THW Miltenberg übt Tiefbaurettung
Wenn jede Bewegung zählt: Einsatzkräfte üben die Rettung verschütteter Personen
- Eine der beiden Übungsstellen aus der Vogelperspektive.
- Foto: THW Miltenberg
- hochgeladen von Wolfgang Bohlender
Verschüttete Personen aus eingestürzten Gräben oder Baugruben zu retten, gehört zu den schwierigsten und gefährlichsten Einsatzlagen im Bevölkerungsschutz. Um für solche Einsätze bestens vorbereitet zu sein, widmete sich das THW Miltenberg im Rahmen seiner Juni-Ausbildung intensiv dem Thema »Tiefbaurettung«. Dabei standen sowohl theoretische Grundlagen als auch umfangreiche praktische Übungen im Mittelpunkt.
Möglich wurde die realitätsnahe Ausbildung durch die Unterstützung der Firma Knapp Baustoffe aus Großheubach, die zwei eigens ausgehobene Übungsgruben zur Verfügung stellte. Unter sicheren Bedingungen konnten die Einsatzkräfte dort verschiedene Einsatzszenarien üben und wertvolle Erfahrungen für den Ernstfall sammeln.
Gefahren erkennen und richtig beurteilen
Unter der Leitung der beiden Baufachberater Thomas Frieß und Moritz Matthes wurden zunächst die Grundlagen von Tiefbauunfällen vermittelt. Im theoretischen Ausbildungsteil standen insbesondere die Ursachen und Risiken solcher Einsatzlagen im Fokus.
Dabei erläuterten die Ausbilder, dass Graben- und Baugrubeneinstürze häufig auf falsch eingeschätzte Bodenverhältnisse, unzureichenden Verbau, Witterungseinflüsse, Grundwasser oder zusätzliche Belastungen durch Baumaschinen und Aushubmaterial zurückzuführen sind. Ebenso wurden die zahlreichen Gefahren für Einsatzkräfte und Betroffene thematisiert. Neben möglichen Nachrutschungen des Erdreichs können beengte Platzverhältnisse, beschädigte Strom-, Gas- oder Wasserleitungen, gefährliche Dämpfe sowie eindringendes Wasser die Rettungsarbeiten erheblich erschweren. Tiefbauunfälle verlangen daher ein hohes Maß an Fachwissen, Erfahrung und sorgfältiger Einsatzplanung.
Rettung Schritt für Schritt nach dem SIEGER-Modell
Im praktischen Ausbildungsteil lernten die Helferinnen und Helfer das bewährte SIEGER-Modell kennen und setzten dieses unmittelbar in verschiedenen Übungsszenarien um. Das strukturierte Vorgehen gliedert den Einsatz in die Phasen, wie Sichern, Innere Erkundung, Erste Hilfe, Gemeinsam, Entklemmen und Rettung.
An den vorbereiteten Übungsgruben trainierten die Einsatzkräfte unter anderem das großräumige Absichern der Einsatzstelle, die Beurteilung der Bodenverhältnisse sowie das Anlegen sicherer Zugangs- und Rettungswege. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Aufbau eines Rettungsverbaus. Mithilfe spezieller Sicherungssysteme wird dabei verhindert, dass weiteres Erdreich nachrutscht, während gleichzeitig ein geschützter Arbeitsraum für die Rettungskräfte entsteht.
Während der gesamten Ausbildung wurde deutlich, dass bei Tiefbaurettungen nicht Schnelligkeit, sondern kontrolliertes und sicheres Arbeiten oberste Priorität besitzt. Verschüttete Personen müssen behutsam freigelegt werden, während die Stabilität der Baugrube permanent überwacht wird.
Die Ausbilder machten dabei immer wieder einen zentralen Grundsatz deutlich: »Die Sicherheit der Einsatzkräfte steht an erster Stelle.« Nur durch eine sorgfältige Erkundung, eine enge Abstimmung aller Beteiligten, eine fachgerechte Sicherung der Einsatzstelle und den gezielten Einsatz spezieller Rettungstechnik können Menschen in derartigen Notlagen sicher gerettet werden. Mit der praxisnahen Ausbildung stärkte das THW Miltenberg einmal mehr die Einsatzbereitschaft seiner Helferinnen und Helfer für besonders anspruchsvolle Rettungseinsätze.
Autor:Wolfgang Bohlender aus Miltenberg |
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