Bildergalerie und Essay.
Tipp: Der Sommerhitze trotzen und einen erfrischenden Morgenspaziergang machen!

Ein seltener, sprudelnder Brunnen.
113Bilder

Impressionen am frühen Augustmorgen.
Sommerpfad, Sonnenflut, Schrittspur.

Reportage über eine frühe Morgenwanderung im Erftal und auf der Odenwaldhöhe zwischen Miltenberg und Walldürn.

Der Morgen im Erftal beginnt leise. Zwischen Eichenbühl und Pfohlbach liegt ein dünner Schleier über den Wiesen, der Bach murmelt noch im Halbschlummer, und der Rad- und Gehweg, dieses Geschenk für Wanderer, Radler und Naturfreunde, zieht sich wie eine helle Spur durch das Tal. Wer früh unterwegs ist, erlebt eine Landschaft, die sich erst langsam an den Tag herantastet.

Im Bach gleiten zwei scheue Enten davon, als hätten sie einen streng geheimen Auftrag. Eine Nilgansfamilie mit sieben Vögeln marschiert am Ufer entlang, die Altvögel mit der Haltung übermotivierter Eltern, die den Nachwuchs vor jeder Unachtsamkeit bewahren wollen.

Auf der Wiese steht ein Fischreiher, reglos wie ein Denkmal. Am Hang ein zweiter, ebenfalls unbeweglich. Offenbar ist „Stehen und Warten“ die bevorzugte Morgenroutine dieser Art. Zwischen den Uferbüschen blüht das indische Springkraut, das sich im Erftal längst so wohlfühlt, als sei es hier geboren.

Ein Brunnen mit sprudelndem Quellwasser überrascht den Wanderer. Das Wasser schießt so lebhaft aus der Erde, dass man kurz überlegt, ob es sich um eine Art natürlicher Muntermacher handelt. Ein seltener Anblick, der daran erinnert, dass die Tageshitze schon im Anmarsch ist. Radfahrer tauchen auf: erst ein Einzelner, dann ein Duo, das sich gegenseitig motiviert. Der Weg gehört allen, und jeder nutzt ihn auf seine Weise.

Auf einer Wiese stehen Schafe, halb im hohen Gras verborgen, als spielten sie ein morgendliches Versteckspiel. Am Hang suchen Kühe den Schatten unter den Bäumen. Sie wirken wie Urlauber, die sich über die besten Plätze am Pool nicht einigen können.

Ein Läufer kommt entgegen, den Hund an der Leine. Beide sind bereits im Trainingstempo, als hätten sie sich vorgenommen, den Morgen sportlich zu überholen.

Dann öffnet sich der Blick in den Wiesengrund. Dort tauchen zwei junge Reiterinnen auf, nicht auf dem Asphalt, sondern bachaufwärts im feuchten Gras. Ihre Pferde genießen den federnden Untergrund, schnauben zufrieden, und die beiden Damen schmunzeln, als hätten sie den angenehmsten Weg des ganzen Tals für sich entdeckt. Nach wenigen Minuten sind sie nicht über alle Berge, sondern schlicht an ihrem Ziel: einem Mühlenanwesen, das wie ein kleiner Ruhepunkt im Tal liegt.

Doch selbst hier mischt sich der Werktagsverkehr ein. Das Brummen der Motoren an der Getreidemühle drängt sich in die Geräuschkulisse, als wolle es beweisen, dass der Alltag auch im Erftal ein Mitspracherecht hat. Für einen Moment überlagert der Maschinenklang das Vogelgezwitscher, das Rascheln der Blätter, das leise Plätschern des Wassers.

Dann biegt der Weg ab, und das Tal verändert sich. Bald bin ich untergetaucht im Kaltenbachtal, wo die Natur wieder das Sagen hat. Der kleine Bach begleitet den Weg mit einem gleichmäßigen Murmeln, Vogelgezwitscher ergießt sich über die Hänge, zirpende Grillen geben den Rhythmus des Sommers vor. Hier wird der Morgen zur Wohltat. Der Bach wirkt wie ein kleiner Therapeut, der keine Fragen stellt. Das Vogelkonzert ist ein Balsam für die Seele, und die Grillen scheinen zu wissen, dass ihr Klang den Wanderer entschleunigt.

Der Weg steigt weiter an, und schließlich öffnet sich die Odenwaldhöhe zwischen Miltenberg und Walldürn. Die Landschaft wirkt hier weiter, heller, fast feierlich. Ein Bauerngarten blüht in kräftigen Farben, kleine Falter taumeln über die Beete, Bienen und Hummeln arbeiten sich durch die Blüten, als hätten sie eine Deadline. In wenigen Tagen ist Mariä Himmelfahrt – die Zeit der Wurzberde, der Kräuterbüschel. Schon jetzt liegt ein Duft von Sommerende in der Luft, ein Hauch von Tradition, der sich unaufdringlich bemerkbar macht.

So endet die vierstündige Wanderung: mit dem Gefühl, dass das Erftal und die Odenwaldhöhe am frühen Morgen eine eigene Art Humor besitzen. Tiere, Menschen, Pflanzen – alle wirken, als hätten sie kleine Rollen in einem Stück übernommen, das jeden Tag neu aufgeführt wird. Der Weg zeigt sich nicht laut, nicht spektakulär, aber voller Geschichten, die man nur entdeckt, wenn man früh genug aufbricht.

Autor:

Roland Schönmüller aus Miltenberg

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