Bildergalerie und Essay.
Leute, wie die Zeit vergeht! Nun ist auch die Eichenbühler Rummelse-Kerb schon wieder rum (passé) !
- Endspurt bei der Eichenbühler Rumpele-Kerb.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Kurzweiliger Ausklang der Rummelse - Kerb in Eichenbühl mit Musik, Geselligkeit und Unterhaltung für groß und klein, alt und jung aus nah und fern.
Rummel, Runkelrüben, Rummelsekerb.
Eichenbühl zeigte sich am Wochenende vom 18. bis 20. Juli 2026 von jener Seite, die man nur kennt, wenn man die Erftal‑Gemeinde nicht nur besucht, sondern erlebt. Zwischen den sanften Odenwaldhügeln, dort, wo Wege sich seit Jahrhunderten kreuzen und die Landschaft eine stille Gelassenheit ausstrahlt, breitete sich die Rummelsekerb aus wie ein freundlicher Pulsschlag.
Das historische Gefüge des Ortes – Rathaus, Kirche, Dorfplatz, der sanierte Brunnen mit Dorfcafé und die Valentinus‑Kapelle – bildete eine natürliche Festkulisse, die sich nicht aufdrängte, sondern das Geschehen trug. Der Name Rummelse gehört zum Ort wie der Duft der Streuobstwiesen: ein Wort, das nicht nur Stimmung beschreibt, sondern sie hervorruft – ein Herumsausen, ein Herumlachen, ein Zustand, in dem das Dorf sich selbst feiert und dabei ein wenig aus der Ordnung tanzt.
Samstag – Auftakt im Abendlicht
Am Samstagabend eröffneten die Eichenbühler Musikanten das Fest. Ihre Klänge verfingen sich zwischen den Häusern, zogen über den Platz und ließen die Besucher sofort in jenen Zustand gleiten, den Blasmusik so zuverlässig erzeugt: eine Mischung aus Gemeinschaft, Gelassenheit und dem Gefühl, dass der Sommer gerade erst beginnt. Die Bühne war überschaubar, doch der Klang groß genug, um den Ort zu füllen.
Die Bewirtung war klassisch und herzlich: regionale Spezialitäten, kühle Getränke, ein Angebot, das nicht protzte, sondern genau das lieferte, was ein Sommerabend braucht. Das Motto des Abends: „Großes Jahrgangstreffen – Feiern mit Freunden.“
Sonntagfrühschoppen – Bavaria Neunkirchen im Vormittagsglanz
Der Sonntag begann mit einem musikalischen Frühschoppen, der die Kerb in einen angenehm beschwingten Vormittag überführte. Der Musikverein Bavaria Neunkirchen spielte auf – mit jenem warmen, offenen Klang, der den Übergang vom Frühstück zum Fest nahtlos gestaltet.
Die Bavaria‑Musikanten boten eine Mischung aus Tradition, Leichtigkeit und jener unaufgeregten Präzision, die Blasmusik so beliebt macht. Sie waren der musikalische Auftakt des Tages, ein Ensemble, das den Platz füllte, ohne ihn zu übertönen, und das Publikum in einen Rhythmus versetzte, der bis zum Abend anhielt.
Sonntagnachmittag – Richelbach im Nachmittagsschwung
Am Nachmittag übernahmen die Richelbacher Musikanten. Nicht laut, nicht übertrieben, sondern mit jener charmanten Bodenständigkeit, die Blasmusik so unwiderstehlich macht.
Sie spielten, wie man es sich wünscht: ein wenig beschwingt, ein wenig gemütlich, ein wenig so, als würden sie sagen: „Setzt euch, trinkt was, wir kümmern uns um den Rest.“ Die Richelbacher waren der musikalische Ruhepuls des Sonntags – ein Ensemble, das nicht prahlt, sondern trägt.
Dazwischen das Markttreiben: Stände, Kleinigkeiten, Gespräche, die sich spontan ergaben und manchmal länger dauerten als geplant. Ein Mädchenflohmarkt, Shopping für Mädels, und später Unterhaltung mit dem Musikverein Richelbach. Ab 21 Uhr lief das WM‑Endspiel auf großer Leinwand – ein Dorfmoment zwischen Festzelt und Fußballfieber.
Montag – Finale mit Eichenkranz‑Klangkraft
Der Montag war der Tag des Ausklangs – und zugleich der musikalische Höhepunkt. Kinder und Senioren waren am Nachmittag besonders eingeladen, Kesselfleisch duftete ab 16.30 Uhr, und die Oldtimer aus Kleinwallstadt eröffneten den musikalischen Reigen.
Doch das eigentliche Finale gehörte der Eichenbühler Eichenkranz‑Musikerkapelle. Rund zwei Dutzend Akteurinnen und Akteure standen auf der Bühne – alle aus Eichenbühl stammend, dort wohnend oder dem Ort eng verbunden.
Es war kein Auftritt, sondern ein Heimspiel. Die Trompeten glänzten, die Klarinetten erzählten, die Tuben brummten wie zufriedene Odenwaldhügel. Die Kapelle zeigte, wie ein Dorf klingt, wenn es sich selbst ernst nimmt – und gleichzeitig nicht zu ernst. Ein musikalisches Selbstporträt, das den Festplatz noch einmal zum Leuchten brachte.
Fazit – ein humorvoller feuilletonistischer Essay
Die Rummelsekerb 2026 war ein Wochenende, an dem Eichenbühl nicht nur feierte, sondern sich selbst spiegelte. Der Musikverein Bavaria Neunkirchen gab dem Sonntagvormittag seinen beschwingten Auftakt, die Richelbacher Musikanten dem Nachmittag seinen ruhigen Schwung, und die Eichenkranz‑Kapelle dem Montag sein musikalisches Hochgefühl.
Blasmusik wirkte als kirchlich‑volkskundlicher Herzschlag, als sozialer Kitt und als freundlicher Hinweis darauf, dass Gemeinschaft nicht kompliziert sein muss. Sie ist die einzige Musikrichtung, die gleichzeitig Heimat, Humor und Hydration ermöglicht – man kann dazu tanzen, reden, essen, trinken, und alles gleichzeitig.
Ein Ort im leichten Festschwung – und ein Dorf, das im Juli besonders gut klingt.
Rummel, Rübe, Runkelrhythmus – die kleine, sperrig‑satirische Kulturgeschichte der Rummelsekerb
Die Rummelsekerb ist eines dieser Feste, die man nicht erklären kann, ohne sich kurz zu fragen, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Denn während andere Orte ihre Kirchweihen nach Heiligen, historischen Ereignissen oder wenigstens nach einem halbwegs repräsentativen Naturphänomen benennen, hat Eichenbühl beschlossen, sich einer Knolle anzuvertrauen. Und nicht irgendeiner Knolle – nein, der Tunketübe, der Futterrübe, der Runkelrübe, also jenem landwirtschaftlichen Urgestein, das früher im Stall mehr Bedeutung hatte als mancher Dorfbewohner.
Die Rummelse – dieses herrlich sperrige Wort – stammt aus einer Zeit, in der die Rübe nicht nur Viehfutter war, sondern eine Art dörflicher Charaktertest: Wer sie erntete, wusste, was Arbeit ist. Wer sie aß, wusste, was Demut ist. Und wer sie benannte, wusste, dass Humor die einzige Überlebensstrategie im bäuerlichen Alltag war.
Die Tunketübe war dabei die Königin unter den Rüben. Sie wurde nicht einfach gegessen, sondern in warmen Brei getunkt, in Mieten gelagert, in Geschichten verewigt. Sie war das Gemüse, das nie glamourös sein wollte – und gerade deshalb zum heimlichen Star wurde. Die Futterrübe war die stille Heldin der Winterfütterung, die robuste Begleiterin der Kühe, die unerschütterliche Grundlage des dörflichen Gleichgewichts.
Dass Eichenbühl seine Kerb nach dieser Knolle benannt hat, ist ein Akt von bodenständiger Selbstironie, der so volkskundlich wertvoll ist, dass man ihn eigentlich unter Denkmalschutz stellen müsste. Die Rummelsekerb ist damit nicht nur ein Fest, sondern eine agrarische Erinnerungskapsel, ein humorvolles Heimatarchiv, ein satirischer Seitenhieb auf alle Orte, die ihre Feste mit viel Glanz und wenig Geschichte schmücken.
Denn hier gilt:
Die Rübe ist nicht Symbol – sie ist Programm.
Die Rummelse ist nicht Motto – sie ist Haltung.
Die Kerb ist nicht Event – sie ist Erftaler Existenzform.
Und so feiert Eichenbühl jedes Jahr nicht nur Musik, Begegnung und Bewirtung, sondern auch die stille Größe einer Knolle, die sich nie wichtig gemacht hat und gerade deshalb unvergessen bleibt.
Ein Fest, das zeigt:
Manchmal braucht es keine Legende, keinen Heiligen, keinen historischen Wendepunkt.
Manchmal reicht eine Rübe.
Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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