Zwischen Trümmern und Drohnenalarm
Unter Zeitdruck und Gefahr: THW übt für den Ernstfall
- Alternative Rettungswege sind gefragt: Weil der reguläre Zugang nicht genutzt werden kann, schaffen die Einsatzkräfte über Leitern einen sicheren Weg in das Gebäude und bereiten die Rettung von außen vor.
- Foto: THW Miltenberg
- hochgeladen von Wolfgang Bohlender
Ein beschädigtes Wohngebäude, die Innentreppe teilweise zerstört, mehrere Menschen werden vermisst. Während die Einsatzkräfte nach einem sicheren Zugang suchen, ändert sich die Lage plötzlich: Drohnenalarm! Die Arbeiten müssen sofort unterbrochen werden, die Helferinnen und Helfer ziehen sich zurück. Was wie ein reales Einsatzgeschehen wirkt, ist Teil einer groß angelegten Zivilschutzübung des THW-Regionalbereichs Karlstadt auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg.
Rund 150 Einsatzkräfte stellten sich dort anspruchsvollen und bewusst realitätsnah gestalteten Schadenslagen. Beteiligt waren die THW-Ortsverbände Alzenau, Karlstadt, Kitzingen, Lohr, Marktheidenfeld, Ochsenfurt, Würzburg und Miltenberg. Der Truppenübungsplatz bot mit seinen unterschiedlichen Übungsobjekten ideale Voraussetzungen, um Einsatzsituationen zu proben, bei denen technisches Können ebenso gefragt war wie besonnenes Handeln unter Zeitdruck.
Eine der Stationen wurde vom THW Ortsverband Miltenberg betreut. Das Szenario: Nach einem angenommenen Drohnenangriff ist ein Wohngebäude beschädigt und teilweise einsturzgefährdet. Mehrere Personen befinden sich noch im Gebäude.
Der übliche Weg in die oberen Geschosse ist versperrt, weil Teile der Innentreppe zerstört sind. Die Einsatzkräfte müssen zunächst die Lage erkunden, mögliche Gefahren beurteilen und einen alternativen Zugang schaffen. Über eine Steckleiter gelangen sie schließlich in das erste Obergeschoss. Dort werden die vermissten Personen gefunden, versorgt und auf ihre Rettung vorbereitet.
Zusätzliche Herausforderung: Die Betroffenen sprechen ausschließlich Englisch. Auch unter diesen erschwerten Bedingungen müssen die Helferinnen und Helfer ruhig kommunizieren und die Rettung sicher koordinieren. Für den Transport aus dem Gebäude kommt unter anderem der sogenannte Leiterhebel zum Einsatz, mit dem Personen auch aus schwer zugänglichen Bereichen schonend gerettet werden können.
Wenn sich die Lage innerhalb von Sekunden verändert
Doch die technische Rettung ist nur ein Teil der Aufgabe. Während des laufenden Einsatzes ertönt plötzlich das zuvor vermittelte Signal für einen Drohnenangriff. Die Einsatzkräfte müssen ihre Tätigkeit unverzüglich einstellen, die Situation neu bewerten und sich in Sicherheit bringen.
Sogenannte Störer werden ebenfalls in das Szenario eingebaut. Damit rückt neben der eigentlichen Hilfeleistung vor allem die Sicherheit der Einsatzkräfte in den Mittelpunkt. Die Übung zeigt: Eine zunächst überschaubar erscheinende Lage kann sich innerhalb weniger Augenblicke grundlegend verändern.
An den weiteren Stationen warten ebenfalls anspruchsvolle Aufgaben auf die Helferinnen und Helfer. Beschädigte und eingestürzte Gebäude müssen erkundet, vermisste Personen gesucht, Verletzte versorgt und aus Gefahrenbereichen gerettet werden. Dabei kommen verschiedene Rettungsverfahren zum Einsatz – vom Leiterhebel über die schiefe Ebene bis zum Einsatz-Gerüst-System (EGS). In weiteren Szenarien gilt es, unter einem Fahrzeug oder einem Baumstamm eingeklemmte Personen zu befreien.
Gefragt ist dabei nicht allein technisches Wissen. Entscheidend sind klare Kommunikation, abgestimmte Abläufe und das Zusammenspiel der verschiedenen Einheiten. Gerade unter schwierigen Bedingungen müssen Entscheidungen schnell getroffen werden, ohne dabei die eigene Sicherheit und die der Betroffenen aus den Augen zu verlieren.
Ein weiterer Schwerpunkt der Übung ist die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr. Bereits am Vorabend erhalten die THW-Kräfte Informationen über unterschiedliche Munitionsarten und deren Wirkung. Im Beschussgarten und am »Haus der Sprengfallen« lernen sie anschließend, Munition und mögliche Sprengkörper zu erkennen und Gefahren richtig einzuschätzen. Wissen, das insbesondere bei Zivilschutzeinsätzen für die Sicherheit der Einsatzkräfte von großer Bedeutung sein kann.
Am Ende steht eine wichtige Erkenntnis: Zivilschutz verlangt weit mehr als die sichere Beherrschung einzelner technischer Handgriffe. Einsatzlagen können komplex sein und sich jederzeit verändern. Umso wichtiger ist es, Abläufe regelmäßig unter realistischen Bedingungen zu üben und Erfahrungen gemeinsam auszuwerten.
Denn wenn aus einer Übung einmal Ernst werden sollte, bleibt für langes Überlegen oft keine Zeit. Dann müssen die Einsatzkräfte wissen, was zu tun ist, sich aufeinander verlassen können – und jeder Handgriff muss sitzen.
Autor:Wolfgang Bohlender aus Miltenberg |
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