen am Landratsamt), Veterinäramtsleiterin Dr. Vanessa Schönenbrücher, Obernburgs Bürgermeister Nikolaus Volland und Jagdberater Horst Feyrer. | Foto: Winfried Zang
  • Trophäenbesichtigung in der Hegeschau des Nordlandkreises mit (von links) Armin Rubach (Vorsitzender BJV-Kreisverband Obernburg), Günther Oettinger (weiterer Stellvertreter des Landrats), Sabine Dobler-Stegmann (Sachgebietsleiterin Naturschutz, Jagd- und Fischereiwesen am Landratsamt), Veterinäramtsleiterin Dr. Vanessa Schönenbrücher, Obernburgs Bürgermeister Nikolaus Volland und Jagdberater Horst Feyrer.
  • Foto: Winfried Zang
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Die Hegeschauen für den Süd- und Nordlandkreis bieten stets für alle an der Jagd Beteiligten, aber auch für an der Jagd Interessierte eine gute Gelegenheit, sich über die aktuelle Situation der Jagd und des Forsts zu informieren. So war es kein Wunder, dass die Hegeschau für den Nordlandkreis, ausgerichtet von der BJV-Kreisgruppe Obernburg, am Freitag, 15. Mai, in der Eisenbacher Sport- und Kulturhalle wieder gut besucht war.

Eröffnet von Klängen der harmonisch aufspielenden Jagdhornbläser des BJV Obernburg, freute sich BJV-Vorsitzender Armin Rubach über das große Interesse an der Schau. Gäste aus dem Bereich der Jagd, des Landratsamts, der Kommunen und sonstige Jagdinteressierte zeigten laut Rubach, dass „Jagd verbindet“. Für Obernburgs Bürgermeister Nikolaus Volland, neu im Amt, war es die erste Hegeschau. Er sei sehr interessiert an der Jagd, versicherte er und kündigte eine Revierbegehung mit dem örtlichen Revierförster an, um sich über die Situation im über 1.000 Hektar großen Stadtwald auszutauschen. Es gelte die Frage zu beantworten, wie man den Wald fit machen könne für den Klimawandel, sagte Volland, aber dabei sei man auf einem guten Weg. Die Hegeschau sei „ein guter Ort für den offenen Austausch“, stellte er fest und dankte allen Jagdausübenden für ihre verantwortungsvolle Tätigkeit.

Für den weiteren Stellvertreter des Landrats, Günther Oettinger, ist die Hegeschau ein „sichtbares Zeichen für die Verantwortung“, die die Jägerschaft für die Kulturlandschaft und den Wildbestand übernimmt. Die Jagd sei im 58 Prozent Waldfläche fast waldreichsten Landkreis Bayerns ein wichtiges Thema der Kreisentwicklung und im öffentlichen Interesse, stellte er fest. Ein gesunder und widerstandsfähiger Wald sei in Zeiten des Klimawandels ein „wertvolles Gut der ganzen Gesellschaft“, zu dem eine zukunftsgerichtete Jagd ihren Beitrag leistet. Mit den gelieferten Streckendaten könne man „insgesamt zufrieden“ sein, es gebe aber noch Entwicklungspotenzial. Den Jägerinnen und Jägern dankte er für die geleistete Arbeit. Die Bilanz der Hegeschau zeige eindrucksvoll, dass nachhaltige Jagd weit mehr sei als Abschusszahlen, sie sei „gelebter Natur- und Artenschutz.“ Er bat alle Jagdausübenden, weiterhin gemeinsam an der Erfüllung der Abschusspläne zu arbeiten.

Mit Spannung erwartet wurde die Bilanz des Jagdjahres 2025/2026. Jagdberater Horst Feyrer berichtete von einer 1.397 Stück umfassenden Rehwildstrecke, was – bezogen auf den Dreijahresplan – einem Erfüllungsgrad von 30 Prozent entspreche. Dies sei „ein gutes erstes Drittel“, fand er, man liege nur knapp unter dem Soll. Beim Blick auf die Zahlen der Hegegemeinschaften (HG) nannte er für die HG 6 Obernburg mit 406 erlegten Rehen einen Erfüllungsgrad von 30 Prozent, laut Vegetationsgutachten sei man noch im grünen Bereich. In der mit über 12.000 Hektar größten Hegegemeinschaft im Nordlandkreis, der HG 7 Klingenberg, liege die Erfüllungsquote bei 28 Prozent, das Gutachten weise einen roten Zustand aus. Dass hier nicht alles nach Plan laufe, liege nicht nur am Rehwild, sondern auch am Rotwild. Die HG 8 Kleinwallstadt liege mit einem Erfüllungsgrad von 32 Prozent ganz nah am rechnerischen Soll, zeigte Feyrer. Das Vegetationsgutachten zeige grün an, sagte er.

Die Schwarzwildstrecke weist mit 1.341 Tieren einen deutlich höheren Wert gegenüber dem Jagdjahr 2024/2025 mit 1.2024 Tieren auf, ließ sich den Zahlen entnehmen. Der Anteil der erlegten Frischlinge solle möglichst hoch sein, appellierte Feyrer an die Jägerinnen und Jäger, deren Anteil sei im letzten Jagdjahr aber erfreulicherweise wieder deutlich gestiegen. Beim Rotwild liege man sowohl im Spessart wie auch im Odenwald deutlich unter Soll, machte er klar: So sei man im Spessart bei einem Soll von 110 Stück bei 61 angelangt (55 Prozent), im Odenwald bei einem Soll von 110 Stück bei 69 (63 Prozent). Im Bereich Muffelwild seien drei Widder, vier Schafe und fünf Lämmer erlegt worden. Beim Niederwild seien mit 598 Füchsen etwa zehn Prozent weniger als im Vorjahr geschossen worden, dazu kamen unter anderem 218 Dachse (Vorjahr: 184) und 265 Waschbären (243). Die Zahl der Waschbären steige ständig, so Feyrer. Es gelte daher, diese invasive Art so intensiv wie möglich zu bejagen. Auch sei es nötig, die Gänse wie Nilgans und Kanadagans zu bejagen, denn auch diese verursachten in der Landwirtschaft hohe Schäden. Da man mit den Landwirten ein gutes Miteinander wolle, müssten mehr Tiere geschossen werden. Deutlich gestiegen sei die Zahl der erlegten Kormorane: 238 Stück seien im Vergleich zum Vorjahr (87) ein gutes Zeichen einer mittlerweile regen Jagdtätigkeit. Die Zahl der Wildunfälle sei leicht gestiegen, zeigte der Jagdberater und sprach unter anderem von 239 Stück Rehwild (Vorjahr: 221) und 24 Stück Schwarzwild (18).

Analog zur Hegeschau vor Wochenfrist im Südlandkreis informierte Stefan Pache, Abteilungsleiter Umweltschutz am Landratsamt, über die Änderungen im Jagdgesetz. Dabei ging er unter anderem auf die Möglichkeit der Abschussplanfreiheit für Rehwild, die Zulässigkeit von Gruppenabschüssen, die Erweiterung der Liste der jagdbaren Tierarten sowie die Änderungen der Jagdzeiten ein. Dr. Vanessa Schönenbrücher, Leiterin des Veterinäramts, stellte die Lage im Hinblick auf die Afrikanische Schweinepest (ASP) dar. Demnach gebe es keine Fälle im Landkreis Miltenberg, aber zuletzt Ende März im Odenwaldkreis. Bei der ASP-Verbreitung dürfe man nie den Faktor Mensch vergessen, sagte sie, denn Unvorsichtigkeit könne sich rächen. Bislang seien im westlichen Franken, dem sogenannten Frankenwall, seit Juni 2024 29.000 Blutproben untersucht worden, darunter 7.226 im Bereich Miltenberg bei gesund erlegten Wildschweinen. Mittlerweile gebe es einen festen Wildzaun entlang der A3, der B469 und der Staatsstraße 2311, die Lücken an der B469 würden mit Wildkameras überwacht. Die ASP-Hotline sei weiter geschaltet, bislang seien 89 Wildschweine geborgen worden. „Wachsam bleiben“, forderte Schönenbrücher die Jägerinnen und Jäger auf.

In seinem Schlusswort appellierte BJV-Vorsitzender Armin Rubach an die Jägerinnen und Jäger, für ihre Meldungen an die Behörde die digitalen Möglichkeiten zu nutzen, das gehe einfacher und schneller als mit auszufüllenden Formularen. Er forderte zudem die erfahrenen Jägerinnen und Jäger auf, ihre jungen Kolleginnen und Kollegen zu begleiten und sicherzustellen, dass diese sehr viele Erfahrungen sammeln könnten.

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