Ereignisreiches Jahr für die Feuerwehren im Landkreis

Seit drei Jahrzehnten ist Johannes Becker (rechts) bereits für die Kreisbrandinspektion tätig. Diese Leistung honorierte im Namen der Kreisbrandinspektion Beckers Amtskollege Hauke Muders.
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  • Seit drei Jahrzehnten ist Johannes Becker (rechts) bereits für die Kreisbrandinspektion tätig. Diese Leistung honorierte im Namen der Kreisbrandinspektion Beckers Amtskollege Hauke Muders.
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Hinter den Feuerwehren im Landkreis Miltenberg liegt ein ereignisreiches Jahr mit zahlreichen Einsätzen und Lehrgängen, der Inbetriebnahme neuer Ausrüstungsgegenstände und einiger personeller Neubesetzungen. Das wurde bei der Frühjahrstagung der Kommandanten am Sonntagmorgen in der Bürgstädter Mittelmühle deutlich.

Landrat Jens Marco Scherf lobte die hohe Kompetenz und Einsatzfähigkeit der Wehren und stattete seinen Dank für die Hilfe der Wehr beim Auf- und Umbau sowie beim Umzug der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge ab. Alle involvierten Helfer und Hilfsorganisationen lud er zu einem Helferfest am Donnerstag, 7. Juli, von 17 Uhr an in die Miltenberger Realschule ein. Auf die rund 2800 Feuerwehrleute im Kreis sei Verlass, erinnerte sich der Landrat an einen Brand, der mit Hilfe von vier Drehleitern im Großheubacher Café König bekämpft worden sei. Scherf stellte klar, dass der Landkreis die ehrenamtlich erbrachten Leistungen der Wehren wertschätze. Das tue er zum einen mit den einst von Landrat Roland Schwing und Meinrad Lebold eingeführten und beibehaltenen zentralen Ehrenabenden, mit denen man die Leistungen der Wehren in die Öffentlichkeit transportiere. Auch die Ehrenamtskarte, die bald im Landkreis eingeführt werde, sei ein Zeichen der Anerkennung.

Für den Landkreis habe der Brand- und Katastrophenschutz hohen Stellenwert, wies Scherf auf fast eine Million Euro hin, mit denen der Kreis im vergangenen Jahr den überörtlichen Brand- und Katastrophenschutz gefördert habe: Mit einem neuen Kommandofahrzeug, einem für Juni 2016 erwarteten Versorgungslastwagen mit Katastrophenschutzbeladung (Kleinheubach), einen bereits gelieferten Hilfeleistungssatz für den Rüstwagen Großheubach, einen Abrollcontainer „Besprechung“ sowie ein Mehrzweckboot (Collenberg) für die Rettung auf dem Wasser. Jeweils 100.000 Euro habe sich der Landkreis die Umrüstung des Lagezentrums auf Digitalfunk sowie die Anschaffung neuer Geräte für die Landkreis-Fahrzeuge kosten lassen, rechnete Scherf vor. Sehr dankbar sei man für die wirkungsvolle Unterstützung von Seiten des Freistaats, stellte der Landrat fest und dankte den Abgeordneten Berthold Rüth und Hans-Jürgen Fahn für deren Unterstützung. Den Standort für die modulare Hochwasserausstattung werde man unter fünf Bewerbern in einem transparenten Verfahren auswählen, kündigte er an. Der Landkreis werde in den nächsten Jahren kontinuierlich weiteres Gerät für den überörtlichen Katastrophenschutz anschaffen, sagte der Landrat, deshalb brauche man jede Feuerwehr im Landkreis. Ein wichtiger Baustein sei dabei ein Wasserfördersystem mit Flutmodulen, das im Laufe des Jahres in Großwallstadt stationiert werde.

Dass 2015 ein arbeitsreiches Jahr für die Wehren war, konnte man den Worten von Kreisbrandrat Meinrad Lebold entnehmen – auch wenn die Zahl der Einsätze von 1608 (2014) auf 1386 gesunken ist. Die technische Hilfeleistung nehme dabei die Hälfte aller Einsätze ein, so Lebold. Der Kreisbrandrat ließ einige größere Einsätze Revue passieren – etwa den Dachstuhlbrand in Großheubach unter schwierigsten Umständen, der mehrere Atemschutzträger habe kollabieren lassen. Beim Brand eines Stalls in Breitenbuch habe die Wehr vor Ort taktisch hervorragend gearbeitet, indem sie dem Schutz des Wohnhauses Priorität eingeräumt habe. Das Löschen des Brandes eines Linienbusses in Rück-Schippach habe wegen der Verwendung von Löschschaum viel Sorgfalt wegen eines nahen Baches erfordert, blickte Lebold zurück. Viel habe auch die Miltenberger Feuerwehr zu tun gehabt, in deren Bereich zahlreiche Brände aufgetreten seien.

An den Feuerwehrschulen hätten sich im vergangenen Jahr 127 Teilnehmer weitergebildet, sagte Lebold, 259 Feuerwehrleute hätten diverse Lehrgänge besucht. Im Bereich Nord seien 206 Leistungsprüfungen abgelegt worden, im Bereich Süd 132. Bei Feuerwehrbesichtigungen habe man Wehren vor Ort unter die Lupe genommen, bei neu ins Programm aufgenommenen Planspielen habe man wichtige Erkenntnisse in Bezug auf Objekte im Schutzbereich mehrerer Wehren gewonnen. Der Kreisbrandrat ging auch auf mehrere Ersatz- und Neuanschaffungen in den Wehren ein, darunter 17 Stromerzeuger und zwei Unimogs aus Bundeswehrbeständen, einen Sonderlöschmittelcontainer in Kooperation mit der Firma Cibavision für die Feuerwehr Großwallstadt, Flachwasserschubboote für die Feuerwehr Stadtprozelten und die neue Drehleiter für den Südspessart. Mehrere Wehren hätten neue oder gut erhaltene, gebrauchte Fahrzeuge bekommen, die Bürgstadter Wehr habe als erste Wehr im Landkreis ein TLF 4000 beschafft. 2016 wolle man unter anderem einen Oktokopter in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Aschaffenburg anschaffen, um daran beispielsweise eine Wärmebildkamera zu befestigen. Auch einen Großlüfter für den Einsatz in Hochregallagern müsse man bedenken.

Personell habe sich einiges bei den Wehren getan, ließ Lebold die Namen neuer Kommandanten oder Kommandantenstellvertreter Revue passieren. Zum neuen Kreisbrandmeister sei 2015 Thomas Zimmermann (Erlenbach) bestellt worden, seit 1. Januar 2016 sei Patrick Richwien (Kleinwallstadt) Kreisbrandmeister Katastrophenschutz. In Simone Rohr (Inspektion Nord) und Christopher Braun (Süd) habe man zudem zwei neue ehrenamtliche Berater für den Digitalfunk, so Lebold.

Als neuer Kreisfeuerwehrjugendwart stellte sich Kilian Hein vor, der von 252 Jugendlichen in den Feuerwehren sprach. 4546 Übungsstunden seien beachtlich, sagte er, dazu kämen 3573 Stunden für Vorbereitung und Weiterbildung. In der Versammlung stellte sich auch der neue Rettungsdienstleiter des Roten Kreuzes, Björn Bartels, vor, der sich auf eine gute Zusammenarbeit mit der Feuerwehr freut.

Eine besondere Ehrung erfuhr Kreisbrandinspektor Johannes Becker, der seit 30 Jahren in der Kreisbrandinspektion tätig ist. Wolfgang Schmitt (Bürgstadt), der bisherige Kreis- und Bezirksjugendwart, bekam von Bezirksjugendwart Thomas Grimmer (Schwarzach) und seinem Stellvertreter Günther Rupkalvis (Veitshöchheim) die Ehrennadel in Silber der Jugendfeuerwehr Bayern überreicht. Schmitt war von 2004 bis 2015 Kreisjugendwart im Landkreis Miltenberg, Bezirksjugendwart von 2011 bis 2015 und zuvor stellvertretender Bezirksjugendwart.

Zu Beginn der Versammlung hatte Bürgstadts Bürgermeister Thomas Grün ein Grußwort an die Versammlung gerichtet, den musikalischen Auftakt der Tagung machte die bayrisch-böhmische Combo der Fränkischen Rebläuse Bürgstadt unter Leitung von Burkhard Meisenzahl.

Seit drei Jahrzehnten ist Johannes Becker (rechts) bereits für die Kreisbrandinspektion tätig. Diese Leistung honorierte im Namen der Kreisbrandinspektion Beckers Amtskollege Hauke Muders.
Mit der Ehrennadel in Silber der Jugendfeuerwehr Bayern honorierte der Bezirksverband der Jugendfeuerwehr den langjährigen Einsatz von Wolfgang Schmitt als Bezirks- und Kreisjugendfeuerwehrwart. Das Bild zeigt (von links) Kreisbrandrat Meinrad Lebold, Landrat Jens Marco Scherf, Wolfgang Schmitt sowie Bezirksjugendwart Thomas Grimmer und sein Stellvertreter Günther Rupkalvis.

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