Bildergalerie und Essay.
Das Gold der Höhe und das Spiel der Giganten.
- Während auf dem fernen Rasen um den Einzug ins Finale gekämpft wird, sichern die Bauern auf den Höhen des Odenwaldes das echte, existenzielle Gold der Erde. Ein Abend zwischen weltweitem Nervenkitzel und tiefer lokaler Verwurzelung, eingefangen in der kühlen Trockenheit einer denkwürdigen Sommernacht.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Rushhour auf der Odenwaldhöhe.
Miltenberg / Eichenbühl. Es ist ein synästhetisches Meisterwerk aus Dieselrauch und Grillduft, das sich an diesem Juliabend (15.07.2026) über die Odenwaldhöhe legt.
Während am Himmel mächtige, dunkelgraue Wolkenbänke wie stumme Riesen vorbeiziehen, weigern sie sich beharrlich, ihre Last abzuwerfen. Sie überlassen die Bühne den irdischen Giganten. Zwischen Miltenberg und Walldürn, vorbei an den weiten Flächen bei Kaltenbrunn und Wettersdorf, Schippach und Gottersdorf fressen sich die Scheinwerferkegel der Mähdrescher durch die letzten Felder von Raps, Dinkel, Wintergerste, Weizen und Co.
Das reife Getreide fällt im Takt einer unerbittlichen Choreografie. „Bis Mitternacht wird durchgearbeitet“, berichtet Landwirt Christoph Zeller aus Beuchen.
Es ist das Finale einer perfekten Ernte.
Ein paar Kilometer weiter, auf dem Hof von Landwirt Matthias Ullmer in Heppdiel, herrscht die Hektik eines logistischen Ameisenhügels. Staub tanzt im Scheinwerferlicht, während Transporter im Minutentakt die frisch gedroschene Last anliefern.
Im Silobetrieb wird das Korn gereinigt, gewogen, gesichert und über Lkw-Transporte nach Mannheim, Mainz und Würzburg zeitnah geliefert. „Bis zum Wochenende ist alles unter Dach und Fach oder unterwegs zu den Ölmühlen.“, strahlt Landwirt Matthias Ullmer zufrieden, den Blick kurz nach oben gerichtet. Die Bedingungen sind phänomenal.
Das Wetter hält dicht, auch wenn gegen 21 Uhr der Wind auffrischt und die spürbare Abkühlung der Hochlagen allmählich wie ein unsichtbarer Vorhang herabfällt.
Doch die Odenwälder trotzen der Kälte mit urwüchsiger Geselligkeit. Nur einen Steinwurf vom Staub der Erntefelder entfernt flimmert im nahen Windischbuchen wie woanders in der Region das globale Spektakel als Public Viewing unter freiem Himmel. Auf einer Großleinwand läuft das WM-Halbfinale: England gegen Argentinien: 1:0 – 1:1 – 1:2. Die Südamerikaner sind die Sieger.
Die Fußballjugend
freut sich und spielt in der Halbzeitpause nebenan auf eigenem Terrain.
Es ist ein faszinierender Kontrast der Geräusche. Das dumpfe, monotone Grollen der fernen Mähdrescher vermischt sich mit dem ekstatischen Jubel der TV-Kommentatoren im Dorf.
Hier draußen in Windischbuchen und in der Umgebung wird das Leben im Hier und Jetzt zelebriert.
Die Menschen rücken näher zusammen, wärmen sich etwas an den Glutnestern des Grills, versorgen sich mit Essen und greifen nach einem kühlen Getränk.
Während auf dem fernen Rasen um den Einzug ins Finale gekämpft wird, sichern die Bauern auf den Höhen des Odenwaldes das echte, existenzielle Gold der Erde.
Ein Abend zwischen weltweitem Nervenkitzel und tiefer lokaler Verwurzelung, eingefangen in der kühlen Trockenheit einer denkwürdigen Sommernacht.
Roland Schönmüller (Text und Fotos)
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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