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Landratswahl Miltenberg 2020
Jens Marco Scherf im Gespräch mit dem News Verlag über Politik, Perspektiven und Privates

Jens Marco Scherf, Landrat des Kreises Miltenberg, im Interview mit dem News Verlag: „Die Menschen müssen die Sicherheit haben, dass Sie sich auf mich als Menschen mit meinem Politik- und Demokratieverständnis und meinem  Wertefundament verlassen können.“
  • Jens Marco Scherf, Landrat des Kreises Miltenberg, im Interview mit dem News Verlag: „Die Menschen müssen die Sicherheit haben, dass Sie sich auf mich als Menschen mit meinem Politik- und Demokratieverständnis und meinem Wertefundament verlassen können.“
  • Foto: News Creativ
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Landrat Jens Marco Scherf hat viele Facetten: Er ist Grüner, Familienvater, studierter Germanist und Literaturgeschichtler, ehemaliger Fußball-Schiedsrichter, Hobby-Läufer sowie bekennender Handballfan. Sein Anspruch, der „Landrat für alle“ zu sein, mit dem er 2014 antrat, prägt seinen aufgeschlossenen Umgang mit den Akteuren im politischen Bereich genauso wie den Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern. Scherf setzt auf bürgerschaftliches Engagement und Vielfalt im Landkreis sowie ein gutes Miteinander. Bildung und Mobilität, Wirtschaftsförderung und Klimaschutz sowie die Gesundheitsversorgung sind für ihn die tragenden Säulen, die den Landkreis zu einem „attraktiven Raum“ machen, an dem die Menschen „gerne leben und arbeiten“. Zahlreiche zukunftsweisende Projekte hat er im Konsens mit dem Kreistag bereits auf den Weg gebracht, vieles steht noch auf seiner Agenda. Darum bittet er die Wählerinnen und Wähler 2020 um ihr Vertrauen für eine weitere Amtszeit. Mit dem News Verlag sprach Jens Marco Scherf über seine Pläne für den Landkreis, die politischen Herausforderungen und – Privates.

Herr Scherf, wie vereinbaren Sie Ihren Beruf mit der Familie?

„Endlich bekomme ich mal diese Frage gestellt (lacht). Gerade in der Politik entsteht natürlich in Anbetracht einer meistens rund 80 Arbeitsstunden umfassenden Woche eine enorme Belastung für die Familie. Meine Kinder (8 und 9 Jahre) und meine Frau müssen sehr intensiv auf mich verzichten. Aber, wie soll ich es ausdrücken, meine Familie braucht mich und ich brauche meine Familie, umso wichtiger ist es, Inseln zu schaffen. Eine ganz wichtige Insel ist der gemeinsame Morgen, das gemeinsame Frühstücken in Ruhe mit der Familie. Dann ist Zeit zum Reden und auch für das traditionelle Vorlesen, das sich vom Abend auf den Morgen verschoben hat. Meine beiden älteren Töchter sind mit Anfang 20 natürlich nicht mehr dabei, aber auch für sie hat sich meine Verfügbarkeit geändert. Da ist dann ein Mobiltelefon sehr nützlich.“

Bleiben Ihrer Frau da noch eigene Freiräume oder sieht sie sich in der Rolle der ,Frau an seiner Seite‘, die selbst zurücksteckt?

„Meine Frau würde mir etwas erzählen, wenn ich sie als mein ,schmückendes Beiwerk‘ verstehen würde (lacht) ... Meine Frau versteht sich – so wie sicher jede andere Frau auch – als eigenständige Persönlichkeit mit ihren eigenen beruflichen Vorstellungen, und das ist auch gut so. Ihre Freiräume dafür sind ebenso wichtig wie die notwendigen Freiräume für die Familie.“

Was heißt das konkret?

„Meine Frau ist Grundschullehrerin und übt ihren Beruf in Teilzeit aus. Außerdem macht sie zurzeit eine 2-jährige Weiterbildung mit dem Staatsexamen ,Deutsch als Zweitsprache‘.“

Im August sind Sie 12 Tage durch den Landkreis gewandert und dabei mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen.Was haben Sie erfahren?

„Das erste, was mir immer wieder auffällt, ist die enorm große Identifikation der Menschen mit dem Landkreis, also mit ihrer Heimat und mit den Themen und den Herausforderungen, die wir haben. Da ist ein hoher Bezug zu unserer Heimat. Es geht um die Energieversorgung, um die Mobilität der Menschen, den Busverkehr, den Bahnhof Miltenberg. Pendler und Studierende, die nach Hessen fahren, wünschen sich u. a. Erleichterungen beim Ticketkauf. Natürlich freut es mich, dass viele der Fragen sich auf Anliegen beziehen, die bereits bearbeitet werden und deren Ergebnisse sich mittelfristig zeigen werden, wie der Ein-Stunden-Takt der Expresszüge unter der Woche und der Regionalbahn am Wochenende. Ich habe auch intensiv für eine Arbeitsgruppe gekämpft, die sich dafür einsetzt, dass zum Beispiel der Ticketkauf länderübergreifend einfacher wird, dass ein Handyticket und ein gemeinsames Jobticket von VAB und RMV entwickelt werden.
Ich kann also zu den Themen oft schon Lösungsansätze nennen, die bereits ‚in der Mache‘ sind. Ernüchternd wäre es, den Bürgerinnen und Bürgern nicht antworten zu können oder von ihnen auf Dinge hingewiesen zu werden, die mir völlig neu sind. Die Gespräche zeigen mir aber im Gegenteil, dass wir das Ohr an den Menschen haben und ihnen richtig zuhören und danach handeln. Und das ist heute wichtiger denn je.“

Warum?

„In Zeiten der zunehmenden Radikalisierung von Auseinandersetzungen, von
Vertrauensverlust in demokratische Prozesse und in staatliche Institutionen müssen wir in besonderer Weise das gute Miteinander und das Engagement unserer Bürgerinnen und Bürger stärken. Auf meiner Wanderung wurde mir auch ­erzählt, dass die Menschen sich 2014 etwas anderes für den Landkreis wünschten, als es ihnen bis dahin geboten wurde. Einen anderen Politikstil, etwas Neues. Das war die Stimmung, die ich damals bei meinen über 2000 Haustürbesuchen wahrgenommen habe. Und die aktuellen Wahlen haben für mich die klare Botschaft: ,Macht endlich etwas anders, sonst wählen wir euch in Grund und Boden‘. Aber was genau die Menschen wollen, kann man nur durch den stetigen Dialog, das genaue Zuhören und das Miterleben erfahren. Dafür gehe ich bewusst viel raus vor Ort oder bin auch mit dem Zug oder dem Rad unterwegs, damit die Menschen mich ansprechen können.“

Oder zu einem Handballspiel nach Kirchzell?

„Ja, die Kirchzeller Handballer sehen ihren Landrat recht häufig, meine jüngste Tochter ist ein echter Fan des TVK, während mein Sohn mehr zum TVG tendiert.“

Sie sehen Klimaschutz als entscheidende Grundlage für unsere Lebensqualität und fordern konsequentes Handeln durch uns alle. Sprechen Sie mit Ihren Kindern über das Thema?

„Ja. Meine Kinder schauen mit Begeisterung die Logo-Kindernachrichten auf dem Kinderkanal, die ich selbst auch ganz toll finde. Kika macht überhaupt ein sehr gutes Programm, die Kinder können sich ihrem Alter angemessen mit den Problemen unserer Zeit auseinandersetzen, und dazu gehört natürlich auch der Klimaschutz. Wir sprechen offen darüber, dass es hier Probleme und große Aufgaben gibt. Aber ich zeige auch meine innere feste Überzeugung, dass die Situation zwar extrem bedrohlich ist, dass wir Menschen aber, wenn wir es wirklich ernst meinen und alle zusammenhelfen, in der Lage sind, diese Menschheits-Herausforderung zu lösen.
Aber auch ohne Belehrung durch Mama oder Papa ist das Thema bei den Kindern präsent, sie bringen auch Themen aus der Schule mit, wissen, was Treibhausgase sind und wie Strom gut bzw. klimaschädlich erzeugt wird. Wichtig ist, dass man das für die Kinder übersetzt in das ,Was tun wir‘: wie wir einkaufen, wenig Plastik, Mehrweg, die Fahrt in den Urlaub, zu Oma und Opa nach Dresden oder nach Aschaffenburg mit dem Zug. Und dass es nicht nur schön ist, dass wir uns im Zug einander zuwenden können, sondern, dass es auch klimafreundlich ist.“

Bei Fridays for future in Miltenberg wurde Ihnen eine Liste mit konkreten Vorschlägen für mehr Klimaschutz im Landkreis übergeben. Wie ernst nehmen Sie das?

„Zunächst nehme ich die Forderungen persönlich ernst und gleiche sie mit dem ab, was derzeit in der Kreisentwicklung im Gange ist. So decken sich die Forderungen bei ,Weniger Autofahrten‘ mit meiner Arbeit und der des Landkreises für mehr Züge auf der Maintalbahn, einem Ausbau des Busangebotes seit 2014 sowie Planungen für ein Rufbus-Angebot an Abenden und Wochenenden. Vor Ort mehr Energie zu produzieren, dieses Ziel deckt sich mit dem Photovoltaik-Programm des Landkreises Miltenberg, welches mit einer PV-Anlage auf dem Wertstoffhof Süd in Bürgstadt im Herbst 2019 startet.
Positiv ist auch das seit 2017 bestehende Nahwärmenetz MIL-Nord zwischen Fripa und Schulzentrum. Mir geht es aber nicht darum, den jungen Menschen zu sagen, wir seien doch auf einem guten Weg.
Angesichts der nun deutlich zu spürenden Auswirkungen der klimatischen Veränderungen müssen wir alle noch konsequenter handeln! Deshalb habe ich den Forderungskatalog auch dem Ausschuss für Energie, Natur- und Umweltschutz vorgelegt und werde mit den jungen Menschen im Gespräch bleiben.“

Begrüßen Sie es, wenn die Menschen Ihnen konkrete Vorschläge machen oder selbst die Initiative ergreifen?

„Auf jeden Fall. Wie ich eingangs sagte, ist das Zuhören durch uns Politiker ganz wichtig, genauso wie der persönliche Kontakt. Aber genauso entscheidend für das Vorankommen unseres Landkreises ist, dass die Menschen aktiv mitmachen, ihre Ideen vorstellen und Initiative zeigen.
Wir sind ein vor Vielfalt bunter Landkreis, die Menschen haben Freude am Gestalten und sind motiviert. Was daraus entstehen kann? Nun, z. B. der sehr erfolgreiche Käsetaler dank der Bauernschaft, das Kunstnetz als eine Initiative der Künstlerinnen und Künstler, das Pflegenetz MIL durch die Pflegeeinrichtungen, viele Blühwiesen dank unserer Landwirte oder Bürgerinitiativen, das Nahwärmenetz MIL-Nord war die Idee einiger Kreisräte ... ich kann hier gar nicht alles aufzählen, was dank guter Ideen bereits umgesetzt wurde. Davon können wir gar nicht genug haben!“

 

Jens Marco Scherf schreibt regelmäßig auf seiner Webseite www.jens-marco-scherf.de. Gerne beantwortet er dort Ihre Fragen zu Landkreisthemen.

Autor:

meine-news.de Redaktion aus Miltenberg

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