Bildergalerie und Essay.
Besondere Gäste bei der Michelsmess‘.
- Die Bundeswehr ist kein Fremdkörper im Festzug, sondern ein ruhiger, würdevoller Kontrapunkt.
Sie erinnert daran, dass die Michaelismesse nicht nur ein Volksfest ist, sondern ein Treffpunkt der Region, ein Ort, an dem Nachbarschaften sichtbar werden – selbst jene, die Uniform tragen. - hochgeladen von Roland Schönmüller
Fahne, Festzug, Freundschaft: Hardheims leiser Glanz bei der Michelsmess’
Miltenberg/Hardheim. Es sind nicht immer die lauten Auftritte, die einem Festzug seine Würde geben.
Manchmal genügt eine Fahne im Wind, ein gemessener Schritt auf dem Pflaster, eine Kutsche, die langsam voranrollt – und schon wird aus einem vertrauten Bild eine kleine Szene regionaler Erinnerung.
Beim Messeeinzug der Michaelismesse zeigte sich die Patenschaft zwischen Hardheim und Miltenberg erneut als jene stille Verbindung, die keine großen Worte braucht und doch viel erzählt.
Wenn Baden Bayern grüßt.
Zwischen Hardheim und Miltenberg verläuft mehr als eine geografische Linie. Es ist eine Nachbarschaft über Landesgrenzen hinweg, eine gewachsene Vertrautheit zwischen badischem Odenwald und bayerischem Untermain. Was im Alltag meist unsichtbar bleibt, erhält beim Einzug zur Michaelismesse Gestalt: Baden grüßt Bayern, Bayern grüßt zurück – nicht pathetisch, sondern mit jener selbstverständlichen Herzlichkeit, die in dieser Region oft mehr sagt als ein offizielles Zeremoniell.
Die Abordnung der Hardheimer Soldaten trat dabei nicht als martialische Parade auf, sondern als besonderer Gast im großen Festbild. Korrekt, ruhig und bodenständig fügten sich die Uniformierten in den Zug ein, der ohnehin von Gegensätzen lebt: Trachten und Trommeln, historische Gewänder und moderne Vereine, Musik, Markt und Menschenmenge. Gerade in diesem farbigen Durcheinander wirkte die Bundeswehr wie ein ruhiger Satz in einem lebhaften Buch.
Die Kutsche als freundliche Pointe.
Besonders ins Auge fiel in diesem Jahr die Kutsche, in der die Soldaten voranfuhren. Sie nahm dem militärischen Moment jede Strenge und verlieh ihm beinahe etwas Märchenhaftes. Am Straßenrand wurde gelächelt, genickt, fotografiert. Der Fahnenträger indes blieb zu Fuß, hielt den Schritt und führte die Kompaniefahne mit einer stillen Würde, die nicht inszeniert wirkte, sondern gewachsen.
So entstand für einen Moment ein Bild, das hängen blieb: vorne die Kutsche, dahinter der Gleichschritt, dazwischen die Fahne, die im Mainwind kurz aufflammte wie ein farbiges Signal aus Hardheim. Es war eine Szene, wie sie nur Volksfeste hervorbringen können – halb Tradition, halb Zufall, ganz Erinnerung.
Patenschaft ohne Pathos.
Die Patenschaft zwischen Hardheim und Miltenberg gehört zu jenen Verbindungen, die nicht ständig erklärt werden müssen. Sie ist keine große Schlagzeile, sondern eine verlässliche Geste. Entstanden aus Nähe, gewachsen durch Begegnungen, bewahrt durch Wiederholung. Dass sie beim Messeeinzug sichtbar wird, macht ihren besonderen Reiz aus: Hier tritt regionale Verbundenheit nicht als Festrede auf, sondern als gelebtes Ritual.
Zwischen Landknechten, Musikgruppen, Partnerstädten und Vereinsfahnen erinnert die Hardheimer Abordnung daran, dass ein Volksfest mehr sein kann als Vergnügungspark und Festzelt. Die Michaelismesse ist auch ein Schaufenster der Region. Wer dort mitgeht, gehört für einen Augenblick sichtbar dazu. Und wer jedes Jahr wiederkommt, ist längst mehr als Gast.
Ein Motiv für Auge und Gedächtnis.
Für Fotografen bot die Gruppe erneut ein dankbares Motiv. Die Fahne brachte Ruhe in die Bewegung, die Uniformen zeichneten klare Linien ins bunte Gedränge, die Kutsche setzte eine heitere Note. Es war nicht der lauteste Teil des Umzugs, aber einer derjenigen, die dem Festzug Kontur gaben. Während die Menge kurz zur Seite rückte und die Kameras hoben, schien die Zeit einen Atemzug langsamer zu laufen.
Fazit: Verbundenheit, die Schritt hält.
Am Ende bleibt von diesem Messeeinzug nicht nur das Bild einer Abordnung in Uniform zurück, sondern der Eindruck einer Partnerschaft, die leise und beständig Schritt hält. Hardheim und Miltenberg zeigen, dass regionale Nähe nicht laut verkündet werden muss, um spürbar zu sein. Manchmal genügt ein Gruß im Festzug, eine Fahne im Wind und ein gemeinsamer Weg durch die Stadt, damit aus Patenschaft gelebte Freundschaft wird.
Roland Schönmüller ((rsc.)
Text und Fotos:
BU 1: Die Abordnung der Hardheimer Soldaten trat in Miltenberg nicht als martialische Parade auf, sondern als besonderer Gast im großen Festbild. Foto Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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