Präzision im Stadtwald
THW-Motorsägenführer trainieren für den Ernstfall
- Der Fallkerb wird aus dem Baumstamm heraus gesägt.
- Foto: Matthias Zipf
- hochgeladen von Stefan Wolf
Unter der Leitung von Gruppenführer David Balles fand die jährliche Fortbildung der Motorsägenführer unseres THW‑Ortsverbandes im Stadtwald Miltenberg statt. Die abwechslungsreiche Waldkulisse bot ideale Bedingungen für eine praxisnahe Ausbildung, in der vor allem der sichere und ergonomische Umgang mit der Motorsäge im Mittelpunkt stand. Wie Balles betonte, ist dies die Grundlage für unfallfreies Arbeiten – eine Einschätzung, die auch Fachorganisationen teilen, denn unsachgemäße Schnitttechniken zählen zu den häufigsten Unfallursachen bei der Waldarbeit.
Ein wesentlicher Teil der Ausbildung war die Anwendung der Sicherheitsfälltechnik, die aktuell als die sicherste Methode zur kontrollierten Baumfällung gilt. Diese Technik arbeitet mit einem sogenannten Sicherheitsband, das so lange stehen gelassen wird, bis alle Vorbereitungen abgeschlossen sind und der Motorsägenführer den Zeitpunkt des Falls bewusst bestimmen kann. Dadurch bleibt der Baum stabil, das Risiko von Spannungsrissen wird deutlich reduziert, und die Einsatzkräfte können ihren Rückzugsweg sicher nutzen. Fachliche Leitlinien beschreiben diese Methode als besonders geeignet, um unkontrollierte Fallbewegungen und aufreißende Stämme zu vermeiden – ein entscheidender Vorteil, gerade in unübersichtlichem Gelände.
Neben der Fälltechnik stand auch die Baumansprache im Fokus, also die gründliche Beurteilung eines Baumes vor dem ersten Schnitt. Sie gilt als „erste Lebensversicherung“ für Motorsägenführer, da sie darüber entscheidet, ob ein Baum überhaupt gefahrlos gefällt werden kann und welche Methode dabei anzuwenden ist. Dazu gehört die Einschätzung von Baumhöhe, Krone, Stammverlauf, Gesundheitszustand sowie der Umgebung. Merkmale wie Totholz, Zwieselwuchs oder Hinweise auf Fäule müssen frühzeitig erkannt werden, da sie das Unfallrisiko erheblich steigern können. Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, die Bäume im Stadtwald aus unterschiedlichen Perspektiven zu beurteilen und verschiedene Szenarien realistisch einzuschätzen – ein essenzieller Schritt für jede sichere Fällentscheidung.
Die regelmäßige Fortbildung unserer Motorsägenführer ist nicht nur gesetzlich gefordert, sondern auch für den THW‑Einsatzalltag unverzichtbar. Ob nach Sturmlagen, bei der Beseitigung von Gefahrenhölzern oder zur Freimachung von Einsatzwegen – viele Lagen erfordern präzises, sicheres und routiniertes Arbeiten. Die Fortbildung im Miltenberger Stadtwald war daher nicht nur eine Pflichtveranstaltung, sondern ein wertvoller Beitrag zur Sicherheit und Einsatzbefähigung unserer Einsatzkräfte.
Autor:Stefan Wolf aus Miltenberg |
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