Eltern und Kinder für Thema „sexualisierte Gewalt im digitalen Raum“ sensibilisieren

Der Medienpädagoge Felix Behl (rechts) klärte über Erscheinungsformen sexualisierter Gewalt im digitalen Raum auf. | Foto: Winfried Zang
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  • Der Medienpädagoge Felix Behl (rechts) klärte über Erscheinungsformen sexualisierter Gewalt im digitalen Raum auf.
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Eltern und Kinder für Thema „sexualisierte Gewalt im digitalen Raum“ sensibilisieren
„Sexualisierte Gewalt im digitalen Raum“ war die ausgebuchte Veranstaltung für Fachkräfte der Jugendsozialarbeit an Schulen, der Jugendarbeit und der Jugendhilfe am Dienstag, 11. November, in der Beratungsstelle Lichtblick in Miltenberg betitelt. Veranstalter waren die Beratungsstelle Lichtblick in Kooperation mit dem erzieherischen Kinder- und Jugendschutz sowie der Jugendsozialarbeit an Schulen des Landratsamtes Miltenberg und dem Medienpädagogen des Schulamtes, Felix Behl.

Im Namen der Beratungsstelle Lichtblick begrüßte Christiane Muth die Gäste und freute sich über den großen Andrang. Bei einer Dienstbesprechung der Jugendsozialarbeitenden an Schulen sei der Bedarf an einer solchen Fortbildung gesehen worden, so dass man das Thema nun aufgegriffen habe, so Muth. Dass es notwendig sei, beweise auch die Tatsache, dass die Hälfte aller 17-Jährigen schon Kontakt mit sexualisierter Gewalt im digitalen Raum habe, führte sie aus. Die Fachkräfte fanden sich anschließend in drei Gruppen zusammen, um sich auszutauschen.

Hauptschullehrer und Medienpädagoge Felix Behl informierte über „Erscheinungsformen von sexualisierter Gewalt in digitalen Räumen und strafrechtliche Relevanz“. Er erklärte zahlreiche Fachbegriffe, brachte Praxisbeispiele und ordnete diese rechtlich ein. Aus seinen Ausführungen wurde klar, dass junge Menschen sich heute mit einer Vielzahl von Gefahren im Netz konfrontiert sehen, die vielen Eltern gar nicht richtig bewusst sind. Dabei geht es nicht nur um Plattformen wie TikTok, sondern auch um scheinbar harmlose Spiele, in denen mittels eingebauter Nachrichtenfunktionen der Kontakt zwischen jungen Menschen und anderen, die sich hinter anonymen Namen verstecken, hergestellt werden kann. Manche Eltern meinten fälschlicherweise, dass sie und ihre Kinder „immun“ dagegen seien. Für den Medienpädagogen ist dabei nicht die Bildschirmzeit entscheidend, sondern die Bildschirminhalte. Denn, so sagte er, es gebe im Internet ja auch hilfreiche Seiten. Eltern dürften keine Angst haben, mit Kindern über die Gefahren und den Nutzen des Internets zu reden, forderte Behl. Das sei aber nicht ganz einfach, denn es gebe vielfach „subtile Anbahnungsversuche“ im Netz, in denen Ältere, die sich aber als Jüngere ausgeben, den Kontakt suchen. Ein Rat von ihm: „Das Smartphone hat nachts nichts im Kinderzimmer zu suchen.“ Diese Regelung sei einfach umzusetzen und verhindere, dass junge Menschen nachts unkontrolliert im Netz unterwegs sind. Aber: „Die Eltern müssen in dieser Hinsicht selbst Vorbild sein.“ Behls weiterer Tipp: Einen Wecker für das Zimmer des Kindes kaufen als Alternative zum Smartphone-Wecker. Viele weitere Details zeigten, dass das Internet ein gefährlicher Raum sein kann, wenn man nicht aufmerksam und gut informiert ist.

Eine rege Diskussion entspann sich im von Stefan Adams (Landratsamt, zuständig für Jugendsozialarbeit an Schulen) und Julia Hildenbrand (Landratsamt, erzieherischer Kinder- und Jugendschutz) moderierten Workshop, in dem der Austausch im Mittelpunkt stand und in dem die Fachkräfte ihre Erfahrungen schilderten. Alle waren sich dabei einig, dass mit der Prävention frühzeitig begonnen werden müsse, denn Kinder hätten immer früher Zugang zum Smartphone. Während sie sich mit wichtigen Funktionen (Datenschutz, Recht am eigenen Bild, Sicherheitseinstellungen) oft nicht auskennen, seien sie aber „zu 100 Prozent fit im Internet“, sagte eine Teilnehmerin. Eine Fachkraft schlug vor, die Eltern zu ermuntern, sich von den Kindern zeigen zu lassen, welche Apps, Spiele und sonstige Medien sie nutzen. Wenn tatsächlich einmal etwas passiert, sollten Eltern ihren Kindern auf gar keinen Fall Vorwürfe machen und mit ihnen schimpfen, sondern verständnisvoll mit ihnen reden. Es gelte, Kinder und Jugendliche zu sensibilisieren und sie fit zu machen, damit sie erkennen, wo die Grenzen liegen, sagte eine Fachkraft. Wenn es beispielsweise um geteilte pornografische Bilder geht, solle man das Kind fragen, ob es ihm recht wäre, wenn Mutter oder Großmutter ein solches Bild sehen würden. Eine weitere Erkenntnis aus dem Austausch: „Es ist erschreckend, wie man Kinder manipulieren kann.“

„Let´s talk about Porno – Zwischen Tabu und Alltag“ lautete der Titel des dritten Workshops, geleitet von Caroline Komenda (Jugendsozialarbeiterin mit Weiterbildung „Sexualpädagogik“) und Christiane Muth (Fachberaterin bei sexualisierter Gewalt bei Lichtblick, Caritasverband Miltenberg). Jede dritte Person im Alter von elf bis 17 Jahren hat schon einmal einen Porno gesehen, freiwillig oder unfreiwillig. Dies geschieht beispielsweise über das Versenden in Gruppenchats. Eine Teilnehmerin berichtet sogar von Neunjährigen, die sich Zugang zu Pornos verschafft hätten. Gleichzeitig habe ein Großteil der 14- bis 15-Jährigen noch kaum eigene sexuelle Erfahrungen gemacht, berichtete Caroline Komenda. Fachkräfte, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, sollten die Hintergründe des Pornokonsums von Jugendlichen verstehen. Für viele sei es Mutprobe, Gruppendruck, sozialer Statusgewinn, die eigene Sexualität entdecken, Neugier, aber auch Aufklärung. „Pornos haben keinen Bildungsauftrag“, sagte Komenda, umso wichtiger seien Fachkräfte und Vertrauenspersonen, die eine offene und wertfreie Haltung gegenüber Fragen zur Sexualität junger Menschen einnehmen. Anstatt mit erhobenem Zeigefinger zu reagieren, sollten sie einen sicheren Raum für ehrliche Gespräche und Aufklärung schaffen. Gemeinsam mit den Teilnehmenden des Workshops wurden Porno-Mythen thematisiert und Ideen für den Umgang in der pädagogischen Praxis gesammelt. Es entstand ein reges Miteinander und es wurde deutlich: Kinder und Jugendliche, die eine klare Sprache für Sexualität finden können und über die Realitäten der Pornoproduktion aufgeklärt sind, können sich von den dort inszenierten Klischees besser distanzieren. Letztlich geht es den Fachkräften darum, dass Jugendliche ihre jeweils eigenen Wege zu einer einvernehmlichen Beziehungsgestaltung finden und sich damit auch besser vor sexualisierter Gewalt schützen können.

Im abschließenden Plenum wurden die wichtigsten Kernpunkte aus den Workshops vorgetragen. Am Ende dankte Christiane Muth allen Anwesenden für den lebendigen Austausch in den Gruppen und der gemeinsamen Weiterentwicklung eines Netzwerkes zur Prävention von und Intervention bei sexualisierter Gewalt im Landkreis Miltenberg.

Betroffene von sexualisierter Gewalt im digitalen Raum, Eltern, Fachkräfte und Vertrauenspersonen können sich zur Beratung an die Fachberatungsstelle Lichtblick beim Caritasverband Miltenberg wenden (Telefon: 09371/9789-70 und -71, E-Mail, lichtblick@caritas.de). Mehr über die Beratungsstelle erfährt man im Internet unter https://caritas-mil.de/beratung-unterstuetzung.

Der Medienpädagoge Felix Behl (rechts) klärte über Erscheinungsformen sexualisierter Gewalt im digitalen Raum auf. | Foto: Winfried Zang
In diesem Workshop, der von Stefan Adams (stehend) und Julia Hildenbrand (links, sitzend) moderiert wurde, hatte die Fachkräfte Gelegenheit, ihre Erfahrungen auszutauschen und darzulegen, welches Vorgehen ihrer Meinung nach hilfreich ist. | Foto: Winfried Zang

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