Bildergalerie und Essay.
Wieviel Humor verträgt man?
- Eine Damenrunde - fast!
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Weiberwitz, Wirtshauswirbel, Wirklichkeitswende.
Altweiberfasching zwischen Odenwald, Spessart und Maintal – ein Tag, an dem die Welt kurz in die Knie geht
Odenwald/Spessart/Maintal/Taubertal/Külsheim/Niedernberg.
Es gibt Tage, an denen die Ordnung der Dinge nicht einfach ins Wanken gerät, sondern sich mit einem fröhlichen Knicks verabschiedet. Altweiberfasching ist einer davon. Ein Fest, das im Rheinland einst als weiblicher Aufstand gegen männliche Amtswürden begann, hat sich zwischen Odenwaldhöhen, Spessarttälern und Maintalorten zu einer fein dosierten Mischung aus Anarchie, Dorfcharme und generationsübergreifender Lebensklugheit verwandelt.
Während andernorts politische Botschaften geschwungen werden, bevorzugt man hier die sanfte Kunst der Übernahme: Die Frauen regieren mit Humor, die Männer kapitulieren mit Haltung, und das Dorf schaut zu wie bei einem Naturereignis, das zuverlässig jedes Jahr wiederkehrt.
Regionale Eigenheiten – fein gewürzt, liebevoll überdreht
Im Odenwald wird Altweiberfasching gern als „der freundlichste Staatsstreich der Welt“ beschrieben. Die Frauen übernehmen das Wirtshaus, kommentieren das Vereinsleben und verteilen Seitenhiebe, die so elegant sitzen wie ein frisch gebundener Dirndlschurz.
Im Spessart dagegen hat der Tag etwas von einer sozialen Tektonik: Die Frauen rücken an den Stammtisch, und die Männer stehen daneben wie Wanderer, die plötzlich feststellen, dass der Wegweiser verschwunden ist.
Im Maintal wird es urbaner: Krawatten fallen reihenweise, und der Rathaussturm ist so routiniert, dass man meinen könnte, die Frauen hätten längst einen Zweitschlüssel.
Im Taubertal mischt sich Weinbauhumor unter die Kostüme. Wer hier eine Krawatte trägt, ist entweder mutig, ahnungslos oder beides.
Und in Külsheim wie in Niedernberg zeigt sich Altweiberfasching als sozialer Schmelztiegel: Landfrauen, Mädelsgruppen, Vereinsaktive und stille Beobachterinnen feiern gemeinsam – und spätestens um 22 Uhr weiß das ganze Dorf, wer mit wem getanzt, gelacht oder diskutiert hat.
Stimmen aus drei Generationen – das Dorf spricht, und wie
Die Älteren – souverän, scharfzüngig, unerschütterlich
Erna (78) aus dem Erftal:
„Früher war des a Skandal, wenn mir Weiber ins Wirtshaus sind. Heit wär’s a Skandal, wenn mer’s net täten.“
Karlheinz (82) aus dem Taubertal:
„Wenn die Weiber die Krawatte abschneiden, is des wie a Orden. Nur halt ohne Ritter und mit weniger Würde.“
Die Mittleren – organisiert, selbstbewusst, leicht überdreht
Sabine (52) aus Külsheim:
„Altweiber is unser Tag. Mir feiern, mir lachen – und die Männer wissen: Widerstand is zwecklos.“
Thomas (47) aus Niedernberg:
„Ich geh da gern hin. Die Weiber ham Spaß, und ich hab meine Ruhe. Win-win.“
Die Jungen – neugierig, feierfreudig, leicht schockiert
Lena (23) aus Miltenberg:
„Ich find’s cool, wie die Omas plötzlich komplett eskalieren. Da merkt man: Fasching is nix für Anfänger.“
Jonas (19) aus Mömlingen:
„Ich hab letztes Jahr meine erste Krawatte verloren. Und meine Würde gleich mit.“
Feuilletonistisches Fazit – und eine kleine Bitte
Altweiberfasching ist kein bloßer Termin im Kalender, sondern ein regionaler Charaktertest:
Wie viel Humor verträgt ein Dorf
Wie viel Selbstironie ein Verein
Wie viel Machtwechsel ein Mann
Und die Antwort lautet jedes Jahr aufs Neue: erstaunlich viel.
Zwischen Külsheim und Niedernberg, Miltenberg und Tauberbischofsheim zeigt sich:
Wenn die Weiber übernehmen, läuft’s – und zwar besser als sonst.
Und deshalb die feuilletonistische Schlussbitte:
Nehmen wir’s nicht allzu ernst.
Nicht die Krawatten, nicht die Pointen, nicht die kleinen Machtspiele.
Altweiberfasching ist ein Tag der heiteren Unordnung – und genau darin liegt seine Wahrheit.
Nun verfeinert:
Am Ende zeigt sich, dass Humor in einer Gemeinschaft weit gehen darf – aber nur so weit, wie alle Generationen ihn mittragen.
Die Älteren erinnern daran, wie ein gut gesetzter Scherz früher Spannungen löst und den Alltag leichter macht.
Die Jüngeren zeigen, wie Humor heute Brücken baut, neue Sichtweisen öffnet und Menschen einlädt, die noch nicht lange dabei sind.
Gemeinsam entsteht ein stilles Einverständnis: Humor wirkt dann am stärksten, wenn er Nähe schafft, niemanden ausgrenzt und spürbar macht, dass man miteinander lacht und nicht übereinander.
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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