Bildergalerie und Essay
Valentin, Vita, Verehrung – Ein stiller Ort in Eichenbühl.
- Der heilige Valentin, dessen Vita zwischen spätantiker Überlieferung und volkstümlicher Legende schimmert, steht in Eichenbühl weniger als Patron der romantischen Liebe im Vordergrund, sondern als Symbolfigur für Zuwendung, Heilung und Lebensmut.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Wer den Weg zur kleinen Kapelle am Rand von Eichenbühl nimmt, merkt rasch, dass hier kein großer Wallfahrtsort wartet, sondern ein Ort der leisen Gesten. Die Valentins-Verehrung, die sich in der fränkischen Region seit Jahrhunderten auch in Bildstöcken, Flurkreuzen und persönlichen Ritualen niederschlägt, findet in diesem schlichten Bauwerk eine ihrer unaufdringlichsten, aber eindrücklichsten Formen.
Die Kapelle mit Ursprüngen im Mittelalter selbst ist kein architektonisches Ereignis, sondern ein Stück gelebter Dorfgeschichte: weiß gekalkt, mit einem kleinen Dachreiter und einem Innenraum, der eher an eine Stube erinnert als an ein Heiligtum. Doch gerade diese Schlichtheit macht ihren Reiz aus. Hier wird nicht inszeniert, hier wird vertraut. Eine Kerze, eine Blume, ein kurzer Moment des Innehaltens – mehr braucht es nicht, um die Verbindung zwischen Alltag und Andacht zu spüren.
Der heilige Valentin, dessen Vita zwischen spätantiker Überlieferung und volkstümlicher Legende schimmert, steht in Eichenbühl weniger als Patron der romantischen Liebe im Vordergrund, sondern als Symbolfigur für Zuwendung, Heilung und Lebensmut. Viele Besucherinnen und Besucher kommen nicht wegen eines bestimmten Festtages, sondern weil sie einen Ort suchen, an dem man Sorgen ablegen oder Dankbarkeit formulieren kann. Die Kapelle bietet dafür einen Rahmen, der zugleich bodenständig und zeitlos wirkt.
Dass sich diese Form der Verehrung bis heute hält, liegt vielleicht gerade an ihrer Unaufgeregtheit. In einer Landschaft, die von alten Prozessionswegen, stillen Tälern und dörflichen Erinnerungsräumen geprägt ist, fügt sich die Valentinskapelle nahtlos ein. Sie ist kein Ziel für große Pilgerströme, sondern ein Ort für Einzelne – und damit ein Stück gelebter Spiritualität, das sich nicht aufdrängt, sondern begleitet.
So bleibt die Kapelle in Eichenbühl ein feiner Hinweis darauf, dass religiöse Kultur nicht immer laut sein muss. Manchmal genügt ein kleiner Raum, ein schlichtes Bild und die Bereitschaft, für einen Moment still zu werden. Der Rest geschieht von selbst.
Kulturkolumne: Zwischen Steige und Stille.
Die Valentiuskapelle am Rand von Eichenbühl ist einer jener Orte, die man leicht übersieht – und doch seit Jahrhunderten das Erftal begleiten. Unweit der Erf(a) lag einst die alte Handelsroute zwischen Maintal und Odenwaldhöhe, ein Weg voller Mühen. Die steilen Steigen, die Fuhrleuten und Kaufleuten alles abverlangten, machten die Gegend zu einem natürlichen Rastpunkt. Herbergen, Spital und kleine Krankenstube boten Schutz; die Kapelle schenkte Atem.
Hier baten Reisende um Bewahrung, dankten für überstandene Etappen und vertrauten sich dem heiligen Valentin an – jenem römischen Priester, der Liebende segnete, Kranke tröstete und dafür am 14. Februar den Märtyrertod erlitt. Seine Verehrung im süddeutschen Raum galt nie nur der Romantik, sondern der Zuwendung an die verletzlichen Stellen des Lebens.
Am Valentinstag selbst wirkt die kleine Kapelle wie ein Gegenentwurf zur lauten Welt. Paare, Spaziergänger, Menschen mit stillen Sorgen halten kurz inne. Die Kapelle erinnert daran, dass Liebe weniger im Glanz der Gesten liegt als im Durchhalten, Dasein, Weitergehen – so wie einst die Reisenden, die hier Kraft sammelten, bevor sie die nächste Steige angingen.
Ein kleiner Ort, ein stiller Herzschlag im Erftal. Und vielleicht das schönste Geschenk dieses Tages: ein Moment der Ruhe, der länger trägt als jede rote Schleife.
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.