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Beim Raps entscheidet die Feuchte über den Preis.
- Raps-Ernte am Donnerstagmittag im Odenwald mit Christoph Zeller am Mähdrescher-Steuer bei Heppdiel. Foto Roland Schönmüller
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Eichenbühl-Heppdiel. Auf den Odenwald-Feldern läuft die Raps- und Getreideernte derzeit wie ein Wettlauf mit der Zeit: Zwischen Sonne, Wetterfenster und Feuchtigkeitsmessung entscheidet sich, was die Arbeit eines ganzen Jahres am Ende wert ist.
Wenn der Mähdrescher über die Fluren zieht, klingt das nach Sommer, Staub und Ernteglück. Doch in diesen Tagen ist es für die Bauern vor allem eine Frage des richtigen Augenblicks. „Der Feuchtigkeitsgehalt entscheidet über den Preis“, erzählt Getreidebauer Martin Ott aus Eichenbühl-Heppdiel. Ist das Korn zu feucht, folgen Abzüge; nicht nur wegen zusätzlicher Trocknungskosten, sondern auch, weil mit steigender Feuchte Qualitätsverluste drohen.
So wird die Ernte zur Geduldsprobe. Ein Tag zu früh kann teuer werden, ein Tag zu spät ebenso. Der Himmel wird beobachtet wie ein Vertragspartner, der seine Zusage jederzeit zurückziehen könnte. Zwischen dunklen Wolken und trockenen Stunden zählt nicht nur Erfahrung, sondern auch das Gespür für den Moment.
Nach der Ernte beginnt für den Raps der zweite Weg: In Heppdiel wird er gereinigt und zunächst in einem Silo gelagert. Nur wenige Tage später rollen drei Lastzüge an, um das gereinigte Rapsgetreide abzuholen. Ihr Ziel ist die Ölmühle in Mannheim, wo aus den kleinen dunklen Körnern ein Rohstoff wird, der weit über die Region hinaus Bedeutung hat.
Raps ist mehr als die gelbe Blüte des Frühjahrs. Aus seinen Samen entsteht Speiseöl; die Rückstände der Ölgewinnung dienen als eiweißreiches Futtermittel. Rapsöl wird außerdem für Biodiesel, technische Öle, Schmierstoffe, Kosmetik und weitere industrielle Anwendungen genutzt. Damit verbindet die Pflanze Ackerbau, Ernährung, Energie und Industrie auf bemerkenswert kurze Weise.
Auf dem gemeinsamen Hof von Martin Ott und Matthias Ullmer bleibt dennoch zunächst das Naheliegende im Blick: trockene Ware, saubere Qualität, ein fairer Erlös. Die Ernte erzählt hier nicht nur von Maschinen und Marktpreisen, sondern von der alten Kunst, mit der Natur zu arbeiten, ohne sie je ganz berechnen zu können. In diesen Tagen entscheidet manchmal eine Stunde Sonne darüber, ob aus einem Feld ein guter Abschluss wird.
So steht der Raps zwischen Miltenberg und Walldürn sinnbildlich für die Landwirtschaft insgesamt: schön anzusehen, hart erarbeitet, abhängig vom Wetter und eingebunden in lange Wege vom Acker bis zur Mühle. Was im Frühjahr gelb leuchtete, wird nun gewogen, geprüft, gereinigt und verladen – und erst dann zeigt sich, welchen Wert die Ernte wirklich hat.
Roland Schönmüller
BU 1 - Raps-Ernte am Donnerstagmittag im Odenwald mit Christoph Zeller am Mähdrescher-Steuer bei Walldürn-Kaltenbrunn. Foto Roland Schönmüller
BU 2 – Nach der Raps-Reinigung und Kurz-Lagerung geht das Raps-Getreide in wenigen Tagen zur Ölmühle nach Mannheim, berichtet Martin Ott ais Heppdiel. Foto Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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