Bildergalerie und Essay.
Wenn Gassen Geschichten atmen.
- Sylvia Ackermann am Piano und das Nachwuchstalent Adrian Dederer von der Musikschule Miltenberg berührten das Publikum spürbar. Besonders die vierhändig vorgetragenen Slawischen Tänze von Antonín Dvořák faszinierten durch rhythmische Prägnanz. Foto Roland Schönmüller
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Der dritte Band der Schirmer-Chronik schlägt im Alten Rathaus eine Brücke zwischen Miltenbergs Gestern und Heute.
Miltenberg. Es gibt Städte, die werben laut. Und es gibt Miltenberg.
Wer an einem frühen Juliabend durch die Gassen geht, spürt es sofort: ein warmer Atem aus Fachwerk, Flusslicht und Geschichte. Nichts wirkt inszeniert. Die Stadt entfaltet ihre Anziehungskraft im Stillen. Der Main zieht wie ein silbernes Band vorbei. Die Hügel stehen wie ein stilles Publikum im Hintergrund.
Miltenberg sammelt Geschichten nicht, es atmet sie. In den Gassen liegt ein feiner Geruch von Zeit – lebendig wie frisch geöffnetes Papier. Diese Stadt ist keine Kulisse, sondern ein fortlaufendes Gespräch.
Eine Begegnung mit der eigenen Vergangenheit.
Für dieses Gespräch bildete der Bürgersaal des Alten Rathauses am Donnerstag, dem 9. Juli 2026, den perfekten Rahmen. Der Förderkreis „Historisches Miltenberg“ e. V. lud zur Vorstellung des dritten Bandes der Schirmer-Chronik. Der Saal war bis fast auf den letzten Platz gefüllt. Ein klares Zeichen dafür, wie stark die Menschen hier ihre Historie als gemeinsames Gut begreifen.
Die Chronik stammt aus der Feder von Jakob Josef Schirmer (1828–1926). Der Miltenberger Bürger dokumentierte über acht Jahrzehnte hinweg das städtische Leben. Der neue Band umfasst die Jahre 1850 bis 1926. Er zeigt eine Epoche des tiefgreifenden Übergangs zwischen Tradition und Moderne.
Fortschritt, Alltag und persönliche Schicksale.
In den Einführungen von Ludwig Martin Büttner und dem Vereinsvorsitzenden Dr. Martin Westarp wurde die enorme thematische Breite des Werkes deutlich. Schirmer war kein reiner Chronist amtlicher Akten. Er war ein präziser Beobachter des Wandels. Die Aufzeichnungen spannen einen weiten Bogen:
- Die Alte Mainbrücke zwischen Altstadt und Miltenberg-Nord
- Die traditionsreiche Stadtapotheke zum Einhorn
- Die Modernisierung der städtischen Beleuchtung
- Die feierliche Einweihung des ersten Elektrizitätswerks
- Der Alltag am Königlich bayerischen Progymnasium inklusive Winterbad
- Familiengeschichten und lebendige Anekdoten rund um die Familie Vierengel
Persönliche Tagebuchauszüge und Autobiographien brechen die große Historie auf das menschliche Maß herunter. Sie verleihen dem gedruckten Stoff eine intime, unmittelbare Perspektive.
Ein Abend voller Klang und Resonanz
Die Historie ging an diesem Abend Hand in Hand mit der Gegenwart. Die musikalische Gestaltung prägte die Atmosphäre im Saal nachhaltig. Sylvia Ackermann am Piano und das Nachwuchstalent Adrian Dederer von der Musikschule Miltenberg berührten das Publikum spürbar. Besonders die vierhändig vorgetragenen Slawischen Tänze von Antonín Dvořák faszinierten durch rhythmische Prägnanz. Die Musik verband temperamentvolle Energie mit lyrischen Momenten. Sie gab dem Abend eine fast erzählerische Klangfarbe.
Am Ende des Abends stand fest: Diese Chronik schließt die Vergangenheit nicht museal weg.
Sie öffnet das Gedächtnis der Stadt neu. Das große Interesse und die vielen Buchkäufe direkt vor Ort bewiesen, dass Schirmers Papier lebendig bleibt. Miltenberg hat seine Geschichte nicht nur behütet, sondern erfolgreich in die Gegenwart weitergetragen.
Roland Schönmüller (Text und Fotos)
BU 1: Sylvia Ackermann am Piano und das Nachwuchstalent Adrian Dederer von der Musikschule Miltenberg berührten das Publikum spürbar. Besonders die vierhändig vorgetragenen Slawischen Tänze von Antonín Dvořák faszinierten durch rhythmische Prägnanz. Foto Roland Schönmüller
BU 2: In den Einführungen von Ludwig Martin Büttner und dem Vereinsvorsitzenden Dr. Martin Westarp wurde die enorme thematische Breite des Werkes deutlich. Schirmer war kein reiner Chronist amtlicher Akten. Er war ein präziser Beobachter des Wandels. Foto Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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