Bildergalerie und Essay
Was fällt Ihnen zum 11. 11. ein?

Schlachtreife Martinsgänse? Von wegen! Sie gehören zum Museums-Inventar in Gottersdorf  zwischen Miltenberg und Walldürn im Odenwälder Freilandmuseum.
100Bilder
  • Schlachtreife Martinsgänse? Von wegen! Sie gehören zum Museums-Inventar in Gottersdorf zwischen Miltenberg und Walldürn im Odenwälder Freilandmuseum.
  • hochgeladen von Roland Schönmüller

Was wären die Gänse ohne ihren Schutzpatron?
Kindheitserinnerungen an den Martini-Tag.

Bekanntlich gilt der 11.11. als Faschingsbeginn und Start in die närrische Zeit, die nach zwei Corona-Pandemiejahren wohl wieder beginnen dürfte.

Geblieben ist aber auf jeden Fall der Namenstag des heiligen Martin am 11. November, wobei auch hier das traditionelle Brauchtum - so die abendlichen Laternenumzüge von Kindern und deren Eltern und Erzieherinnen - wieder stattfinden werden.

Aktueller denn je: Menschen in Not helfen

Die Geschichte vom hilfsbereiten, römischen Offizier, der mit einem Bettler seinen Mantel teilt, kennt jeder:
die liebevolle Legende steht ohne Frage als Ausdruck der christlichen Nächstenliebe und ist auch heute Ansporn und Motivation zu einer positiven Einstellung und zum Engagement gegenüber Menschen in Not.

Bettler, römischer Offizier, Mantel-Teilung, Pferd, Lichter, Laternen und Fackeln in der Finsternis, leuchtende Kinderaugen, fröhliche St. Martins-Lieder - das sind beliebte Assoziationen zum Tag des beliebten November-Heiligen.

Kapellen und Kirchen zu Ehren des heiligen Martin gibt es reichlich in Franken: sie verweisen auf ein frühes Patronat im beginnenden Mittelalter und auf erste Ortsgründungen auch bei uns in der Region.

Der Heilige und die Gans.

Eine weitere Legende erzählt von laut schnatternden Gänsen, die das Versteck des heiligen Martin verraten und aus dem frommen Einsiedler einen „Mann Gottes“ mit späterer Bischofswürde gemacht haben sollen.

Martinsgänse, leibhaftige Geschöpfe und knuspriges Gebäck, gibt es an seinem Ehrentag - als Braten oder Brötchen-Spezialität zu Erinnerung an den Namenstag des Heiligen am 11.11, aber auch, weil sie jetzt am besten schmecken - meinen die Gourmets und Gaumenfreunde.

Gänse prägten früher das Dorfbild.

Richtige Gänse sind aber bei uns heute nur noch selten zu entdecken: ganz im Gegensatz zu früher, wo sie beliebte Haustiere waren und unüberhörbar Stall, Gehege, Grasgarten oder Dorfweiher beherrschten.

„Gänse wurden noch in den 1960er Jahren in allen Bauern-Anwesen gehalten“, erzählt eine ältere Bäuerin aus der Region. Mehr als die Hühner bildeten sie eine Gemeinschaft, die unter Führung des Gänserichs („Ganser“) eng zusammenblieb.

Auf zum Futterplatz!

Im Hof hatten sie einen eigenen Stall, den „Genns-Stoul“, wo sie nachts über eingesperrt waren. Morgens riegelte die Bäuerin oder die Magd die Stalltüre auf, und die Gänsetruppe (manchmal 15 bis zu 20 Stück) strebte schnatternd und flügelschlagend in den Hof und zum Futterplatz.

„Gänse galten als Allesfresser. Sie bekamen gekochte Kartoffeln, Rüben, Gras und Klee, Rübenblätter und Getreidekörner“, berichtet ein ehemaliger Landwirt.

Achtung Gänserich! Armer Postbote!

Der Gänserich verteidigte seine Mannschaft gegen Eindringlinge und Angreifer, aber auch häufig gegen gegen harmlose Fußgänger oder Radfahrer.

Mit vorgerecktem Hals, heftig schnatternd und flügelschlagend, manchmal auch auffliegend, stürzte er sich auf vermeintliche Feinde.

Immer wieder gab es in einzelnen Bauernhöfen besonderes aggressive Gänseriche. Sie wurden von Postboten und sonstigen Besuchern oft mehr gefürchtet als Hunde. Der Biss eines Gansers konnte ganz schön weh tun.

Tagsüber hielt sich die Gänseschar im Hof auf. Grenzte ein Grasgarten oder eine Streuobstwiese an das Hofgrundstück, so hatten sie hier ihren Auslauf.

Ein- oder zweimal marschierten sie auch zu einem der zwei oder drei Dorfweiher. Hier schwammen und plusterten sie nach Herzenslust.

Das Wasser war manchmal auch verschmutzt und der Grund versumpft. Doch das machte den Gänsen nichts aus, hier wurde geduldig nach schmackhaften Wasserpflanzen gesucht.

Idyllisches Bild: die Gänsemutter und ihre „Wiewele“ unterwegs.

Die Eier-Erzeugung war kein Hauptziel der Gänsehaltung . Die Gänse legten viel weniger Eier als die Hühner. Die doppelt bis dreimal so großen Gänseeier wurden zur Nachzucht gebraucht. Hie und da schlug manche Bäuerin ein überzähliges Gänseei in den Nudelteig. Zehn, zwölf Eier wurden der brütenden Gans unterlegt und in rund 28 Tagen ausgebrütet.

Es war ein idyllisches Bild, wenn die Gänsemutter voraus und die kleinen „Wiewele“ - wie in Marschrichtung hinterher - durch den Bauernhof zogen.

Gänsefleisch und Gänsefedern.

Der Hauptnutzen der Gänsehaltung bestand in der Fleisch-Erzeugung und in der Federn-Gewinnung.
Bis zum Herbst, rund um den 11. November, den Martinstag oder eben an Martini, waren die Gänse ausgewachsen. Nun wurden sie zum Eigengebrauch geschlachtet, aber auch an einen Landprodukte-Händler verkauft.

Brustflaum und Bauchfedern.

Ein anstrengendes und lärmerzeugendes Geschäft war das „Gänsrupfa“ (Gänserupfen“) - eine ausgesprochene Frauenarbeit.

Die Gänse wurden eingefangen, auf den Schoß genommen, zwischen die Oberschenkel eingeklemmt und mit kräftiger Hand ihrer Bauchfedern beraubt.
Die erfahrenen Frauen trennten den zarten Brustflaum /Daunen) von den stärkeren und härteren Bauchfedern.

„Alle Jahre kam der Federreiniger. Er hatte seine Reinigungsapparatur in seinem Wagen, mit dem er von Pferden oder vom Traktor gezogen, von Dorf zu Dorf fuhr“- weiß eine andere Bäuerin zu berichten.

Ehrensache: Mit dem eigenen Bett in den Ehestand.

Waren die Federn gereinigt, konnten sie in „Inletts“ gefüllt und für manche Aussteuer der Tochter gelagert werden. Es war Ehrensache für die Bäuerin, dass jedes Kind, das das Haus verließ, sein eigenes Bett mitnehmen konnte.

Ungehorsame Gänse und Enten.

Enten wurden nur von wenigen Bauern gehalten.

Haltung, Fütterung und Nutzen sind mit der Gänsehaltung vergleichbar. Lediglich mehr Wasser zum Tauchen und Gründeln war erwünscht. Deswegen hielten sich die Enten meist den ganzen Tag über auf der Dorfweihern auf.

Manchmal wollten am späten Nachmittag manche Gänse- oder Entenschar den einen oder anderen Weiher nicht verlassen.Wenn Rufen oder Futter am Ufer ohne Erfolg blieben, mussten vom Besitzer und weiteren Helfern zusammengebundene Seile und Stricke zu Hilfe genommen werden, um das Federvieh ans Ufer zu holen.

Heute gibt es nur noch wenige Gänse bei uns und in anderen ländlichen Regionen.Verschwunden sind auch manche Dorfweiher, das beliebte Tages-Domizil von Gänsen und Enten. Das Geschnatter und Gequake ist Geschichte.

Text und Fotos Roland Schönmüller

Autor:

Roland Schönmüller aus Miltenberg

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Essen & TrinkenAnzeige
Von links: Robin Winter, Anan Kamkerd, Matthias Winter und 
Sunantha Weis und das hauseigene TukTuk zur Gästebeförderung..
5 Bilder

Spezialist der Region
Wie eine Reise nach Thailand: Authentische Kochkunst im Phi Mai Thai in Klingenberg

Vor rund zehn Jahren begann Sunantha Weis mit einem kleinen thailändischen Imbisswagen neben dem Getränkehandel von Matthias Winter in Klingenberg Röllfeld. Heute führen beide das Restaurant Phi Mai Thai, mit im Boot sind Winters Sohn Robin im Service und Koch Anan Kamkerd. Vom früheren Getränkehandel ist im stilvoll eingerichteten und klimatisierten Gastraum kaum noch etwas zu erkennen. Über zehn Jahre wurde alles in Eigenleistung umgebaut und modernisiert, zuletzt auch die sanitären Anlagen....

Bauen & WohnenAnzeige
0:40

Sondermaschinenbau bei WIRL Elektrotechnik in Kleinheubach

Individuelle Sondermaschinen von WIRL Elektrotechnik. Von der Planung bis zur Automatisierung erhältst du eine Lösung für deinen Prozess. Sondermaschinenbau bei WIRL Elektrotechnik Kein Fertigungsprozess gleicht exakt dem anderen. Bauteile unterscheiden sich, Abläufe haben eigene Taktzeiten und selbst kleine räumliche Einschränkungen können darüber entscheiden, ob eine Maschine sinnvoll eingesetzt werden kann. Standardanlagen stoßen deshalb schnell an ihre Grenzen. Beim Sondermaschinenbau bei...

Auto & Co.Anzeige
0:43

Carbon Cleaning
So läuft die professionelle Motorreinigung bei uns ab

Carbon Cleaning: So läuft die professionelle Motorreinigung ab Viele Autofahrer haben schon vom Carbon Cleaning gehört, wissen aber nicht genau, wie die Reinigung eigentlich funktioniert. Dabei ist das Verfahren überraschend unkompliziert und gleichzeitig äußerst effektiv. Das Ziel ist es, Kohlenstoff Ablagerungen im Motor zu lösen und die Leistungsfähigkeit des Fahrzeugs langfristig zu erhalten. Für die Reinigung wird ein spezielles Carbon Cleaning Gerät an das Fahrzeug angeschlossen. Über...

Auto & Co.Anzeige
0:17

Hyundai IONIQ 5 schnell laden in Obernburg

Hyundai IONIQ 5 schnell laden: Der Praxistest beim Autohaus Bieger in ElsenfeldWie lange muss ein Elektroauto tatsächlich an der Ladesäule stehen? Diese Frage lässt sich am besten dort beantworten, wo Strom fließt. Deshalb zeigen wir Dir beim Autohaus Bieger in Elsenfeld live, wie einfach das Schnellladen mit dem Hyundai IONIQ 5 funktioniert. Im praktischen Ladevorgang steigt der Batteriestand innerhalb von rund 15 Minuten von 20 auf 80 Prozent. Das reicht häufig für Deinen Arbeitsweg, mehrere...

Bauen & WohnenAnzeige
0:30

Waschtrockner kaufen bei Lokal GbR in Wörth am Main

Wenig Platz für Waschmaschine und Trockner? Ein Waschtrockner spart Stellfläche. Lokal GbR berät Dich in Wörth am Main. Waschtrockner: Die praktische Lösung, wenn Waschmaschine und Trockner nicht beide Platz finden Der Zollstock liegt auf dem Boden, die Nische im Bad ist ausgemessen und die Erkenntnis kommt schnell: Für Waschmaschine und Wäschetrockner reicht der Platz einfach nicht. Genau dann lohnt sich ein Blick auf einen Waschtrockner. Er wäscht und trocknet in einem Gerät und nimmt dabei...

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.