Schade, dass es schon vorbei ist!
Mit den THW-Minis beginnt Helfen schon bei den Jüngsten
- Große Technik trifft auf kleine Entdecker: Bunte Kegel, Wasser und ein Gerätekraftwagen im Hintergrund – bei den THW-Minis wird Technik zum Erlebnis. Spielerisch entdecken die Kinder, was Teamgeist, Geschick und gemeinsames Anpacken bedeuten. Und vor allem soll eines nie zu kurz kommen: Der Spaß!
- Foto: THW Miltenberg
- hochgeladen von Wolfgang Bohlender
Neugierige Kinder, echte THW-Technik und zwei Betreuerinnen, die aus einer spontanen Idee ein neues Angebot gemacht haben: Seit Anfang des Jahres gibt es beim THW Miltenberg eine Minigruppe für Kinder von sechs bis neun Jahren. Luisa Trapp und Tina Breitenbach möchten den Jüngsten zeigen, dass Helfen, Teamgeist und Technik nicht erst mit zehn Jahren beginnen müssen. Im Gespräch mit Wolfgang Bohlender, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit und Helferwerbung, erzählen sie von den ersten Monaten – und davon, warum die Minis ihre Gruppenstunden manchmal am liebsten gar nicht beenden würden.
Manchmal beginnt etwas Neues mit einer ganz einfachen Frage: Warum eigentlich erst ab zehn Jahren?
Genau diese Frage beschäftigte Luisa Trapp und Tina Breitenbach während einer 24-Stunden-Übung der THW-Jugend. Während die älteren Kinder gemeinsam übten, Technik kennenlernten und miteinander Aufgaben lösten, entstand bei den beiden der Gedanke, auch jüngeren Kindern diese Welt zu öffnen.
»Wir fanden es schade, dass Kinder erst ab zehn Jahren beim THW teilnehmen können«, erzählen Luisa und Tina im Gespräch mit Wolfgang Bohlender. Gerade Kinder im Grundschulalter seien neugierig, wollten ausprobieren, anfassen und verstehen.
Aus einem Gedanken wurde eine Idee. Und aus der Idee wurde schließlich die Minigruppe des THW Miltenberg.
Drei Kinder machten den Anfang!
Gestartet wurde Anfang des Jahres ganz bewusst im kleinen Kreis. Drei Kinder aus dem Umfeld des Ortsverbandes gehörten zu den ersten Minis. Luisa und Tina wollten Erfahrungen sammeln und herausfinden, wie sich typische THW-Themen so vermitteln lassen, dass Sechs- bis Neunjährige Freude daran haben.
Die Antwort der Kinder ließ nicht lange auf sich warten.
Aus den ersten Treffen entwickelte sich schnell eine kleine Gemeinschaft. Die Kinder kommen zusammen, spielen, entdecken, probieren aus – und lernen dabei ganz nebenbei etwas über Technik, gegenseitige Unterstützung und darüber, was es bedeutet, Teil eines Teams zu sein.
Dabei verfolgen Luisa und Tina einen einfachen Grundsatz: Kein Leistungsdruck!
Niemand muss etwas können. Niemand muss etwas beweisen. Und niemand muss sofort überall mitmachen.
»Die Kinder sollen vor allem Spaß haben und gemeinsam Neues entdecken«, beschreiben die beiden ihren Ansatz. Wer neugierig ist, darf ausprobieren. Wer erst einmal beobachten möchte, darf zuschauen. Gerade schüchterne Kinder bekommen die Zeit, die sie brauchen, um in der Gruppe anzukommen.
Und meistens, erzählen die Betreuerinnen, komme der Rest ganz von alleine.
Wenn aus einem großen THW-Fahrzeug plötzlich ein Memory wird!
Natürlich spielt auch die Technik eine Rolle. Schließlich wäre eine THW-Minigruppe ohne ein bisschen THW kaum vorstellbar.
Aber schwere Geräte, komplizierte Fachbegriffe und trockene Theorie sucht man hier vergeblich. Stattdessen wird aus dem Gerätekraftwagen kurzerhand ein GKW-Memory. Einsatzkleidung wird nicht einfach erklärt, sondern gemeinsam entdeckt. Ausrüstung darf – natürlich altersgerecht und unter Anleitung – aus der Nähe betrachtet und ausprobiert werden.
Denn für ein Kind macht es einen großen Unterschied, ob ein Fahrzeug nur auf einem Foto zu sehen ist oder ob es plötzlich direkt davorsteht.
Besonders hoch im Kurs standen bislang die Wasserspiele. Sobald Wasser im Spiel sei, brauche es nicht mehr viel Überzeugungsarbeit, erzählt Luisa lachend.
Doch die Minis erleben weit mehr als Fahrzeuge und Technik. Bei einer gemeinsamen Flursäuberung waren sie beispielsweise draußen unterwegs und packten selbst mit an.
Dahinter steckt eine Botschaft, die Luisa und Tina den Kindern ganz selbstverständlich vermitteln möchten: Helfen beginnt nicht erst bei einem großen Einsatz.
Es beginnt dort, wo Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen, aufeinander achten und zusammen etwas bewegen.
»Einfach alles!«
Wie gut das Konzept ankommt, zeigt sich am besten, wenn man diejenigen fragt, um die es eigentlich geht: die Kinder selbst.
Was gefällt ihnen an der Minigruppe besonders?
Leo muss nicht lange überlegen: »Die abwechslungsreichen Aktionen.«
Eva fasst ihre Begeisterung noch kürzer zusammen: »Einfach alles.«
Und Sophie?
»Alles.«
Auch die bisherigen Lieblingsaktionen sind schnell gefunden. Für Leo waren es die Wasserspiele, Eva erinnert sich besonders gerne an die gemeinsame Flursäuberung.
Die vielleicht wichtigste Frage beantwortet die Gruppe ohnehin ohne großes Nachdenken: Würden sie ihren Freunden empfehlen, ebenfalls bei den THW-Minis mitzumachen?
Die Antwort kommt prompt: »Ja, weil es Spaß macht!«
Viel besser könnten Luisa und Tina vermutlich selbst nicht zusammenfassen, worum es ihnen geht.
Neugier ist die einzige Voraussetzung!
Auch in den kommenden Monaten wird es für die Minis einiges zu entdecken geben. Sie sollen die Einsatzkleidung näher kennenlernen, erste Erfahrungen bei kleinen Arbeiten mit Holz sammeln und spielerisch an die Grundlagen der Ersten Hilfe herangeführt werden.
Technik, Bewegung, gemeinsames Spielen und kleine Herausforderungen sollen sich dabei immer wieder abwechseln.
Besondere Vorkenntnisse braucht dafür niemand.
»Die Kinder müssen nur Spaß daran haben, Neues zu entdecken«, sagt Luisa.
Genau darin liegt die Idee hinter der Minigruppe: Kinder sollen das THW nicht als etwas erleben, das ausschließlich Erwachsenen oder älteren Jugendlichen vorbehalten ist. Sie dürfen früh erfahren, wie viel Freude darin steckt, gemeinsam etwas zu schaffen, sich gegenseitig zu helfen und Teil einer Gemeinschaft zu sein.
Vielleicht entsteht dabei irgendwann auch der Wunsch, später in die THW-Jugend zu wechseln. Vielleicht bleibt zunächst einfach nur die Erinnerung an einen Nachmittag voller Wasserspiele, Technik und neuer Freunde.
Beides ist willkommen.
Jetzt öffnet sich die Minigruppe für neue Kinder.
Nach den ersten Monaten soll nun der nächste Schritt folgen. Bislang kamen die Kinder überwiegend aus dem Umfeld des Ortsverbandes. Künftig möchte das THW Miltenberg die Minigruppe auch für Kinder außerhalb des THW öffnen.
Das Angebot richtet sich an Kinder von sechs bis neun Jahren beziehungsweise ab der ersten Klasse.
Interessierte Eltern können ihr Kind zunächst auf die Warteliste setzen lassen. So können sie über freie Plätze und die nächsten Möglichkeiten zum Kennenlernen informiert werden.
Wer dabei noch unsicher ist, ob das THW zum eigenen Kind passt, dem geben Luisa und Tina einen einfachen Rat: Erst einmal ausprobieren.
Ein Kind muss nicht besonders technikbegeistert sein. Es muss auch nicht sofort mutig auf ein großes Einsatzfahrzeug zulaufen oder bei jeder Aktion vorneweg marschieren. Entscheidend sind Neugier und die Freude daran, gemeinsam mit anderen etwas zu erleben.
Und vielleicht gibt es für Luisa und Tina ohnehin keinen besseren Beweis dafür, dass ihre Idee funktioniert, als jenen Satz, den Betreuerinnen wohl besonders gerne hören: »Schade, dass es schon vorbei ist!«
Lust bekommen, die THW-Minis kennenzulernen?
Die THW-Minigruppe Miltenberg richtet sich an Kinder von sechs bis neun Jahren. Im Mittelpunkt stehen gemeinsames Spielen und Entdecken, erste technische Erfahrungen, Teamgeist und vor allem jede Menge Spaß.
Interessierte Eltern können sich über die Minigruppe informieren und ihr Kind für die Warteliste vormerken lassen.
Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des THW Miltenberg:
www.thw-miltenberg.de/jugend/mini-gruppe
Autor:Wolfgang Bohlender aus Miltenberg |
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