Bildergalerie und Essay.
Im Salzkammergut, da kann man gut lustig sein …
- hochgeladen von Roland Schönmüller
… und in Franken auch!
Sonnen‑Schimmer, See‑Sehnsucht, Stadt‑Sommer.
Am letzten Abend dieser Würzburger Weißen‑Rössl-Reihe liegt ein feiner Abschiedston über der Blauen Halle, als hätte der Raum selbst verstanden, dass dies der Moment ist, an dem sich ein halbes Jahr Musik, Stimmen und Geschichten zu einem letzten warmen Atemzug sammelt.
Draußen glimmt der Main im frühen Juni, drinnen hebt sich ein Vorhang, der seit Silvester vertraut geworden ist – und ein Ensemble tritt hervor, das in seiner Farbenpracht, seinem Spielmut und seiner szenischen Präsenz den Abend trägt wie ein lebendiges Mosaik.
Dass diese Produktion vom Mainfranken Theater Würzburg verantwortet wird, spürt man in jeder Szene: in der Sorgfalt der musikalischen Leitung, in der klaren Regiehandschrift, in der Hingabe des Chors, der das Publikum noch einmal mit einem warmen Klang umhüllt, der an frühe Sommerabende am Main erinnert.
Die Operette selbst erzählt von einem Ort, an dem die Gefühle schneller wachsen als die Alpenrosen: dem Weißen Rössl am Wolfgangsee.
Dort liebt der Zahlkellner Leopold seine Wirtin Josepha, die wiederum für den eleganten Dr. Siedler schwärmt. Siedler verliebt sich jedoch in Ottilie, die Tochter des Berliner Fabrikanten Giesecke, der wiederum mit Siedlers Mandanten im Streit liegt.
Dazu kommen Sigismund, der sich in Klärchen verguckt, und der verträumte Professor Hinzelmann, der mehr beobachtet als handelt.
In der historischen Fassung bringt Kaiser Franz Joseph Ordnung in dieses Geflecht – doch Würzburg verzichtet bewusst auf ihn und findet einen leiseren, menschlicheren Schluss, der nicht auf Autorität setzt, sondern auf Nähe.
Gerade an diesem letzten Abend wirkt das Ensemble wie ein farbiges Band, das die Szenen zusammenhält. Die Kostüme leuchten, die Bewegungen fließen, die Stimmen tragen einander. Josepha zeigt Stärke und Wärme, Leopold brennt mit jener Mischung aus Übermut und Verletzlichkeit, die ihn zu einer der berührendsten Figuren macht.
Die Chorszenen füllen die Halle mit einem Klang, der sich wie ein letzter Sommerwind über die Reihen legt.
Im Foyer mischen sich die Stimmen der Region zu einem vielschichtigen Echo.
Die Seniorin aus Miltenberg, 68, sagt, dass sie gerade diese Würzburger Art liebe – nicht laut, nicht grell, sondern warm und nah.
Der Senior aus Eichenbühl, 71, meint, er hätte den Kaiser gern gesehen, aber vielleicht sei es gut, dass die Inszenierung ihren eigenen Weg gehe.
Der junge Mann aus Bürgstadt, 32, findet, dass die klare Bühne und die moderne Lesart genau zu dieser Stadt passen, die Tradition kennt, aber nicht darin stehen bleibt.
Die junge Frau aus Walldürn, 30, hebt die Musik hervor, die für sie der heimliche Hauptdarsteller des Abends ist.
Und der 55‑jährige aus Tauberbischofsheim fasst es leise zusammen: „Es war ein guter Schluss. Kein großes Feuerwerk, aber ein schöner letzter Ton.“
So endet das Weiße Rössl in Würzburg nicht mit Pomp, sondern mit Gefühl.
Ein Gefühl von Sommer, von Stadt, von Menschen, die sich für zwei Stunden an einen See träumen durften, der weit weg liegt und doch ganz nah war.
Ein Finale, das nicht überwältigt, sondern begleitet – und gerade deshalb bleibt.
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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