Atommüll-Lagerung
Jetzt mitreden bei der Endlagersuche - Fachkonferenz im Juni für alle Interessierten

Hier ein Eindruck von der Konferenz im Februar 2021
  • Hier ein Eindruck von der Konferenz im Februar 2021
  • Foto: BASE/Bildkraftwerk/Kurc
  • hochgeladen von Sabine Rindsfüsser

Deutschland sucht ein Endlager für atomare Abfälle – eine Suche, die heutige und auch kommende Generationen beschäftigen wird: Bis 2031 soll ein tiefengeologisch sicherer Standort gefunden werden. Ende 2020 hat die Bundesgesellschaft zur Endlagerung (BGE) mit 90 Teilgebieten gut die Hälfte der Fläche Deutschlands für grundsätzlich geologisch geeignet für ein Endlager für knapp 30.000 Kubikmeter hochradioaktiven Abfalls erklärt. Auch weite Teile des Spessarts und Odenwalds und damit der Landkreis Miltenberg gehören dazu.

Beteiligungsmöglichkeit für alle Bürgerinnen und Bürger

Die nächste Möglichkeit für die Bevölkerung, an der Endlagersuche mitzuwirken, ist im Juni: Von Donnerstag, 10. Juni, 16 Uhr, bis Samstag, 12. Juni 2021, 18 Uhr, läuft die „Fachkonferenz Teilgebiete“. Die Anmeldung für diesen Termin ist eröffnet. Die Informationen zur Anmeldung sowie ein Programmentwurf sind zu finden unter www.fachkonferenz-anmeldung.de. An der Konferenz kann jede/r Interessierte/r – BürgerInnen, VertreterInnen von Kommunen, gesellschaftlichen Organisationen und WissenschaftlerInnen teilnehmen. Die Veranstaltung wird Pandemie-bedingt digital stattfinden.

Karolina Speth ist Leiterin des Sachgebietes „Immissionsschutzrecht, Staatliches Abfallrecht sowie Bodenschutz und Altlasten“ beim Landratsamt in Miltenberg. Sie vertritt den Landkreis darüber hinaus im Bayerischen Begleitgremium. „Die Fachkonferenzen sind wirklich für jeden zu empfehlen, der sich für die Thematik der Endlagersuche interessiert.“

Fachkonferenz – Ablauf

Am 10. Juni finden zunächst Vorträge zu Beteiligung und Transparenz statt und die Ergebnisse der Jugendworkshops zur Endlagersuche werden vorgestellt. Am zweiten und dritten Konferenztag, 11. und 12. Juni, gibt es Arbeitsgruppen, u. a. zu den Sicherheitsanforderungen, zu den Geodaten und zur Selbstorganisation. Am Schlusstag, Samstag, 12. Juni, werden ab 14 Uhr die Ergebnisse der Arbeitsgruppen vorgestellt. Außerdem ist die Wahl der neuen AG Vorbereitung vorgesehen. 
Das Besondere der Fachkonferenz Teilgebiete: Die Teilnehmenden organisieren sich selbst, bestimmen selbst über den Inhalt, die Schwerpunkte und den Ablauf der Konferenz. Die Fachkonferenz wird von einer Geschäftsstelle unterstützt, welche am Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) angesiedelt ist.

Landrat Scherf: Teilnahme ist immens wichtig – Jugend ist gefragt!

An der ersten Fachkonferenz im Februar hatten aus dem Landkreis neben Landrat Jens Marco Scherf auch der Vorsitzende des Bayerischen Gemeindetags, Jürgen Reinhard (Bürgermeister Niedernberg) sowie Sachgebietsleiterin Karolina Speth teilgenommen. Neben den „offiziellen“ Teilnehmenden gab es rund 1.400 weitere Angemeldete.
Karolina Speth:

„Meiner Einschätzung nach waren die Beteiligten der ersten Fachkonferenz vor allem Menschen, die sich über die letzten Jahrzehnte mit Wackersdorf und Gorleben auseinandergesetzt und sich dadurch einiges an Wissen zu geologischen und sonstigen Kriterien eines Endlagerstandortes angeeignet haben. Hier spürt man ein starkes Interesse verbunden mit einem hohen Verantwortungsbewusstsein für die folgenden Generationen, die eigenen Kinder oder Enkel. Laut Gesetz wird die Festlegung des Standortes für das Jahr 2031 angestrebt. Dass dieser Termin tatsächlich gehalten wird, glaubt allerdings keiner. Eine Inbetriebnahme wird insofern noch sehr viel später erst die derzeit junge Generation wirklich betreffen. Daher ist es jetzt sehr, sehr wichtig, dass sich junge Menschen aktiv einbringen, damit sie in das Thema hineinwachsen können und dann quasi den Stab von den Älteren übernehmen.“

Auch Landrat Jens Marco Scherf ruft vor allem die jungen Menschen dazu auf, sich aktiv an der Fachkonferenz zu beteiligen und die eigenen Bedenken und Anregungen einzubringen.

„Es besteht bei der Konferenz kein Anspruch, dass man sich fachlich äußert oder Spezialist für die Endlagersuche ist. Jede/r am Thema Interessierte erfüllt die Voraussetzung zur Teilnahme. Und – je mehr mitmachen, ein umso größeres Gewicht werden die Fragen, Bedenken und Anregungen haben, die letztendlich alle im Abschlussbericht berücksichtigt werden müssen. Der Prozess steht ganz am Anfang, es sind jetzt 90 Teilgebiete, die nach und nach genau untersucht werden, so dass am Ende 6 bis 8 Gebiete in die ganz enge Wahl kommen werden. Das ist dann quasi die Lostrommel, aus der gezogen wird. Daher ist es uns in den bayerischen Gebieten wichtig, eine hohe Beteiligung zu haben und Zweifel an der bisherigen Auswahl der Teilgebiete zu dokumentieren.“

Scherf ist froh, dass in Bayern Landkreise und Gemeinden sehr engagiert arbeiten und die Bevölkerung informieren.

Bürgermeister Jürgen Reinhard (Niedernberg) legt als Vorsitzender des Bayerischen Gemeindetags besonderen Wert auf die regelmäßige Information der Kommunen:

„Ich sehe meine Aufgabe innerhalb des ganzen Prozesses u. a. darin, die Kommunen, d. h. meine Amtskolleginnen und –kollegen der genannten Teilgebiete, auf dem Laufenden zu halten. Wir sind die ersten Ansprechpartner in den Regionen und sollten uns daher auch kommunalpolitisch breit aufgestellt mit einbringen. Für detaillierte Aussagen oder auch Befürchtungen, ob das Endlager tatsächlich zu uns kommen könnte, ist es aber noch viel zu früh. Die Endlagersuche ist ein ergebnisoffener Prozess und steht erst ganz am Anfang. Die Bundesgesellschaft zur Endlagerung hat 90 Teilgebiete als theoretisch geeignet erklärt – fast die halbe Bundesrepublik – und unsere Region, der Landkreis Miltenberg und fast ganz Unterfranken, ist eines dieser Teilgebiete in Bayern, neben Flächen in der Oberpfalz, Niederbayern und speziell dem Bayerischen Wald. Jetzt geht es darum, anhand von wissenschaftlichen Kriterien und unter näherer geologischer Betrachtung alle Gebiete zu bewerten und nach und nach die ungeeigneten auszuschließen. Das ist ein langwieriges Verfahren, an dessen Ende – vielleicht 2030 – die Entscheidung des Bundestages über das Endlager steht. Neben den Gemeinden ist auch die Öffentlichkeit jetzt dazu eingeladen, sich mit Fragen und Bedenken einzubringen, dazu dienen u. a. die 3 bundesweiten Fachkonferenzen. An der ersten im Februar habe ich teilgenommen, es waren insgesamt rund 1.400 Teilnehmer angemeldet. Die nächsten Termine sind Anfang Juni und Anfang August wieder als Online-Veranstaltungen geplant. Grundsätzlich kann sich jeder mit einbringen, es sollte aber schon ein Interesse für die ganze Thematik vorhanden sein, denn das Thema ist kein leichtes. Es gibt verschiedene Arbeitsgruppen, die ausgewählt werden können. Ich kann als Teilnehmer einfach nur zuhören, mich informieren und mir eine Meinung bilden. Wenn ich selbst etwas beitragen möchte, kann ich Fragen stellen, teils direkt oder im Chat. Es ist schon sehr fachspezifisch, aber das sollte kein Hinderungsgrund sein. Eine breite Beteiligung der Bevölkerung hat ja auch eine Wirkung, denn alle Beratungsergebnisse und Bedenken der Fachkonferenzen werden in einem Bericht dokumentiert und bewertet. Diese Berichte fließen wiederum in die Entscheidungsfindung der BGE mit ein.“

Welche Lehre kann man ziehen?

Landrat Jens Marco Scherf:

„Es gibt keinen idealen Standort für das Endlager. Unsere Gesellschaft muss jetzt die Probleme aus 50 Jahren friedlicher Nutzung der Kernenergie lösen und eine Entscheidung für die nächsten 1 Million Jahre treffen. Wenn es eine Lehre daraus gibt, dann die, dass wir nur Entscheidungen treffen dürfen, deren zeitliche und globale Folgen nach menschlichem Ermessen zu überblicken sind.“

Mein persönlliches Fazit: Mit einer Entscheidung über ein Endlager ist vor 2030 nicht zu rechnen, die Inbetriebnahme kommt noch später. Da wird der eine oder andere abwinken und sagen „betrifft mich nicht mehr.“ Doch beim Atommüll greift das Floriansprinzip nicht, denn dessen Entsorgung wird – wenn schon nicht uns selbst – auf jeden Fall unsere nachfolgenden Generationen belasten. Viele aus meiner Generation (Jg. 1964) haben früher bei „Atomkraft, nein Danke!“ die Augen verdreht, so wie es heute bei „Fridays for future“ wieder passiert. Das sollten wir uns verkneifen, wenn wir nicht auch noch den Kampf gegen den Klimawandel verlieren möchten. 

Anmeldung zur Fachkonferenz unter www.fachkonferenz-anmeldung.de

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) mbH ist Vorhabenträgerin der Endlagersuche. Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) beaufsichtigt das Verfahren der Endlagersuche und verantwortet die Öffentlichkeitsbeteiligung. Alle Infos unter www.endlagersuche-infoplattform.de.

Autor:

Sabine Rindsfüsser aus Miltenberg

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