40 Jahre Wetterstation
40 Jahre Wetteraufzeichnung
- Freudenberg im Januar 1995
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Es war in der 7. Klasse Realschule: In Erdkunde gut aufgepasst, begann ich aus einer Laune heraus mit meiner ganz eigenen Wetteraufzeichnung.
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Der Thermometer hing draußen vorm Fenster. Eine Totsünde, denn nach Norm wird die Luftemperatur in zwei Meter Höhe über Grasboden gemessen.
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Zehn Meter von Gebäuden entfernt, darf kein Sonnenstrahl auf den Thermometer fallen. So plazierte ich bald meine Thermometer in einer Klimahütte.
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Seit vielen Jahren messe ich aber auch den Niederschlag, die Windgeschwindigkeit und den Luftdruck. Recht bald stellte sich die Frage: Was war vor 1985?
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Erst vor wenigen Jahren habe ich mein größtes Projekt abgeschlossen: Eine lückenlose Temperatur-Messreihe für unsere Region - beginnend im Jahr 1706!
Hierzu habe ich die ältesten Messreihen in einem aufwendigen Verfahren auf unsere Region umgerechnet.
Die kräftige Erwärmung der letzten Jahrzehnte ist nicht die erste ihrer Art: Ende des 18. Jahrhunderts hatten wir eine ähnlich starke Erwärmung - und das, ganz ohne Verbrennungsmotoren...
Beim Niederschlag konnte ich eine Messreihe generieren, die bis ins Jahr 1837 zurückreicht. Seit rund 30 Jahren sind die Niederschläge leicht rückläufig. Bei gleichzeitiger Erwärmung bedeutet dies, dass es spürbar trockener geworden ist.
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Beim Sonnenschein reicht mein Archiv bis ins Jahr 1913 zurück: So sonnig wie in den letzten 25 Jahren, war es noch nie seit Aufzeichnungsbeginn...
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Ja, unser Klima ist im Wandel. Aber das war es schon immer, auch ohne menschlisches Zutun, wie die nächste Grafik beweist:
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Alleine in den letzten 2000 Jahren gab es zwei Epochen, die genauso warm waren wie heute: In der Römischen Warmzeit brachten die Römer Weinstöcke ins Maintal. Warum? Weil er wuchs!
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Ähnlich warm war es auch während der Mittelalterlichen Warmzeit: Im 13. Jahrhundert war das Klima so günstig, dass es den Menschen richtig gut ging. Viele Dörfer und Städte wurden in dieser Zeit gegründet...
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Warmzeiten waren praktisch immer gut für die Entwicklung der Menschheit. Kaltzeiten waren hingegen immer mit Mißernten, Hunger und Krankheit verbunden.
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Die Highlights der letzten 40 Jahre: Die letzten -20°C habe ich knapp verpasst - die gab es bereits im Februar 1985.
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Damals völlig unvorstellbar, dass es in unserem Landstrich einmal 40°C geben könnte. Im August 2015 war es dann soweit. Nach gewissenhafter Prüfung der Messung stand fest: 40,3°C
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Aller Dramatisierung des Klimawandels zum Trotz: Seit nunmehr 10 Jahren wurde die 40°C-Marke nicht mehr erreicht! Im Jahre 1995 durfte ich die Regenmengen messen, die zum größten Main-Hochwasser seit 1970 führten.
Als junger Feuerwehrmann war ich Zeuge des schwersten Orkanes, der seit Menschengedenken über unsere Region fegte: Orkan Wiebke sorgte im März 1990 für noch nie dagewesene Schneisen im heimischen Forst.
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Schon damals drohten Weltuntergangs-Propheten: Die Stürme werden immer schlimmer werden! Fakt ist: Bis heute gab es keinen Orkan mehr, der die Stärke von "Wiebke" auch nur annähernd erreichte...
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Ein Grund hierfür könnte darin liegen, dass sich die Arktis schneller erwärmt, als die Subtropen. Dadurch wird der Temperturgegensatz auf dem Atlantik kleiner und somit auch die Energie der Stürme.
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Mit meiner eigenen Messreihe kann ich belegen, dass unsere derzeitigen Temperaturen 1,7°C höher liegen, als im vergangenen Jahrhundert.
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Klingt nach wenig, reicht aber dazu aus, dass Schnee im Winter eine Rarität geworden ist und wir im Sommer 2022 gigantische 37 heiße Tage (T>30°C) ertragen mussten.
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Katastrophe? Nein, das sehe ich nicht so. Eine der größte Klimaerwärmungen gab es übrigens am Ende der letzten Eiszeit. Ist die Menschheit damals ausgestorben?
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Nee, im Gegenteil: Sie blühte auf und erfreute sich an den neuen Möglichkeiten. Also: Keine Panik und weniger Nachrichten schauen...
Und noch was: Der kommende Winter verspricht kälter und schneereicher zu werden, als in den vergangenen Jahren...
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Autor:Guido Mayer aus Freudenberg |
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