Bildergalerie und Essay.
Blüten, Böen, Brückentage
- Besetzt, fast!
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Unterwegs im April.
Es ist ein später Vormittag im Odenwald.
Der Wind kommt über die Anhöhen, die einzelne Orte auf der Höhe wie ein natürlicher Kragen umgeben. Er trägt den Geruch von feuchtem Waldboden aus dem Odenwald und den süßlichen Duft der ersten Apfelblüten herüber.
Auf dem Weg Richtung Flur, dort wo die Felder beginnen und die Landschaft offener wird, knirscht der Schotter unter den Schuhen. Ein Traktor brummt in der Ferne, verschwindet hinter einer Kuppe, taucht wieder auf – ein vertrauter Rhythmus.
Am Ortsrand stehen mehrere Apfelbäume, die gerade in voller Blüte sind. Die Blüten wirken frisch, fast ungeduldig, als hätten sie nur auf diesen einen wärmeren Tag gewartet.
Eine Radfahrerin mit Hund bleibt kurz stehen, schaut hinauf und sagt: „Die sind dieses Jahr früh dran.“ Dann zieht der Hund weiter, und die Radlerin folgt, ohne den Satz zu Ende zu denken. Es ist ein beiläufiger Kommentar, aber einer, der zeigt, wie genau die Menschen hier die Natur beobachten.
Weiter unten, Richtung Rapsfeld, verändert sich die Geräuschkulisse. Das Summen ist schon zu hören, bevor man die gelben Flächen sieht. Eine Hummel arbeitet sich durch die Blüten, schwer und zielstrebig. Sie verschwindet zwischen den Rispen, taucht wieder auf, dreht eine kleine Schleife und setzt erneut an. Ihr Summen wirkt wie ein Arbeitsnachweis: Die Bestäubung läuft.
Ein jugendlicher Spaziergänger bleibt stehen, zieht die Jacke aus und hängt sie sich über den Arm. „April halt“, sagt er, „man weiß nie, was er vorhat.“ Er lacht kurz, schaut auf die Hummel, die gerade wieder in einer Blüte verschwindet, und fügt hinzu: „Die weiß’s wenigstens.“
Zwischen den Höhenorten und den Feldern ringsum blühen weitere Apfelbäume, manche einzeln, manche in kleinen Gruppen. Ein Schuljunge fährt mit dem Fahrrad vorbei, die Blütenblätter wirbeln kurz auf, und für einen Moment wirkt es wie ein improvisierter Maivorlauf – ohne Musik, ohne Fest, aber mit dem gleichen Gefühl von Aufbruch.
Die Geräusche sind typisch für diese Gegend und diese Jahreszeit:
das entfernte Brummen eines Schleppers,
das Klacken eines Hoftors im Wind,
das Summen der Hummel im Raps,
und irgendwo ein Hahn, der sich verspätet fühlt.
Der April zeigt sich hier nicht romantisch, sondern funktional.
Er macht, was er immer macht: Er bereitet vor.
Die Blüten, die Farben, die Gerüche – sie sind weniger Inszenierung als Hinweis.
Der Mai steht bereit, aber er drängt nicht.
Er lässt den April seine Übergangsarbeit erledigen.
Und während man weitergeht, zwischen Apfelblüte und Raps, zwischen Wind und Sonne, entsteht dieses typische Gefühl der letzten Apriltage im Odenwald:
dass die Landschaft schon einen Schritt weiter ist als der Kalender.
Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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