Über 80 Einsatzkräfte proben Ernstfall
Großübung in Miltenberg: THW trainiert »Katastrophenszenario« Flugzeugabsturz
- Der Zugtrupp führt die Lagekarte am Einsatzort.
- Foto: THW Miltenberg
- hochgeladen von Wolfgang Bohlender
Mit Blaulicht, Funkverkehr und realistisch nachgestellten Szenarien hat das THW am vergangenen Wochenende in Miltenberg den Ernstfall geprobt: Der simulierte Absturz zweier Flugzeuge forderte die Zugtrupps von acht Ortsverbänden aus der Region heraus. Mehr als 80 Einsatzkräfte meisterten innerhalb von 24 Stunden sechs komplexe Lagen – begleitet von ständig wechselnden Anforderungen.
Beteiligt waren Zugtrupps aus Alzenau, Aschaffenburg, Würzburg, Marktheidenfeld, Karlstadt, Kitzingen, Michelstadt und Miltenberg. Unterstützt wurden sie von externen Partnern aus Feuerwehr, Sanitätsdiensten und dem Landratsamt, die mit zusätzlichen Szenarien für noch mehr Realitätsnähe sorgten.
Grundlage war eine fiktive, aber dramatisch angenommene Lage, die auf dem Flugzeugunglück von Überlingen basierte: Eine Tupolew mit 69 Menschen an Bord kollidierte in der Luft mit einer Boeing 757-200. Trümmerteile gingen über mehrere Ortschaften nieder. Daraus resultierten sechs Einsatzsituationen: In der Altstadt von Amorbach drohte Chaos auf einem überfüllten Bereitstellungsplatz, im Ortsteil Neudorf kämpfte die Feuerwehr gegen Brände, im Kreisaltenheim Amorbach entwickelte sich ein Vollbrand, es drohte ein Massenanfall, ein Hubschrauberlandeplatz musste eingerichtet werden, und im Waldgebiet bei Lindig (am Beuchner Berg) wurde der Rumpf einer Maschine entdeckt. Zudem war die Koordination einer Polizei-Hundertschaft zur Erkundung des Einsatzgebiets erforderlich.
Führungswechsel unter realen Bedingungen
Der Zugtrupp aus Miltenberg unter der Leitung von Zugführer Michael Zipf hatte die Übung ausgearbeitet und fungierte als Übungsleitung, sowie – gemeinsam mit dem Zugtrupp aus Michelstadt – als Gegenstelle für die übenden Einheiten am Funk. Besonderer Fokus lag auf dem Zusammenspiel der verschiedenen Zugtrupps, dem Führen von Lagekarten und Kräfteübersichten, der Dokumentation im Einsatztagebuch, sowie der Funkkommunikation.
Von Freitagabend bis Samstagnachmittag übten die Zugtrupps – die Führungseinheiten des THW. Sie mussten die Übersicht behalten, Notunterkünfte koordinieren und einrichten, die Feuerwehr mit Löschwasser versorgen, Hubschrauberlandeplätze schaffen und ausleuchten, sowie den Abtransport von Wrackteilen organisieren usw. Immer wieder wurden neue Lagen eingespielt, die schnelle Entscheidungen erforderten. »Gerade die Vielzahl paralleler Einsatzstellen zeigt, wie wichtig eine klare Kommunikation und eine saubere Einsatzdokumentation ist«, erklärte Übungsleiter Michael Zipf.
Zunächst führte der Ortsverband Miltenberg den Einsatz. Nach einigen Stunden erfolgte die planmäßige Ablösung durch Zugtrupps aus den Nachbarregionen – ein wichtiger Bestandteil der Übung. Denn im Ernstfall müssen Einsatzführungen oft unter hoher Belastung übergeben werden, ohne dass Informationen verloren gehen.
Ziel der Übungsszenarien war es, Lage, Personal- und Materialeinsatz, sowie die Logistik verständlich und übersichtlich zu verfolgen, um eine reibungslose Koordination zu gewährleisten. Auf dieser Basis konnte der weitere Einsatzverlauf geplant und umgesetzt werden. Der Einsatzfortschritt wurde durch regelmäßige Meldungen an die übergeordnete Führungsebene weitergegeben. Neben diesen Aufgaben gehörten auch die Dokumentation des Einsatzes und der Entscheidungen im Einsatztagebuch.
Wertvolle Erfahrung für den Ernstfall
Das gesamte Spektrum dieser Anforderungen wurde in aufeinanderfolgenden Einspielungen mit komplexer Ausgangssituation geübt und gefestigt. Am Ende der Übung stand der Lagevortrag, der dazu dient, über die aktuelle Lage zu informieren – ein im realen Einsatz essenzieller Bestandteil.
Nach gut 24 Stunden intensiver Übung stand die Nachbesprechung an. Die Teilnehmer zeigten sich zufrieden. »Die Szenarien waren anspruchsvoll, aber genau das brauchen wir, um für den Ernstfall vorbereitet zu sein«, zog Karin Munzke von der Regionalstelle Karlstadt Resümee, die die Übung begleitete. Sie dankte weiter dem Ortsverband Miltenberg herzlich für die Austragung, sowie die qualitativ sehr gut vorbereitete und anspruchsvolle Übung – ebenso für die hervorragende Verpflegung.
Autor:Wolfgang Bohlender aus Miltenberg |
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