Bildergalerie und Essay
Zu Weihnachten stehen die Gänse hoch im Kurs

Ihre Tage dürften jetzt gezählt sein: Gänse - wichtige Haustiere und als Braten eine Bereicherung der weihnachtlichen Festtafel.
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  • Ihre Tage dürften jetzt gezählt sein: Gänse - wichtige Haustiere und als Braten eine Bereicherung der weihnachtlichen Festtafel.
  • hochgeladen von Roland Schönmüller

„Was essen wir am Heiligen Abend und an den Weihnachtsfeiertagen?“ -
Die Gans stand und steht im Mittelpunkt der weihnachtlichen Festtafel

Weihnachtsspeisen: Gans & Co.

„Ausgehen geht derzeit- angesichts von Corona - nicht!“ -

Und: „Liefern lassen oder abholen - das machen wir ein anderes Mal. Denn bis man wieder zuhause sind, ist das Essen nicht mehr so warm und der Transport in Töpfen, Schüsseln oder Papp-Bechern ist auch so eine Sache!“ -

„Also besinnen wir uns auf herkömmliche Ess-Gewohnheiten!“ -

„Vielleicht Bratwürste mit Kraut oder Wiener Würstchen mit Kartoffelsalat am Heiligen Abend ?“ -

„Raclette? Das wäre eine Alternative - zeitaufwändig, kalorienreich, aber Esskultur pur!“ -

„Und was essen wir an den Feiertagen? Ein Gericht, wo man sogar zwei Festmahlzeiten damit bestreiten kann?“ -
„Sauerbraten mit Blaukraut und Klößen, Rollbraten und Nudeln und reichlich Soße oder Rolladen …?“ -

„Es sollte schon etwas Besonderes sein! Wie wäre es mit einem Gänsebraten aus deutschen Landen ?“

Ein Blick in die Geschichte verrät, dass die Gans ein relativ junges Weihnachtstier ist.

Unsere germanischen Vorfahren brieten zur Wintersonnenwende das Schwein oder den Eber.

Die Weihnachtsgans hat dagegen ihren Ursprung in England.

Martingans und englische Festgans kamen sich im Laufe der letzten Jahrhunderte näher und entwickelten sich zum nahezu unwiderstehlichen Festtagsbraten, gerne mit Beifuß, Rosinen und Äpfeln gefüllt, an Weihnachten.

Eine Gans für Pfarrer und Lehrer

Mit einer fetten Gans hatten unsere ländlichen Vorfahren, vor allem die Bauern, einst zum Jahreswechsel den Pfarrer und auch den Lehrer bezahlt oder beschenkt.

Schriftliche Einträge in Gemeindeverordnungen berichten davon.

Geheimnisvolles im Gänsemagen

Der aufgeschnittene Gänsemagen diente unseren Altvorderen als verheißungsvolles Orakel: hier konnten jung und alt angeblich erkennen, ob es ein fruchtbares oder karges Jahr für sie geben würde.

Die anwesenden Kinder selbst waren oft bei der Öffnung gespannt, denn im Magen-Inhalt einer Gans war so manches geheimnisvolle Geschenk versteckt:

eine Geldmünze, ein goldenes Ringlein oder ein kleines Kreuz, was symbolisch auf künftiges Glück oder Vermögen, auf eine Hochzeit oder den Tod eines Familienmitgliedes hinwies.

In Kochbüchern aus dem Ende des 19. Jahrhunderts wird beschrieben, wie man Gänse schlachtet, ausnimmt und rupft.

Frau Holle im Haus

„Das war früher“ - so berichtet eine ältere Bäuerin aus der Region - „ein ungeheurer Spaß für die Kinder“, weil es in der Küche wirklich einen Tag lang so aussah, als sei Frau Holle durch den Raum gehuscht.

Weiche Daunen in bürgerlichen Puppenhäusern

Dadurch, dass die Gans auch zum bürgerlichen Weihnachtsvogel etablierte, wanderte der Brauch des Federspleißens ab 1850 auch in die deutschen Städte.

Viele kleine Mädchen haben sich damals die Puppenkissen mit weichen Daunen der Gänse gestopft.

Die Gans der Mittelpunkt der weihnachtlichen Festtafel

Besonderes köstlich zubereitet schmeckt die einst englische Weihnachts-Gans auch noch heute bei uns.

Zerläuft einem da nicht das Wasser im Mund, wenn man folgende Beschreibung einer Gänsebraten-Füllung liest?

„Semmelbrösel, Salbei, Äpfel, Innereien (Leber, Magen) , feingewiegte Zwiebeln und ein Ei.
Dazu würziges Apfelmus.“

So ist es also kein Wunder, dass überall verschiedene Gans-Rezepte entstanden sind.

Gefüllt und ungefüllt schmeckt der Gänsebraten vorzüglich mit Kohl oder Klößen, mit Maronen, eingelegten Keulen, süßsauren Gänsejus, gefüllten Hälsen und schwarzer Metzel- oder Blutsuppe sowie mit getrockneten Früchten.

Wenn es nicht der Schinken oder andere Speisen waren, so war die Gans bei uns in der Region der Mittelpunkt der weihnachtlichen Festtafel.

Hintergrund:
Hoher Preis für die Gans

Zu Weihnachten stehen die Gänse hoch im Kurs und kosten mehr als in den Vorjahren.

„Die Gans-Gourmets gönnen sich was!“, betont schmunzelnd ein Fachmann.

„Gans2Go“ heißt ein Versandhandel in Deutschland mit gebratenen Gänsen. Knapp 1 000 Gänse werden heuer so verschickt, das sind doppelt so viele wie im Vorjahr.

Wer rechtzeitig bis vor das Christfest bestellt, erhält zum Heiligen Abend ein Rundum-Sorglos-Paket:
einen 5,2 Kilogramm schweren Gänsebraten, ein Kilo Rotkohl, 150 Gramm glacierte Maronen, 500 Gramm Kartoffel-Klöße und einen halben Liter Soße. Alles sei bereits vorgekocht, vakuumverpackt und fast fertig, berichtet ein Hotel- und Restaurant-Manager und jetziger Versandhändler im hessischen Heppenheim.

Der Trend geht zum Luxus-Essen

Es fehle nur noch das Aufwärmen der Gerichte und das Fertigbacken der Gans im heimischen Herd.

Das reiche für vier Personen und koste rund 130 Euro. Eine Portion Extrasoße koste 7,50 Euro - ein stattlicher Preis!

Liebe geht also im Corona-Jahr vor allem durch den Magen.

Viele Deutsche lieben nicht nur Soße, sondern auch Traditionen trotz Lockdown, Kontaktbeschränkungen und Virusängsten.

Der Braten von heimischem Geflügel sei nach wie vor begehrt. Gutes Essen und Trinken stehe laut einer aktuellen Studie an den Weihnachtsfeiertagen im Mittelpunkt.

Der Kilopreis für deutsche Gänse stieg 2020
von 14,14 Euro auf 14,60 Euro.

Circa 4 700 Tonnen Gänse aus deutscher Produkten dürften auch heuer Abnehmer finden.

Großer Gänse-Preisunterschied

Gefrorene Gänse aus dem osteuropäischen Ausland kosteten 2019 durchschnittlich 3,54 Euro pro Kilo.

Deren Haltungsbedingungen geltender als fragwürdig: Tiere werden gestopft oder bei lebendigem Leib gerupft.

Corona zum Trotz dürften viele Deutsche dennoch nach den Gänsen greifen - aus der Region oder per per Versandhandel - dank findiger Gastronomen oder Federvieh-Züchter.

Es gibt also keine Gnade für die Gans.

Wer meint, dass Tausende von glücklichen Gänsen auf Gnadenhöfen herum watscheln, dürfte enttäuscht werden.

Autor:

Roland Schönmüller aus Miltenberg

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