Bildergalerie und Essay.
Mai-Finale und Juni-Start.
Ein Reh äst ungestört in der weiten, grünen Frühlingsflur. Es steht darin nicht als Sensation, sondern als stilles Maß der Dinge: als Zeichen dafür, dass die Welt, wenn man sie lässt, noch ihre eigene Ordnung besitzt.- hochgeladen von Roland Schönmüller
Mai, Müdigkeit, Morgenweite.
Der Sommerabend Ende Mai kennt keine Eile mehr. Die Hitze des Tages ist längst passé, als hätte sie sich lautlos hinter die Hügel zurückgezogen. Über den Feldern liegt eine Ruhe, die nicht leer ist, sondern erfüllt:
von Atem, von Ausklang, von jenem milden Schweigen, das nur die Landschaft sprechen lässt. Es wird spürbar kälter, und eben darin liegt der Reiz dieses Abends – im zarten Umschlag der Luft, im Wechsel von Wärme und Kühlung, im Versprechen, dass auch ein großer Tag seine leisen Stunden hat.
Ein Reh äst ungestört in der weiten, grünen Frühlingsflur. Es steht darin nicht als Sensation, sondern als stilles Maß der Dinge: als Zeichen dafür, dass die Welt, wenn man sie lässt, noch ihre eigene Ordnung besitzt.
Abgeblühte Rapsfelder tragen bereits den Ernst des Weitergehens in sich, das Getreide und der Mais wachsen mit jener unspektakulären Entschlossenheit, die jeden Frühling in Sommer verwandelt, und die Grasflächen zeigen Grün in unzähligen Schattierungen – vom hellen Aufbruch bis zum satten, schon beinahe sommermüden Ton. Die Landschaft ist jetzt keine Verheißung mehr, sondern Erfüllung auf Widerruf.
Der Wonnemonat verabschiedet sich allmählich, nicht mit Pomp, sondern mit einer eigentümlichen Mischung aus Milde und Ahnung. In den Dörfern, Marktgemeinden und Städten der Region stehen noch die Maibäume, als wollten sie den Abschied hinauszögern.
Sie sind längst mehr als Schmuck: Sie markieren eine Schwelle, an der Brauch und Jahreszeit, Erinnerung und Erwartung einander berühren.
Zwischen Tag und Traum scheint das Land zu warten, was die nächsten Stunden und Tage bringen werden – wohltuende Kühle in der Nacht vielleicht, dann wieder Hitze, schwere Luft, gewittrige Schauer. Schon kündigt sich an, dass der Frühsommer kein Zustand ist, sondern eine Bewegung.
Fazit – Juni, Jubel, Jenseitsahnung
So endet der Mai nicht einfach, er verwandelt sich. Der Juni tritt herauf mit hellerem Morgenlicht und anderen Zeichen:
Trinitatis, der Dreifaltigkeitssonntag, lenkt den Blick vom Sichtbaren ins Geheimnis der Drei-Einheit, und bald folgt Fronleichnam, das Hochfest der Gegenwart im öffentlichen Raum. In vielen katholischen Regionen gehören dazu auch Wallfahrten, Wege also, auf denen Glaube buchstäblich Landschaft wird.
So steht über den Feldern, den Orten und den Abenden dieser Tage nicht nur Wetter, sondern Erwartung: auf Prozessionen und Gebete, auf Wärme und Gewitter, auf die feierliche und flüchtige Fülle des beginnenden Sommers.
Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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