Exponentielles Wachstum muss gestoppt werden

„Die Lage ist ernst, sehr ernst“: Mit eindringlichen Worten hat Landrat Jens Marco Scherf in der Kreistagssitzung am Montag, 19.10.2020 in der Untermainhalle Elsenfeld die aktuelle Corona-Situation im Landkreis Miltenberg beschrieben. Mit Überschreiten der 50-Tage-Inzidenz gelten nun auch im Landkreis Maßnahmen, die in der am Freitag geänderten Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung im Wesentlichen festgelegt sind, so der Landrat.

Ergänzend gibt es seitens des Landkreises eine Allgemeinverfügung mit den örtlich notwendigen Regelungen, welche auf der Internetseite des Landkreises veröffentlicht ist. Zudem finde man auf der Homepage die wichtigsten Links für weitere Informationen – etwa den des Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege sowie vom Robert-Koch-Institut (RKI) und dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Entscheidend für das Überschreiten der Inzidenzwerte von 35 bzw. 50 Neuinfektionen gerechnet auf 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche sind ausschließlich die Veröffentlichungen von RKI oder LGL.

Aktuell öffne sich der Spalt zwischen der Zahl der Neuinfizierten und der Genesenen, so Scherf. Es sei nun zwingend notwendig, private Feiern und Kontakte zu beschränken (maximal fünf Personen oder Personen aus zwei Haushalten), Mund-Nasen-Bedeckungen zu tragen und bei Veranstaltungen und überall dort, wo Menschen im öffentlichen Raum zusammenkommen, die aktuellen Beschränkungen zu beachten, mahnte der Landrat. In Kindertagesstätten würden die Gruppen klar getrennt sein, in den Schulen gelte ab der ersten Klasse Maskenpflicht, wie es im staatlichen Hygienerahmenplan vorgeschrieben ist. Eine Teilung der Klassen zur Gewährleistung großer Abstände werde derzeit aufgrund der fachlichen Entscheidung des Staatlichen Gesundheitsamtes nicht umgesetzt, denn: „Schulen sind kein Weiterverbreitungsort für das Virus“, machte Scherf deutlich. Auch wenn etwa zehn Klassen in Quarantäne gewesen seien, habe es in keiner Klasse eine Folgeinfektion gegeben. Die Hygienekonzepte in den Schulen werden gut umgesetzt, weshalb vorerst nur das Tragen der Alltagsmasken angeordnet werde.
Zu den aktuellen Zahlen (Stand Montagmorgen): 556 Infektionen insgesamt, davon 459 gesundet und acht verstorben, also 89 aktuelle Infektionen. Sorge bereite vor allem der sprunghafte Anstieg, nannte der Landrat Vergleichszahlen: Am Montag vor zwei Wochen waren es 22 Infektionen, vor einer Woche 36 und nun 89. Stationär behandelt würden aktuell vier Menschen, davon werde einer beatmet. Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 58,3 liege man über dem Bundesschnitt von 47,4.

Er warnte davor, die Infektionszahlen aus den einzelnen Orten falsch zu interpretieren. „Das Virus ist latent überall“, wies er darauf hin, dass nicht alle Infektionen auch mit Symptomen einhergingen. Deshalb seien die Abstands- und Hygieneregeln überall einzuhalten. „Wir dürfen jetzt nicht verspielen, was wir uns in den letzten Monaten hart erarbeitet haben“, forderte der Landrat. Er wies darauf hin, dass das Gesundheitsamt „jenseits jeder Belastungsgrenze“ arbeite, sieben Tage in der Woche bis spät in den Abend hinein. Die Aufgaben seien vielfältig: Umsetzen der Teststrategie, Identifizieren und Unterbrechen der Infektionsketten sowie, soweit noch machbar, das Halten der Kontakte mit den in Quarantäne befindlichen Menschen. Scherf zeigte sich sehr dankbar für diesen Einsatz, der ihm höchsten Respekt abverlangt. Aber auch viele anderen Unternehmensbereiche und Sachgebiete im Landratsamt seien stark von der Pandemie gefordert, zählte er auf. Wichtige Arbeit leiste zudem die Koordinierungsgruppe im Landratsamt.

Er, Scherf, sei dem Leiter des Gesundheitsamts, Dr. Erwin Dittmeier, sehr dankbar, dass dieser statt in den Ruhestand zu gehen, seine Lebensarbeitszeit um einige Monate bis Ende Mai 2021 verlängert habe. „Seine Erfahrung und Einsatzkraft sind unverzichtbar“, so der Landrat, der auch den staatlichen Stellen dankte, die die Verlängerung ermöglicht hätten. Das Gesundheitsamt sei um zehn Vollzeitstellen aufgestockt worden, vier weitere Stellen würden dazukommen. Es brauche aber eine gewisse Zeit, um die Neuen einzuarbeiten, sagte der Landrat. Angesichts der dynamischen Corona-Situation überlege man, ein Unterstützungsangebot der Bundeswehr wahrzunehmen. Damit das Gesundheitsamt genügend Platz hat, sei zudem der Allgemeine Soziale Dienst des Jugendamtes von Miltenberg in angemietete Büroräume in Klingenberg umgezogen.

Das Testzentrum in Miltenberg werde mit dem Kooperationspartner BRK aktuell um eine weitere Teststrecke erweitert, so dass nun bis zu 455 Testungen pro Tag möglich sind.

Trotz der dynamischen Lage und den hohen Belastungen für die Bevölkerung machte der Landrat aber auch Mut: Gemeinsam könne man die Pandemie meistern und das exponentielle Wachstum stoppen, zeigte er sich überzeugt: „Wir haben es jetzt in der Hand, wie wir Weihnachten feiern und das neue Jahr beginnen werden – gemeinsam werden wir diese Herausforderung meistern!“

Informationen gibt es auf diesen Internetseiten:

Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege: https://www.stmgp.bayern.de

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: https://www.lgl.bayern.de

Robert-Koch-Institut: https://www.rki.de

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