„Operation am offenen Herzen“

Der Verkehrsknotenpunkt des Landkreises in Kleinheubach wird derzeit zu einem Großkreisel ausgebaut. (Foto: Foto: Dominik Stapf/News Creativ)
 
So wird der fertige Kreisel Kleinheubach nach der Fertigstellung im Herbst bzw. Winter 2020 aussehen. (Foto: Foto: STBAAB)
 
Klaus Schwab, Behördenleiter Staatliches Bauamt Aschaffenburg: „Das größte, derzeit im Bau befindliche Projekt in unserer Region in Kleinheubach gleicht einer ´Operation am offenen Herzen´.“ (Foto: Foto: privat)
 
Landrat Jens Marco Scherf (Foto: Foto: Landratsamt Miltenberg)

Anschlussstelle Kleinheubach wird in dreieinhalb Jahren zu einem fünfarmigen Kreisverkehrsplatz mit zwei Spuren ausgebaut

Es ist die Megabaumaßnahme in der Region – der Umbau des Kreisels Kleinheubach. Lange geplant, viel diskutiert, teilweise umstritten, doch letztendlich notwendig aufgrund des ständig wachsenden Verkehrsaufkommens. Im April 2017 fiel der Startschuss, nach dreieinhalb Jahren soll bis Herbst 2020 alles fertig sein.

Anspruchsvolles Projekt

Das Staatliche Bauamt Aschaffenburg ist für die sehr anspruchsvolle Bauausführung federführend zuständig. „Es ist mit einer Investitionssumme von rund 17 Millionen Euro das derzeit größte im Bau befindliche Straßenbauvorhaben unserer Region ´Bayerischer Untermain´“, stellt Klaus Schwab, Behördenleiter des Staatlichen Bauamts Aschaffenburg, fest. „Aufgrund des engen Baufelds und der intensivsten Nutzung, die an diesem Verkehrsknotenpunkt herrscht, kommt die Baumaßnahme einer ´Operation am offenen Herzen´ gleich.“

Optimale Verknüpfung

Was ist nun im Einzelnen geplant und wie weit sind die bisherigen Bauarbeiten schon fortgeschritten? Das ist die zentrale Frage, die sich viele stellen. „Mit dem Umbau der Anschlussstelle wird das Straßenverkehrssystem im Zuge der Ortsumgehung Miltenberg fertiggestellt und eine optimale Verknüpfung der B 469 mit den dortigen Staats- und Kreisstraßen hergestellt“, so Klaus Schwab weiter.

Fünfarmiger Kreisel

Geplant ist ein fünfarmiger, zweispuriger Kreisverkehrsplatz, der einen Durchmesser von 105 Metern haben wird.

Hohe Verkehrsbelastung – enges Baufeld

Die 5 Anschlussäste sorgen dafür, dass die Bundesstraße B 469, die Staatsstraßen 2310 und 2441, die Kreisstraße MIL 4 von und nach Rüdenau und das Gewerbegebiet „Seehecke Kleinheubach“ optimal angebunden werden. Insgesamt drei Unterführungsbauwerke sollen Fußgängern und Radfahrern eine gefahrlose Nutzung ermöglichen.

Fünf Bauphasen

Da der Umbau der Anschlussstelle Kleinheubach ein sehr komplexes Vorhaben ist und unter Aufrechterhaltung des Verkehrs erfolgt, ist das gesamte Bauvorhaben in mehrere Bauabschnitte und fünf Bauphasen aufgeteilt. Mehrere Brückenbauwerke und viele vorbereitende Baumaßnahmen sind bereits hergestellt worden oder befinden sich in der Fertigstellung.

So wurde in der ersten Bauphase eine neue Brücke über die Gemeindestraße „Am Hundsrück“ mit 4 Fahrspuren gebaut. In der zweiten Bauphase wurden eine Unterführung für Radfahrer und Fußgänger an der ST 2441 und die Rampe hierzu an der Hauptstraße Kleinheubach ausgeführt. Diese Maßnahme konnte im Dezember 2017 abgeschlossen werden.

Radwegunterführung an der Bahnlinie

Derzeit in Bauphase drei im Bau befindlich ist der Neubau einer Geh- und Radwegunterführung unter der Bahnlinie Aschaffenburg-Miltenberg, für die die Bahnstrecke vor knapp vier Wochen ein Wochenende lang gesperrt werden musste. Die Verlegung der 135 Tonnen schweren Betonröhre unter den Gleisen mithilfe zweier Schwerlastkräne war eine spektakuläre Aktion. Entsprechend groß war das Interesse der Bevölkerung und der Medien, die die Ausführung genau beobachteten und das Ereignis bei hochsommerlichen Temperaturen auch gebührend feierten. Die nun noch fehlenden Rampen sollen bis Ende 2018 fertiggestellt sein.

Provisorische Umfahrung

„Jetzt geht es aber erst so richtig los, denn jetzt nehmen wir die nächste große Bauphase in Angriff“, ist Klaus Schwab sicher. „Die Bauphase vier mit dem Neubau einer provisorischen Umfahrung um den späteren Kreisverkehr herum einschließlich einer ebenfalls provisorischen Fußgängerunterführung wurde vor wenigen Tagen gestartet. Durch dieses Provisorium nehmen wir den Verkehr aus dem Baufeld für den eigentlichen höhenfreien Knotenpunkt heraus, so dass wir die Bauarbeiten für die Brücken, Stützwände und Fahrbahnen ausführen können. Wegen der hohen Verkehrsbelastungen an der Anschlussstelle – wir greifen hier unmittelbar in den fließenden Verkehr ein – und wegen des sehr engen Baufeldes, das in unmittelbarer Nachbarschaft zu wichtigen Betrieben liegt, ist die Bauausführung hier sehr anspruchsvoll, denn die Verkehrsanbindung muss während der Bauarbeiten funktionieren!“ Die provisorische Umfahrung soll bis Mai 2019 fertiggestellt sein, damit dann der eigentliche Kreisverkehrsplatz gebaut werden kann.

Fertigstellung Ende 2020

Die Bauphase fünf schließlich wird den Neubau der Anschlussstelle umfassen. „Insgesamt drei Brückenbauwerke, vier Stützmauern entlang der Zu- und Abfahrtsrampen sind hierzu notwendig, ebenso sämtliche Entwässerungseinrichtungen und verschiedene Radwegneubauten“, so Klaus Schwab dazu. „Weiterhin werden wir in dieser Bauphase die vorhandene Brücke an der Kreisstraße MIL 4 abbrechen. Zu guter Letzt wird die provisorische Umfahrung aus der Bauphase vier wieder zurückgebaut. Wir gehen davon aus, dass in dieser letzten Bauphase nach eineinhalb Jahren bis Herbst bzw. Winter 2020 alles fertiggestellt sein wird.“

Für unseren Verkehr

Warum überhaupt solch ein großes Projekt? Die Meinungen dazu gehen auseinander. Fest steht eines: Der Verkehr hat überdurchschnittlich zugenommen. Fest steht auch, dass die Bundesstraße B 469 DIE Lebensader am Bayerischen Untermain ist und entsprechend stark frequentiert wird. Sind die bisherigen Planungen dann noch ausreichend? „Wir haben durch Verkehrszählungen im Jahr 2015 Prognosen vorliegen, auf deren Grundlage die Planungen erfolgten“, erläutert Klaus Schwab. „Darin sind auch die LKW-Ströme eingeflossen, die durch die Betriebe im unmittelbaren Umfeld ausgelöst werden. Diese Prognose wird nochmals überprüft, damit wir auf der sicheren Seite sein können. Weiterhin wurde eine Verkehrssimulation in Auftrag gegeben, um gegebenenfalls nochmals reagieren zu können.“ Landrat Jens Marco Scherf meint abschließend dazu: „Mobilität ist eine zentrale Aufgabe des Landkreises. Der Verkehr am Knoten Kleinheubach ist im Kern unser Verkehr, den wir selbst verursachen. Er ist die Folge unserer florierenden Wirtschaftsstruktur, auf die wir alle stolz sein können. Daher halte ich die Maßnahme für gut und richtig.“

Stimmen zum Straßenbauprojekt

Landrat Jens Marco Scherf, Miltenberg: „Am Verkehrsknotenpunkt Kleinheubach treffen eine Staatsstraße sowie die Bundesstraße 469 mit jeweils zwei Richtungen sowie die Kreisstraße nach Rüdenau und die Straße nach Kleinheubach zusammen, dazu kommen wichtige Radwege und die nahe liegende Bahnstrecke. Aufgrund der räumlichen Enge mit mehreren bedeutenden Gewerbebetrieben sowie der steigenden Verkehrszahlen handelt es sich bei diesem Kreisel um einen ganz zentralen Verkehrsknoten des Landkreises. Trotz der langfristigen Bemühungen um eine Stärkung alternativer Verkehrsträger wie Schiene oder Fahrrad braucht der Landkreis gerade wegen der guten wirtschaftlichen Entwicklung einen leistungsfähigen Knoten, worauf ich auch den breiten Konsens zurückführe.“

Ralf Hartmann, Großwallstadt, Berufspendler: „Ich pendle täglich von meinem Wohnort Großwallstadt zur Arbeit im Industriegebiet Kleinheubach. Daher fahre ich auch über den Kreisel, der derzeit umgebaut wird. Bisher hatte ich Glück und stand noch nicht im Stau. Allerdings wird es künftig, wenn der neue Großkreisel gebaut wird, durch die Bauarbeiten ein paar Einschränkungen geben. Ich werde deshalb mehr Zeit einplanen. Wie viele Pendler hege ich die Hoffnung, dass während der umfangreichen Bauarbeiten weiterhin eine uneingeschränkte Befahrbarkeit gegeben sein wird. Aus Sicht der technischen Bausubstanz muss meiner Meinung nach dringend etwas unternommen werden, denn die bestehende Brücke und die Straße sind in schlechtem Zustand. Auch muss man sagen, dass das Verkehrsaufkommen zugenommen hat und noch weiter zunehmen wird, sowohl subjektiv, als auch objektiv. Für Miltenberg ist die Maßnahme wichtig, um infrastrukturell angebunden und attraktiv zu sein.“

Andreas Marquart, Eisenbach, Berufspendler: „Mein Arbeitsplatz ist im Kleinheubacher Industriegebiet, daher pendle ich täglich in einer Fahrgemeinschaft. Es ist zwar durch die Baumaßnahmen derzeit ein Durcheinander, aber wir hatten bisher keine Probleme mit dem PKW. Ich denke, dass vor allem LKW-Fahrer und Ortsunkundige mit der Streckenführung Schwierigkeiten haben. An zwei Tagen in der Woche fahre ich gemeinsam mit Arbeitskollegen mit dem Fahrrad. Die Situation für die Radfahrer ist hier schon lange prekär, vor allem aus Richtung Miltenberg, Miltenberg-Nord und Amorbach, von Laudenbach her ist es dagegen deutlich besser. Die aktuellen Umleitungen für Radfahrer sind zwar für uns Ortskundige vertretbar, aber in der Ausführung und Beschilderung ein Witz. Um eine grundsätzliche Verbesserung für Radler zu erzielen, ist nicht nur eine gute Kreisellösung nötig, sondern auch eine deutlich bessere Anbindung Richtung Miltenberg, Amorbach und Mainbrücke. Generell hoffe ich, dass sich mit Abschluss der Baumaßnahmen die Verkehrslage insgesamt verbessern wird, glaube aber nicht recht daran, dass auch die Radfahrer spürbar davon profitieren werden. Die Baumaßnahme ist zwar überfällig, aber der neue Kreisel wird auch weiter noch mehr regionalen und vor allem überregionalen Verkehr anziehen.“


Zahlen und Fakten:
Bauzeit: April 2017 – Herbst/Winter 2020
Kosten: 16,7 Mio. Euro
Bauaufsicht: Staatliches Bauamt Aschaffenburg
5 Anschlussäste
6 Brücken insgesamt
1 Unterführung
3 Fußgänger- und Radwegunterführungen
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