Weinbau
Das wird wieder ein hervorragender Jahrgang! Weinlese läuft auf Hochtouren

Im Weinberg der Familie Knapp aus Miltenberg.
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„Wir erwarten einen aromatischen Jahrgang 2020 – allerdings wird die Erntemenge deutlich geringer ausfallen als in den letzten Jahren“, konstatierte Weinbaupräsident Artur Steinmann bei der offiziellen Eröffnung der Weinlese in Franken. Das größte bayerische Weinanbaugebiet Franken mit seinen rund 200 Wein- und Winzerdörfern habe ein wechselhaftes Jahr hinter sich. Spätfröste während der Eisheiligen hätten zahlreiche Schäden für die über 3.500 Winzerinnen und Winzer verursacht. Wir haben bei Winzern im Landkreis Miltenberg nachgefragt, welche Erwartungen sie für den Jahrgang 2020 haben, wie sich Frost und Dürre auswirken und ob Corona die Weinlese erschwert.

Weingut Knapp Miltenberg

Im Miltenberger Wengert der Familie Knapp wurden letzte Woche bei schönem Wetter und bester Stimmung die Spätburgunder-Trauben gelesen. Johannes-Hermann Knapp:

„Welcher Monat ist der schlechteste für den Winzer? Der Februar!!! Er hat nur 28 Tage zum Jammern! Dieses Jahr hatten wir sogar 29 Tage. Aber im Ernst. Die Winzer in Churfranken hatten Glück an den Eisheiligen. Während in Franken etwa 30 % der Rebflächen vom Frost stark geschädigt wurden, blieben die Weinberge bei uns im Maintal verschont. Infolge der Trockenheit wird die Menge wohl leicht unter dem langjährigen Mittel liegen. Die vielen Sonnenstunden lassen aber eine hervorragende Qualität erwarten.
Ältere Weinberge mit tiefem Wurzelwerk konnten die Trockenheit gut aushalten. Lediglich junge Reben und sandige flachgründige Böden zeigten Wassermangelsymtome.„Wir erwarten einen Jahrgang der den Klimawandel ,schmeckbar‘ macht. Reife gesunde, goldgelbe Weißweintrauben und dunkel gefärbte rote Trauben bringen hohe Oechslewerte bei milden Säuregehalten.
Im Weingut Knapp ist die Ernte etwa zur Hälfte eingebracht. Die Weißweinsorten wie zum Beispiel der Bacchus, aber auch die Trauben für Roséweine wurden früher geerntet, um frische fruchtbetonte Sommerweine zu erhalten, die mit moderatem Alkoholgehalt unbeschwerte Leichtigkeit vermitteln.
Auch alle Rotweinsorten, allen voran der Spätburgunder, gären bereits auf der Maische. Die Roten wurden relativ früh geerntet, um die Fruchtigkeit und Finesse unserer Burgunder zu erhalten, aber auch um einer Vermehrung der schädigenden Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) zuvorzukommen.
Was den Lesetermin der spätreifenden Weißweinsorten wie Riesling, Silvaner, Weißburgunder und auch der Aromensorten Scheurebe und Gewürztraminer angeht, so bin ich ein Vertreter der ,Old School‘. Will heißen: spätere Lese – bessere Qualität! Bei mittlerweile drei Weinbauingenieuren im Weingut wird da allerdings öfter diskutiert. In den nächsten zwei Wochen werden wohl die meisten Weinberge abgeerntet sein. Wir sind zuversichtlich durch Handlese, Vorlese und genaue Selektion zum einen sortentypische Weine für jeden Tag, aber auch den ein oder anderen edlen Festtagswein einbringen zu können.
Corona! Natürlich auch für die Winzer ein großes Problem. Bei der Sommerhäcke im Hof und nicht zuletzt jetzt bei der Traubenernte ist auf die Hygieneregeln und auf Abstand zu achten. Durch verstärkte Marketingaktivitäten versuchen wir, den Absatzeinbruch bei diversen Festlichkeiten auszugleichen. Unsere langjährigen Stammkunden, die uns die Treue halten, der Stand samstags auf dem Miltenberger Wochenmarkt und nicht zuletzt ein neuer Internetauftritt mit ,Wineshop‘ haben den Verkauf angekurbelt. Auch die Planung für unsere neue Vinothek sollte bald genehmigt sein und wir hoffen den neuen Jahrgang auch schon dort vermarkten zu können. Der Optimismus ist groß die Ernte erfolgreich einzulagern, um dann im nächsten Jahr ohne Coronahandycap beste Tröpfchen zu genießen.“

Weinbau Spall in Wörth

Sabine Spall erreichten wir glücklicherweise, denn natürlich ist auch bei Weinbau Spall die Weinlese in vollem Gange. Wie beurteilt man dort den Jahrgang 2020?

„Die weißen Trauben Bacchus und Müller-Thurgau werden jetzt gelesen. Die roten Sorten wie Portugieser und Spätburgunder sowie Zweigelt haben wir wegen der androhenden Kirschessigfliege als erste gelesen.“

Haben Frost und Trockenheit Auswirkungen auf Ihren Ertrag in diesem Jahr?

„Ja, durch den Frost im Mai war die Portugieser-Traube zu 60 Prozent beschädigt. Und durch die hohen Temperaturen während der Sommermonate haben auch unsere Trauben einiges durchgemacht. Vom Sonnenbrand bis zum Verdursten war alles dabei. Da wir erst spät, nämlich Mitte August, entblättert haben, war der Sonnenbrand nicht so stark ausgeprägt! Dazu kommen auch noch die Wespen, sie haben wie jedes Jahr ihr Eigenes dazugetan. Meiner Meinung nach ist der Klimawandel deutlich spürbar. Noch vor zirka 10 Jahren haben wir erst Ende September mit der Lese begonnen.“

Und wie sehr sind Sie in diesem Jahr durch Corona bei der Lese beeinträchtigt?

„Da wir nur mit Familienangehörigen lesen, konnten die Bestimmungen einfacher eingehalten werden.“ 

Kilian Giegerich, Winzer aus Großwallstadt

„Wir sind in diesem Jahr sehr zufrieden mit der Qualität der Trauben. Trotz des trockenen Sommers passen die Erträge. Man muss da natürlich schon im Vorfeld an den richtigen Stellschrauben drehen und darf nicht zu spät ernten, damit alles passt. Jetzt ist auch die Erwartung auf die Weine groß. Bei den Lesehelfern hatten wir in diesem Jahr ebenfalls wieder ein tolles Team.
Mit dem Rotwein, haben mein Bruder Philipp und ich gerade ein neues Projekt am Start. Da die Klimaveränderung sich auch in unserer Region bemerkbar macht, experimentieren wir beim Spätburgunder mit Rebsorten aus Frankreich. Dazu haben wir einen Steillage in Klingenberg neu angelegt. Die Umstellung erfolgt qualitätsbedingt und aufgrund des Wassermangels. In Deutschland sind die Reben mehr auf Menge und Ertrag ausgelegt. Die Franzosen legen hingegen mehr Wert auf Qualität. Wir lassen uns also mal überraschen. Natürlich hat auch uns der Lockdown zugesetzt. Vor allem im Gastroberreich. Unser Vorteil ist, dass wir vermarktungstechnisch doch sehr breit aufgestellt sind.
Wen das Thema Weinlese näher interssiert: Reisejornalist Michael Murza hat uns und einige andere Winzer in diesem Jahr bei unserer Arbeit begleitet und eine interessante Dokumentation darüber und über den Rotweinwanderweg gemacht. Diese ist in einer Multivisionsshow im Bürgerzentrum Elsenfeld am 24. Oktober zu sehen.“

Autor:

Sabine Rindsfüsser aus Miltenberg

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