Bildergalerie und Essay.
Sofi - ein seltenes Natur-Schauspiel.
- Gegen Abend schob sich der Mond vor die Sonne — nicht dramatisch mit Pauken und Trompeten, sondern eher wie ein diskreter Kellner, der beim Dorffest kurz das Licht dimmt.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Sonnenfinsternis überm Odenwald.
Miltenberg. Am 12. August 2026 war es im Odenwald erst einmal, wie August-Abende dort gern sind: Die Hitze des Tages lag noch in den Mauern, die Wespen patrouillierten beleidigt um leere Limonadengläser, und irgendwo roch es nach Heu, Staub und dem letzten Versuch eines Gartengrills.
Dann aber kam Bewegung in die Dörfer. Zu Fuß, per Rad, mit dem Moped oder im Auto — das im Dialekt gelegentlich zum „Auti“ verniedlicht wird, sobald es sich über Feldwege quält — machten sich die Leute hinaus in die freie Flur.
Man suchte Hügel, Ackerränder, Waldschneisen und jene Stellen, an denen der Blick nach Westen nicht von Mais, Scheune oder Kirchturm beleidigt wird. Denn die Sonne stand tief, als hätte sie selbst beschlossen, den großen Auftritt nicht auf der Bühne, sondern am Bühnenrand zu absolvieren. Gegen Abend schob sich der Mond vor sie — nicht dramatisch mit Pauken und Trompeten, sondern eher wie ein diskreter Kellner, der beim Dorffest kurz das Licht dimmt.
Kaum setzte die Finsternis ein, wurden die Menschen auf den Feldwegen plötzlich zu Astronomen. Passanten nestelten Sonnenfinsternisbrillen hervor, als handle es sich um Eintrittskarten ins Jenseits.
Andere vertrauten auf sehr dunkle Sonnenbrillen und sahen dabei aus wie incognito reisende Schlagersänger, was dem kosmischen Ernst der Lage einen wohltuend komischen Zug verlieh.
Kinder fragten, ob die Sonne jetzt kaputt sei; Erwachsene antworteten mit jener Sicherheit, die man nur besitzt, wenn man selbst gerade auf dem Smartphone nachschaut.
Nach gut einer halben Stunde war der Spuk schneller vorbei, als viele gedacht hatten.
Eben noch hatte der Himmel eine kleine metaphysische Delle bekommen, schon tat die Sonne wieder so, als sei nichts gewesen.
Der Odenwald aber hatte für einen Moment seine Alltagsmütze abgenommen. Zwischen Brombeerhecke, Schotterweg und summendem Mopedmotor öffnete sich ein Fenster in den Kosmos — und alle, selbst die sonst eher wetterfesten Skeptiker, schauten hindurch.
Das Fazit dieses Sommertags: Er präsentierte sich nicht nur mit großer Hitze, flimmernder Luft und müden Wiesen, sondern auch mit einem Blick in die Transzendenz. Der Kosmos hatte kurz vorbeigeschaut, mitten im ländlichen Abendprogramm.
Und wer dabei war, erzählte später vermutlich nicht nur von der Sonnenfinsternis, sondern auch davon, wo er stand, mit wem er staunte — und ob das Moped beim Heimweg wieder ansprang.
Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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