Staustufenbau und Solaranlage im Naturschutzbeirat diskutiert

Auf dem Gelände der ehemaligen Klärschlammdeponie in Rück-Schippach ist das einzige Vorkommen des Laubfrosches im Landkreis Miltenberg dokumentiert. Der Naturschutzbeirat – hier vor Ort bei einer Exkursion – will in Kooperation mit der Kommunalen Abfallwirtschaft als Betreiber der Anlage versuchen, dem Laubfrosch noch mehr Lebensraum bereitzustellen.
  • Auf dem Gelände der ehemaligen Klärschlammdeponie in Rück-Schippach ist das einzige Vorkommen des Laubfrosches im Landkreis Miltenberg dokumentiert. Der Naturschutzbeirat – hier vor Ort bei einer Exkursion – will in Kooperation mit der Kommunalen Abfallwirtschaft als Betreiber der Anlage versuchen, dem Laubfrosch noch mehr Lebensraum bereitzustellen.
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Der Naturschutzbeirat des Landkreises hat sich bei seiner Sitzung am Dienstag im Bürgersaal des Mönchberger Rathauses mit Themen wie etwa den Auswirkungen des Neubaus der Staustufe Obernau, der laufenden Biotopkartierung und der Errichtung einer Solaranlage bei Eichenbühl befasst.

Länger diskutiert wurde über den geplanten Neubau der Staustufe Obernau. Dieser hat Auswirkungen auf die Natur, da großflächig in die Natur eingegriffen wird und dafür entsprechende Ausgleichsmaßnahmen umgesetzt werden müssen. Dies betrifft auch den Landkreis Miltenberg, da eine Teilfläche des geschützten Landschaftsbestandteils Mainauenwald aus dem Schutzgebiet herausgenommen werden muss. Konkret geht es um eine Fläche von 4.200 Quadratmetern. Ausgeglichen werden soll diese Herausnahme mit der Anlage eines neuen, großen Auwalds auf der Großwallstädter Seite des Mains, wo artenarmes Extensivgrünland für die Gründung eines Auwaldes abgegraben werden soll. Langfristiges Ziel sollte es laut dem Naturschutzbeirat sein, dieses Gebiet später erneut unter Schutz zu stellen. Da das Gremium das Ausgleichskonzept als überzeugend sah, fiel der Beschluss zur Herausnahme der Teilfläche aus dem Schutzgebiet einstimmig.

Auch der geplante Bau einer Solaranlage auf einer Fläche von rund zehn Hektar auf der Ebenheider Höhe bei Eichenbühl wurde intensiv besprochen. Hier will ein Unternehmen in Kooperation mit der Gemeinde Eichenbühl eine Anlage erstellen, die rechnerisch bis zu 3000 Haushalte mit Energie aus erneuerbaren Energien versorgen kann.

Dafür ist es notwendig, diese Fläche aus dem Landschaftsschutzgebiet herauszunehmen. Damit keine Insel entsteht, sollen auch angrenzende Flächen bis zur Landesgrenze nach Baden-Württemberg sowie der Ebenheider Hof aus dem Schutzgebiet herausgenommen werden – insgesamt 17 Hektar. Bei der in Frage kommenden Fläche handelt es sich um intensiv genutztes Acker- und Dauergrünland, das als Puffer für das Schutzgebiet dient. Im Rahmen des Anlagenbaus soll die Fläche auch ökologisch aufgewertet werden. Zwar handelt es sich nur um 0,057 Prozent der Fläche der Landschaftsschutzgebiete im Landkreis, dennoch bedauerten mehrere Naturschutzbeiräte den Verlust wertvoller Ackerfläche. Allerdings sei zu bedenken, dass die Fläche für erneuerbare Energien genutzt werden wird, wurde geäußert. Im Änderungsverfahren werden nun noch die Träger öffentlicher Belange sowie die Naturschutzverbände gehört, die Bürgerinnen und Bürger können bis 31. Juli Anregungen und Bedenken vorbringen. Die Entscheidung, ob die Flächen aus dem Schutzgebiet herausgenommen werden, hat der Kreistag am 19. Oktober 2020 zu treffen.

Ulrich Müller, Naturschutzfachkraft am Landratsamt, informierte das Gremium über die Biotopkartierung im Landkreis Miltenberg. Diese sei notwendig, so Müller, denn die Daten seien nach 35 Jahren veraltet. Neue Daten seien eine wichtige Arbeits- und Entscheidungsgrundlage für Behörden, Gemeinden und Verbände. Die Kartierung, mit der wertvolle Lebensräume im Landkreis erfasst werden, läuft noch bis Oktober 2022. Sie liefert eine Bestandsaufnahme der wertvollen Flächen und Pflanzenarten, die hier leben. Im Sommer 2023 erwartet Müller die Fertigstellung der Kartierung mit Information der Öffentlichkeit und Veröffentlichung im Internet. Alle Grundeigentümer, auf deren Flächen neue Biotope festgestellt wurden, würden darüber informiert. Bei der letzten Bestandsaufnahme habe es im Landkreis 1086 Biotope auf einer Fläche von 2.815 Hektar gegeben, sagte Müller, was einem Flächenanteil von 3,9 Prozent entspricht.

Als „Erfolgsprojekt“ bezeichnete die Leiterin des Sachgebiets Naturschutz, Jagd- und Fischereiwesen am Landratsamt, Regina Groll, das Ersatzgeldprojekt „Geschützter Landschaftsbestandteil Fechenbachtal“. Mit Bildern zeigte Kerstin Maier (Landschaftspflegeverband), wie seit Dezember 2019 daran gearbeitet wird, das Tal offen zu halten. Standortfremde Bäume wie Fichten und Gehölze seien gerodet und großflächige Brombeerhecken entfernt worden, blickte sie zurück. Die freigestellten Flächen habe man gepflegt, zeigte sie und kündigte an, dass es im Herbst mit den Arbeiten weitergehen werde. Ziel sei es, die Flächen künftig mit Rinderbeweidung offen zu halten. Mittlerweile habe man auf rund 88 Prozent der Flächen Zugriff, sagte sie – entweder durch Kauf oder Pacht.

Anschließend besuchten die Naturschutzbeiräte die ehemalige Klärschlammdeponie Rück-Schippach, die seit vielen Jahren verfüllt ist und auf deren Gelände mehrere kleine Biotope angelegt wurden. Laut Steffen Scharrer (Bund Naturschutz) sei hier das einzige Vorkommen von Laubfröschen im Landkreis Miltenberg zu verzeichnen. Der Naturschutzbeirat will versuchen, gemeinsam mit der Kommunalen Abfallwirtschaft des Landkreises als Anlagenbetreiber und dem Landschaftspflegeverband dem Laubfrosch und anderen Amphibien mit verschiedenen Maßnahmen hier noch mehr Lebensraum zur Verfügung zu stellen.

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