Bildergalerie und Essay.
Was ist das Besondere am 15. September ?
- Seelenbilder – Warum die Sieben Schmerzen heute berühren
In einer Zeit, in der viele Menschen mit Unsicherheit, Verlust und inneren Wunden leben, wirken die Sieben Schmerzen Mariä wie ein spiritueller Resonanzraum. Sie zeigen eine Frau, die verwundbar ist und dennoch stark bleibt, die nicht nur trauert, sondern durch den Schmerz hindurch hofft. Gesehen in Heppdiel. - hochgeladen von Roland Schönmüller
Schmerz, Schoß, Schicksal.
Schmerzenswege. – Der 15. September als stiller Brennpunkt.
Mitten im September, wenn die Felder nach Ernte riechen und die Abende früher dunkeln, tritt im Kirchenjahr ein Tag hervor, der nicht laut gefeiert wird, sondern innerlich begangen:
der 15. September, das Gedächtnis der Schmerzen Mariä. Er steht bewusst direkt hinter dem Fest der Kreuzerhöhung einen Tag zuvor: dort das Kreuz als Siegeszeichen, hier das Kreuz als Ort des Mit-Leidens.
Dieser Gedenktag fasst jene sieben Szenen zusammen, die Maria im Leben Jesu wie Wunden durch die Seele gingen.
Die erste beginnt im Tempel von Jerusalem, wo Simeon Maria prophezeit, dass ein Schwert ihre Seele durchdringen werde (Lk 2,34–35). Diese Weissagung ist der Auftakt eines Lebens, das nicht nur Freude kennt, sondern auch Flucht und Angst: Als die junge Familie vor Herodes nach Ägypten flieht (Mt 2,13–15), trägt Maria nicht nur das Kind, sondern die Sorge um sein Leben.
Später verliert sie den zwölfjährigen Jesus im Gewirr der Pilger in Jerusalem (Lk 2,41–50) – drei Tage, die jede Mutter kennt, die je ein Kind gesucht hat.
Dann folgt die Begegnung auf dem Kreuzweg, nicht ausdrücklich im Evangelium beschrieben, aber aus der Tradition erwachsen: Maria sieht ihren Sohn unter dem Kreuz zusammenbrechen und kann nichts tun, außer da zu sein.
Unter dem Kreuz selbst steht sie im vierten Evangelium ausdrücklich genannt (Joh 19,25–27): Sie bleibt, während andere fliehen. Sie nimmt den toten Christus nach der Abnahme in den Schoß – der Moment, der zur Pietà wurde – und begleitet ihn bis zur Grablegung (Joh 19,38–42).
So spannt sich der Bogen der Sieben Schmerzen: ein Lebensweg, der nicht von außen betrachtet wird, sondern von innen miterlitten.
Schoßbild – Die Pietà als Herzmotiv der Schmerzen
Die Pietà ist die Verdichtung all dieser Szenen. Maria hält den toten Christus, den Erlöser der Welt und zugleich ihr Kind. In dieser Geste liegt die ganze Spannung des Glaubens: Tod und Hoffnung, Schmerz und Vertrauen, Abschied und Nähe.
Am 15. September leuchtet dieses Motiv besonders. Es ist ein Tag, an dem die Kirche nicht nur an die Passion Christi denkt, sondern an die Passion Mariens – an die Mutter, die nicht nur zuschaut, sondern mitleidet.
Die Pietà wird damit zu einem Gegenwartsbild: Sie spricht Menschen an, die mit ihren eigenen Lasten unterwegs sind, und sagt ohne Worte, dass Schmerz nicht das Ende ist, sondern ein Weg, der weiterführt.
Seelenbilder – Warum die Sieben Schmerzen heute berühren
In einer Zeit, in der viele Menschen mit Unsicherheit, Verlust und inneren Wunden leben, wirken die Sieben Schmerzen Mariä wie ein spiritueller Resonanzraum. Sie zeigen eine Frau, die verwundbar ist und dennoch stark bleibt, die nicht nur trauert, sondern durch den Schmerz hindurch hofft.
Der 15. September wird dadurch zu einem Tag, der nicht nur liturgisch, sondern existenziell Bedeutung hat. Er lädt ein, den eigenen Schmerz nicht zu verstecken, sondern ihn in Gottes Hände zu legen – so wie Maria es tat.
Die Pietà wird zu einem Gegenbild zur Hast unserer Gegenwart: ein Moment der Ruhe, der Nähe, der Menschlichkeit.
Schicksalslandschaft – Warum der Odenwald so reich an Pietà‑Motiven ist
Der Odenwald ist eine Landschaft, in der die Volksfrömmigkeit tief verwurzelt ist. Kreuzwege an Waldrändern, Pietà‑Darstellungen in Dorfkirchen, Hinterglasbilder in Bauernhäusern und Flurkreuze an Weggabelungen erzählen von einer Region, die Leid und Hoffnung eng miteinander verbunden hat.
Klöster wie Schönau prägten früh die Schmerzentradition, Wallfahrtsorte machten Maria zur tröstenden Mutter, und die bäuerliche Kultur suchte in ihr eine himmlische Gefährtin, die die Sorgen der Menschen kennt. Die Pietà fügt sich in diese Landschaft wie ein spiritueller Spiegel: Sie zeigt eine Mutter, die Leid kennt – so wie die Menschen, die hier lebten und leben.
Gerade hier wird der 15. September oft mit besonderer Innigkeit begangen. Er ist ein Tag, der nicht fordert, sondern versteht.
Setzungsmotive – Warum Gemeinden dieses Bild wählen
Die Pietà wird gesetzt, weil sie Mitleid ausdrückt, ohne zu verzweifeln,
Nähe zeigt, ohne Worte zu brauchen,
Hoffnung trägt, ohne laut zu sein,
und Glauben verkörpert, ohne zu belehren.
Sie erreicht jeden Menschen, unabhängig von theologischer Bildung, und lässt Trauer zu, ohne darin stehen zu bleiben.
Am 15. September wird diese Nähe besonders spürbar. Der Gedenktag ist wie ein stiller Rahmen, in dem die Pietà neu leuchtet.
Gegenwart – Die Pietà als moderne Begleiterin
Heute begegnet uns die Pietà in Kirchen, Kunstprojekten, Andachtsräumen, Trauergruppen und zeitgenössischen Installationen. Sie bleibt ein Motiv, das Menschen anspricht, weil es ehrlich ist: Es zeigt Schmerz, aber nicht als Ende, sondern als Weg.
Der 15. September macht diese Botschaft sichtbar: Er ist ein Tag, der nicht laut ruft, sondern leise begleitet.
Schlussakkord – Das Bild, das bleibt
Am Ende aller Betrachtungen bleibt ein Bild, das stärker ist als jede Analyse: Maria mit dem toten Christus im Schoß. Ein Bild, das nicht nur vergangene Jahrhunderte berührt hat, sondern auch heute Menschen erreicht, die mit ihren eigenen Lasten unterwegs sind.
Die Pietà ist ein Gegenbild zur Welt, die oft schnell und ungeduldig ist. In ihr liegt eine stille Wahrheit: Liebe hält aus. Liebe trägt. Liebe bleibt.
Vielleicht ist das der Grund, warum dieses Motiv im Odenwald so häufig zu finden ist – und warum der 15. September hier eine besondere Tiefe hat. Die Menschen dieser Landschaft haben gelernt, dass Schmerz nicht das Ende ist, sondern ein Weg, der weiterführt.
So steht die Pietà auch heute da – nicht als Mahnung, sondern als Begleiterin. Sie lädt ein, den eigenen Schmerz nicht zu verstecken, sondern ihn in Gottes Hände zu legen. Sie erinnert daran, dass selbst im dunkelsten Moment ein Licht bleibt, das nicht verlöscht.
Ein Schlussakkord, der nicht verklingt, sondern weiterklingt –
in den Herzen der Menschen,
in den Kirchen des Odenwaldes,
in jedem, der am 15. September vor einer Pietà steht und spürt:
Hier wird mein Schmerz verstanden.
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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