Essay und Bildergalerie.
Eindrücke, Erlebnisse, Erinnerungen: die Miltenberger Grundschule in den Sommerferien 2026.
- Zwischen Wehmut und Wandel: Ein Schulgelände, das sich in den Ferien unbeobachtet neu sortiert.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Die Grundschule Miltenberg – Sommerferien, Abrissbagger und Module mit Manieren.
Ein Schulgelände, das sich in den Ferien unbeobachtet neu sortiert.
Die Grundschule Miltenberg nutzt die Sommerferien wie andere Leute den Frühjahrsputz: Wenn Lehrerinnen und Schüler in den Ferien sind, wird gründlich umgebaut.
Und dieses Jahr hat sich die Schule besonders viel vorgenommen.
Der alte Hausmeisterbungalow – ein flacher, gemütlicher Bau, der immer wirkte, als hätte er sich aus purer Loyalität an die Schule gekuschelt – ist verschwunden.
Er war kein architektonisches Wunder, aber er hatte Persönlichkeit:
ein bisschen 1970er-Jahre-Charme, ein bisschen „Ich bin eigentlich zu klein für diese Aufgabe“, ein bisschen „Hier wohnt jemand, der alles reparieren kann und trotzdem Zeit für ein Schwätzchen hat“.
Die Abrissfirma aus Walldürn rückte mit emsigen Arbeitern an, die so präzise arbeiteten, als würden sie jeden Morgen erst einmal einen Betonblock zum Aufwärmen zerbröseln.
Die Module – Klassenzimmer mit Sommerfrische und Selbstbewusstsein.
Auf dem ehemaligen Sportplatz wächst nun der neue Modulblock, der aussieht wie ein Feriencamp für besonders motivierte Schüler.
Die Module stehen in Reih und Glied, weiß, ordentlich, mit einem Hauch von Campingplatz-Flair.
Sie genießen die Ruhe der Ferien und flüstern sich gegenseitig zu:
„Wir sind provisorisch, aber wir geben uns Mühe.“
Ab September wird hier unterrichtet – mit frischen Böden, neuen Tafeln und dem Gefühl, dass Lernen auch ein Abenteuer sein kann.
Die Turnhalle – Miltenbergs heimliches Kulturhaus.
Während draußen die Module glänzen, ruht die Turnhalle wie ein alter Schauspieler, der seine besten Jahre nicht vergessen hat.
Hier gastierte Boris Spasski, der Schachweltmeister, und spielte Simultanpartien unter Neonlicht.
Hier sprachen Franz Josef Strauß und Hans-Jochen Vogel – manchmal nacheinander, manchmal gegeneinander, immer mit viel Publikum.
Und hier brachte Willi Millowitsch mit seiner Kölner Theatergruppe die Halle zum Lachen, bis selbst die Basketballkörbe wackelten.
Es war ein Ort, an dem Politik, Theater, Musik-Konzerte, Kreischortreffen, Faschingsveranstaltungen, ein brasilianischer Samba-Event, Sport und Schach friedlich nebeneinander existierten – und manchmal sogar miteinander jung und alt aus nah und fern begeisterten.
Die Wandbilder – Kunst, die mitredet.
An den Wänden im und am Schulgebäude schuf Kurt Wolfgang Zöller großflächige Wandbilder, die heute unter Denkmalschutz stehen.
Sie kommentierten jede Veranstaltung und das Schulleben überhaupt, ohne ein Wort zu sagen:
• Iphigenie blickte streng, wenn Strauß sprach.
• Orpheus schmunzelte, wenn Millowitsch spielte.
• Die Farben leuchteten heller, wenn die Stadtkapelle probte.
Es war Kunst, die nicht still sein wollte – und die Turnhalle, der Pausehof und der Sportplatz wurden ihr Resonanzraum.
Die Hausmeister – die heimlichen Dirigenten des Schulalltags und im Dienst rund um die Uhr.
Gerhard Kern – kommunikativ in alle Richtungen.
Herr Kern war vierzig Jahre lang der Mann, der alles wusste, alles hörte und alles reparierte.
Er war kommunikativ in alle Richtungen: nach oben, nach unten, nach links, nach rechts – und manchmal sogar diagonal.
Wenn irgendwo ein Problem auftauchte, wusste Gerhard Kern es schon, bevor das Problem selbst davon wusste.
Roland Hock, sein Nachfolger, handwerklich und musikalisch ein Talentgenie (mit Tuba!)
Hausmeister Hock war ein Multitalent: technisch brillant, musikalisch begabt, organisatorisch unerschütterlich.
Er konnte eine Steckdose reparieren, Notenblätter für die Stadtkapelle sortieren und gleichzeitig seine Tuba stemmen, als wäre sie ein Teil seiner Persönlichkeit.
Die Tuba war bei ihm kein Instrument, sondern ein Charakterzug:
groß, warm, zuverlässig – und immer ein bisschen zu präsent, um überhört zu werden.
Die Schulräte – Gäste mit gelegentlicher Gedächtnislücke.
Wenn Schulräte zum Unterrichtsbesuch kamen, wurden sie freundlich vom Hausmeister, von Herrn Kern, empfangen – und manchmal vergaßen sie nach dem immer länger werdenden Gespräch fast, warum sie eigentlich gekommen waren.
Die Turnhalle, die Wandbilder, der Hausmeister, die Atmosphäre – alles war so einnehmend, dass man leicht den Faden verlor.
Manchmal ging ein Schulrat wieder von der Schule und sagte:
„Ich glaube, ich wollte irgendetwas Wichtiges besprechen… aber es war schön hier.“
Ausblick – ein Schuljahr zwischen Modulen und Zukunft.
Wenn im September 2026 die Ferien vorbei sind, kehren Lehrerinnen und Schüler zurück – und werden staunen.
Die Schule hat sich verändert, aber sie hat ihren Humor behalten.
Der Unterricht beginnt im Modulblock, ein sanierter Trakt steht auch bereit, und die Gesamtsanierung wird mehrere Jahre dauern.
Doch Miltenberg kennt Geduld. Und die Schule kennt Geschichten.
Am Ende wird sie wieder strahlen – vielleicht sogar ein bisschen mehr als früher.
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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