Bildergalerie und Essay.
Sommerpoesie am frühen Julimorgen.
- Radfahrer ziehen vorbei in Richtung Eichenbühl, leicht und rhythmisch wie der Fluss selbst. Eine Wanderin kommt aus Eichenbühl, läuft nach Pfohlbach, bleibt am sprudelnden Brunnen stehen, der am Ortseingang wie ein kleiner Jubel wirkt. Es ist ihr erster Urlaubstag, und man sieht ihr an, dass dieser Brunnen für sie mehr ist als Wasser – er ist Auftakt, Versprechen, Befreiung.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Straßen, Sommer, Stimmen:
Frühe Fahrt über die Höhe.
Ein Julimorgen um 6.30 Uhr auf der Odenwaldhöhe hat seinen eigenen Pulsschlag. Die Richelbach‑Straße liegt noch im Halbschatten, doch der Tag beginnt bereits zu glühen. Pendler ziehen in zwei Richtungen – nach Wertheim hinab oder nach Miltenberg zurück –, ein leiser, stetiger Strom, der die Hügel durchschneidet wie ein Atemzug der Region.
Ein kurzer Halt am Bildstock aus dem 17. Jahrhundert. Er steht da wie ein stiller Chronist, der mehr gesehen hat als jeder Reisende: die alte Hohe Straße, auf der einst Händler und Kaufleute, Gesandte, Fürsten und Könige von Nürnberg über Würzburg nach Miltenberg und weiter nach Frankfurt zogen. Heute sind es Autos, Schulbusse, Fahrräder – doch die Linie der Bewegung ist geblieben.
Schüler, Sommer, Superbenzin.
An der Bushaltestelle warten die Schüler, die der Tag in die Klassenzimmer der Region ruft. Ein heißer Tag beginnt auch für sie, Hitzefrei gibt es nicht. Die Tankstelle zeigt nüchtern den Preis: Super – 2,07 Euro pro Liter. Sommer hat seine eigene Buchführung.
Die Rückfahrt führt durch eine gelbe Getreidelandschaft, die sich wie ein aufgeschlagenes Buch unter dem Himmel ausbreitet. Gegen 8 Uhr rollen die ersten Traktoren mit Anhängern über die Felder – der Arbeitstag der Landwirtschaft beginnt früher als der der Städte.
Im Erftal: Natur schreibt mit.
Gegen neun Uhr an der Ottenmühle: Der Biber schläft noch, doch seine Handschrift ist deutlich – umgestürzte Bäume, angenagte Äste, welkes Laub am Ufer. Die Natur arbeitet im eigenen Rhythmus, unbeeindruckt von menschlichen Zeitplänen.
Radfahrer ziehen vorbei in Richtung Eichenbühl, leicht und rhythmisch wie der Fluss selbst. Eine Wanderin kommt aus Eichenbühl, läuft nach Pfohlbach, bleibt am sprudelnden Brunnen stehen, der am Ortseingang wie ein kleiner Jubel wirkt. Es ist ihr erster Urlaubstag, und man sieht ihr an, dass dieser Brunnen für sie mehr ist als Wasser – er ist Auftakt, Versprechen, Befreiung.
Heppdiel: Der Tag steigt.
In Heppdiel schließlich steigt das Thermometer bereits in Richtung 30 Grad. Der Tag hat Fahrt aufgenommen, die Landschaft glüht, und der Morgen, der so still begann, ist längst ein Kapitel des Sommers geworden – ein Stück Odenwald, das sich nicht erklären muss, weil es sich selbst erzählt.
Stimmen des Morgens.
• Radfahrer aus Riedern, unterwegs nach Miltenberg:
Eilig, aber mit sichtbarer Freude über den Juliwind, der ihn trägt und den Morgen leicht macht.
• Wanderin aus Eichenbühl:
Begeistert von Flora und Fauna am Wegrand, zeigt Handyaufnahmen einer Wespenspinne
im Sommerlicht und erfrischt sich am sprudelnden Brunnen am Ortseingang.
• Traktorfahrer auf der Höhe:
Im Endspurt, bevor Gewitter und Regen kommen. Der Himmel zieht bereits erste Linien, doch noch gehört der Morgen ihm.
• Schulkind an der Haltestelle:
Hitzefrei wird es wieder nicht geben, aber die Sommerferien sind nah genug, um den Tag leichter zu machen.
• Bäckereiverkäuferin in den frühen Morgenstunden:
Die ersten Kundinnen und Kunden stehen schon um sieben Uhr an der Theke und nehmen Brötchen mit – ein stiller Auftakt, der den ganzen Tag trägt.
Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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