Was macht eigentlich...
Frühzeitige Aufklärung statt späterer Therapie
- Birgit Englert (zweite von links) bei einer ihrer vielen Tätigkeiten: Hier unterweist sie die Lehrkräfte der Faulbacher Mittelschule beim Mixen von alkoholfreien Cocktails, die später im Saftmobil „Jils Bar“ ausgeschenkt werden.
- Foto: © Winfried Zang
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Was macht eigentlich...die Fachstelle für Suchtprävention – Einsatz an vielen Schulen
Alkohol, Nikotin, Cannabis, Medikamente oder Medien – die Bandbreite möglicher Suchterkrankungen ist groß. Entscheidend ist: Je früher junge Menschen für die Risiken sensibilisiert werden, desto besser sind ihre Chancen auf ein gesundes Leben.
Im Landkreis Miltenberg setzt sich Birgit Englert von der Fachstelle für Suchtprävention genau dafür ein. Sie informiert, berät und qualifiziert – sowohl Jugendliche als auch Erwachsene.
Für Englert steht fest: Prävention lohnt sich. „Jeder Euro, der in Aufklärung investiert wird, ist gut angelegt“, sagt sie. Besonders im Jugendalter sei das Gehirn noch in der Entwicklung – Suchterfahrungen würden tief verankert und könnten langfristige Folgen haben. Aus fachlicher Sicht würde Englert daher den Zugang zu Suchtmitteln wie Alkohol und Nikotin erst ab 25 Jahren begrüßen.
Ihre Motivation schöpfte Englert aus ihrer früheren Tätigkeit als Jugendsozialarbeiterin an Schulen. Heute erreicht sie als Suchtpräventionskraft deutlich mehr junge Menschen und setzt auf den direkten Dialog über Ursachen und Folgen von Suchtverhalten. „Im Jahr 2023 nahmen etwa 2.700 Schülerinnen und Schüler – hauptsächlich aus Mittel-, Real- und Gymnasialschulen – an Präventionsangeboten zum Thema Suchtmittelkonsum teil.“
Meistens sind es die Schulen, die sie einladen – und das mit spürbarem Erfolg: „Es gibt kaum eine Realschule oder ein Gymnasium im Landkreis, an dem ich nicht bekannt bin“, sagt sie mit einem Schmunzeln. Selbst Grundschulen der vierten Jahrgangsstufe setzen bereits auf ihre Workshops. Der Unterricht ist dabei alles andere als trocken: Gemeinsam mit den Jugendlichen entwickelt sie Strategien, wie riskanter Konsum vermieden werden kann. Die Beteiligung ist hoch – und das Interesse groß.
Englert ist außerdem ausgebildet für zertifizierte Präventionsprogramme wie „Freunde“ oder „MOVE“ (motivierende Kurzintervention bei konsumierenden Jugendlichen). Die Schulungen richten sich häufig an Jugendsozialarbeiter, teils auch über die Landkreisgrenzen hinaus. Zusätzlich bietet sie Elternkurse zum Thema „riskanter Medienkonsum“ an – denn auch im digitalen Raum lauern Suchtrisiken.
Ein echtes Highlight der Präventionsarbeit ist das frühere „Saftmobil“, heute bekannt als „Jils Bar“. Hier übernehmen Jugendliche selbst das Mixen alkoholfreier Cocktails – nach entsprechender Schulung. Die mobile Bar ist bei Veranstaltungen wie dem Mainfest oder Schulaktionen im Einsatz und sorgt nicht nur für leckere Drinks, sondern auch für aufschlussreiche Gespräche. Mit Aktionen wie dem Alkoholtest oder einer „Rauschbrille“, die die Wirkung eines Vollrausches simuliert, werden Jugendliche direkt angesprochen.
Besonders erfolgreich war die „School’s-Out-Party“ zum Schuljahresende 2024: 320 Jugendliche feierten ausgelassen, ganz ohne Alkohol. Angesichts des großen Zuspruchs steht fest: Auch 2025 wird das Präventionsteam wieder eine alkoholfreie Schuljahres-Abschlussparty anbieten.
Neben diesen Aktionen organisiert Englert Wettbewerbe wie „Be Smart, Don’t Start“, das Projekt „Cannabis – Quo Vadis?“ oder die Multiplikatorenschulung SMAT (Schüler – Multiplikatoren – Alkohol – Tabak). Für 2025 plant sie zusätzlich eine Fortbildung zum Thema Essstörungen – ein Bereich, der ihrer Erfahrung nach immer relevanter wird.
Ein besonderes Anliegen ist ihr die Einrichtung einer Sprechstunde für konsumierende Jugendliche. Eine halbe Stelle bei der Caritas wäre aus ihrer Sicht ideal – bisher fehlt im Landkreis eine niedrigschwellige Anlaufstelle für betroffene junge Menschen. Englert selbst kann diese Aufgabe nicht übernehmen, da sie keine therapeutische Ausbildung besitzt. Doch sie weiß: Eine geschulte Fachkraft könnte Jugendlichen und deren Familien gezielt helfen und im Bedarfsfall an passende Einrichtungen weitervermitteln. wiz
Autor:Blickpunkt MIL aus Miltenberg |
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