Bildergalerie und Essay.
Wald, Wind, Wertschöpfung: Die Miltenberger Höhenstadtteile Schippach, Berndiel, Wenschdorf & Co.

Pferde am frühen Augustmorgen bei Schippach.
250Bilder

Die Miltenberger Michaelismesse steht vor der Tür. Grund genug, auch die hiesigen Höhenstadtteile in Bild und Wort mit Land und Leuten sowie in aktuellen Themen vorzustellen.

Wir starten mit Schippach, Berndiel, Wenschdorf und Monbrunn.

MILTENBERG / WENSCHDORF. Die Energiewende im Landkreis Miltenberg erreicht das Odenwald-Plateau.

Das Großprojekt im Vorranggebiet „Seboldsruhe“ nimmt konkrete Formen an, sorgt in den betroffenen Höhenstadtteilen jedoch für intensive Debatten zwischen wirtschaftlichen Chancen und Naturschutzbedenken.

Wald, Wind, Wertschöpfung:
Miltenbergs Aufbruch auf die Höhe

Die Stadt Miltenberg am südlichen Mainviereck vereint eine historische Kernstadt mit fünf topographisch unterschiedlich gelegenen Stadtteilen.

Während das Zentrum im Tal liegt, erstrecken sich die ländlich geprägten Ortsteile Mainbullau, Schippach mit Berndiel sowie Wenschdorf mit Monbrunn auf den windreichen Hochflächen des Odenwalds.

Insgesamt zählt Miltenberg rund 9.640 Einwohner.

Genau auf diesen Höhenzügen – einer rund 65 Hektar großen Wald- und Freifläche nahe Schippach und Wenschdorf – plant die Stadt zusammen mit dem Regionalen Energiewerk Untermain (REW) den Bau von vier modernen Windkraftanlagen.

Diese sollen rechnerisch rund 23.000 Haushalte mit grünem Strom versorgen.

Ein Investor für Realisierung und Betrieb wurde vertraglich bereits gebunden.

Finanzielle Beteiligungsmodelle im Fokus.

Um die Akzeptanz vor Ort zu sichern, setzen die Planer auf finanzielle Anreize für die Gemeinschaft:

* Kommunale Erträge:
Die Stadt Miltenberg erhält nach Paragraph 6 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) eine jährliche Zuwendung von 30.000 Euro pro Windkraftanlage. Diese Erlöse sollen laut Verwaltung direkt in die Förderung lokaler Vereine fließen.

* Bürgerbeteiligung:
Das REW verhandelt über exklusive Anlagemöglichkeiten für die Einwohner, etwa über festverzinste Nachrangdarlehen oder lokale Bürgerenergiegenossenschaften.

* Pachteinnahmen: Neben der Stadt als größter Waldbesitzerin profitieren auch private Grundstückseigentümer durch langfristige Standortsicherungsverträge.

Das sachliche Pro und Contra

Die Argumentationslinien in der Bevölkerung sind klar gezogen.

Befürworter
verweisen auf die lokale Wertschöpfung, bei der finanzielle Gewinne direkt in der Region verbleiben, anstatt an Großkonzerne abzufließen.

Zudem sichern die Pacht- und Steuergelder die dörfliche Infrastruktur und leisten einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz.

Kritiker äußern vor allem ökologische Bedenken: Für die Fundamente und Zufahrtswege müssen Waldflächen gerodet und versiegelt werden.

Zudem befürchten nahe Anwohner optische Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes, gesundheitliche Sorgen durch Infraschall sowie potenzielle Umweltrisiken durch den Mikroplastik-Abrieb der Rotorblätter.

Im Herbst stehen dazu umfassende Bürgerversammlungen an.

Glosse: Post aus Wenschdorf – Vom Winde verdreht

121 Einwohner hat das schöne Dorf – und seit Neuestem exakt 121 diplomierte Windkraft-Experten.

Beim Feierabendbier im Ort wird nicht mehr über die anstehende Ernte oder die Schlaglöcher auf der Kreisstraße debattiert, sondern mit harten Bandagen kalkuliert.

Die Dorf-Gemeinschaft hat sich über Nacht in zwei unversöhnliche Lager gespalten: Die Rendite-Romantiker und die Infraschall-Inquisitoren.

Die eine Hälfte des Dorfes hat im Geiste schon das Sparbuch geplündert, um es in „festverzinste Nachrangdarlehen“ anzulegen.

Beim Sportverein Miltenberg spitzt man im Tal wohl schon die Bleistifte, um die windkraftfinanzierten Trikotsätze zu bestellen. „Wenn der Wind weht, rollt der Rubin!“, floskelte unlängst ein optimistischer Sportfreund am Stammtisch.

Auf der anderen Straßenseite herrscht dagegen die pure Endzeitstimmung. Hier formiert sich der Widerstand, tatkräftig unterstützt von den örtlichen Jägern. Die Waidmänner sehen das heimische Wild schon in kollektiver Panik vor dem Infraschall flüchten und sorgen sich um die Flugbahnen von Waldkauz und Schwarzstorch.

Wenn dort der Rasenmäher des Nachbarn anspringt, wird sofort geprüft, ob das verdächtige Brummen bereits der gefürchtete Infraschall der noch gar nicht gebauten Rotoren ist.

Dass man die 250 Meter hohen Spargel künftig bis weit ins Tal sehen wird, gilt in diesen Kreisen als visueller Terrorismus an der fränkischen Seele.

Zudem wird über den Mikroplastik-Abrieb der Flügel diskutiert, als stünde die Vergiftung des gesamten Jagdreviers kurz bevor.

Besonders skurril wird es bei den privaten Waldbesitzern. Wer ein Stückchen Grund auf der Höhe sein Eigen nennt, geht plötzlich mit merklich aufrechterem Gang durch die Gassen.

Man munkelt von Pachtverträgen, die den nächsten Mallorca-Urlaub auf Lebenszeit sichern könnten.

Wer dagegen leer ausgeht, weil sein Grundstück fünf Meter außerhalb der Vorrangzone liegt, entdeckt plötzlich seine tiefe, altruistische Liebe zum unberührten Pfauenschmetterling.

Wenn im Herbst die Herren vom Energiewerk zur offiziellen Infoveranstaltung in die Halle laden, wird Wenschdorf jedenfalls geschlossen anrücken.

Die einen mit dem Scheckbuch in der Tasche, die anderen mit dem Protestplakat im Anschlag.

Autor:

Roland Schönmüller aus Miltenberg

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Auto & Co.Anzeige
0:48
0:48

Hyundai KONA in Elsenfeld | Sommer mit Bieger

Mit dem Hyundai KONA zum Honisch Beach in Niedernberg. Entdecke unseren Sommerausflug und den KONA im Autohaus Bieger in Elsenfeld. Sommer, Sonne und unterwegs mit dem Hyundai KONA Sonne im Gesicht, Badesachen im Gepäck und ein Ziel, das nach Urlaub aussieht, obwohl es direkt in der Region liegt. Für unseren Sommerausflug mit dem Hyundai KONA ging es vom Autohaus Bieger in Elsenfeld zum Honisch Beach nach Niedernberg. Ein Ziel, für das keine lange Urlaubsfahrt nötig ist und an dem trotzdem...

Essen & TrinkenAnzeige
Von links: Robin Winter, Anan Kamkerd, Matthias Winter und 
Sunantha Weis und das hauseigene TukTuk zur Gästebeförderung..
5 Bilder

Spezialist der Region
Wie eine Reise nach Thailand: Authentische Kochkunst im Phi Mai Thai in Klingenberg

Vor rund zehn Jahren begann Sunantha Weis mit einem kleinen thailändischen Imbisswagen neben dem Getränkehandel von Matthias Winter in Klingenberg Röllfeld. Heute führen beide das Restaurant Phi Mai Thai, mit im Boot sind Winters Sohn Robin im Service und Koch Anan Kamkerd. Vom früheren Getränkehandel ist im stilvoll eingerichteten und klimatisierten Gastraum kaum noch etwas zu erkennen. Über zehn Jahre wurde alles in Eigenleistung umgebaut und modernisiert, zuletzt auch die sanitären Anlagen....

Bauen & WohnenAnzeige
0:40

Sondermaschinenbau bei WIRL Elektrotechnik in Kleinheubach

Individuelle Sondermaschinen von WIRL Elektrotechnik. Von der Planung bis zur Automatisierung erhältst du eine Lösung für deinen Prozess. Sondermaschinenbau bei WIRL Elektrotechnik Kein Fertigungsprozess gleicht exakt dem anderen. Bauteile unterscheiden sich, Abläufe haben eigene Taktzeiten und selbst kleine räumliche Einschränkungen können darüber entscheiden, ob eine Maschine sinnvoll eingesetzt werden kann. Standardanlagen stoßen deshalb schnell an ihre Grenzen. Beim Sondermaschinenbau bei...

Auto & Co.Anzeige
0:43

Carbon Cleaning
So läuft die professionelle Motorreinigung bei uns ab

Carbon Cleaning: So läuft die professionelle Motorreinigung ab Viele Autofahrer haben schon vom Carbon Cleaning gehört, wissen aber nicht genau, wie die Reinigung eigentlich funktioniert. Dabei ist das Verfahren überraschend unkompliziert und gleichzeitig äußerst effektiv. Das Ziel ist es, Kohlenstoff Ablagerungen im Motor zu lösen und die Leistungsfähigkeit des Fahrzeugs langfristig zu erhalten. Für die Reinigung wird ein spezielles Carbon Cleaning Gerät an das Fahrzeug angeschlossen. Über...

Auto & Co.Anzeige
0:17

Hyundai IONIQ 5 schnell laden in Obernburg

Hyundai IONIQ 5 schnell laden: Der Praxistest beim Autohaus Bieger in ElsenfeldWie lange muss ein Elektroauto tatsächlich an der Ladesäule stehen? Diese Frage lässt sich am besten dort beantworten, wo Strom fließt. Deshalb zeigen wir Dir beim Autohaus Bieger in Elsenfeld live, wie einfach das Schnellladen mit dem Hyundai IONIQ 5 funktioniert. Im praktischen Ladevorgang steigt der Batteriestand innerhalb von rund 15 Minuten von 20 auf 80 Prozent. Das reicht häufig für Deinen Arbeitsweg, mehrere...

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.