Bildergalerie und Essay.
Sommer zwischen Freud‘ und Leid, Licht und Schatten.
- Frisch auf den Tisch!
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Sommer, Strömung, Spessart – Ein Tag zwischen Schönheit und Gefahr.
Hitze, Hügel, Hochwald
Der Sommer im Odenwald beginnt mit einem warmen Atem, der sich über die Hügel legt wie ein unsichtbarer Schleier. In den Tälern sammelt sich die Hitze, bleibt zwischen den Buchenhängen stehen und verdichtet die Luft zu einem flirrenden, fast vibrierenden Raum. Wer am späten Vormittag auf den Waldwegen unterwegs ist, spürt, wie die Wärme nicht nur die Haut berührt, sondern den Rhythmus des eigenen Körpers verändert. Die Natur fordert Pausen, Schatten, Wasser – und sie tut es mit einer stillen, aber eindringlichen Stimme.
Wolken, Wipfel, Wettersturz
Im Spessart hat der Sommer seine eigene Dramaturgie. Ein Windstoß, der plötzlich nach Herbst riecht, ein Rascheln in den Wipfeln, das nicht mehr zum hellen Mittag passt – und schon kippt die Stimmung. Die Gewitter kommen hier nicht beiläufig, sondern mit einer Wucht, die das Mittelgebirge seit Jahrhunderten prägt. Ein Blitz, der die Eichenkronen spaltet, ein Donner, der über die Höhen rollt und in den Tälern nachhallt. Wer in diesen Minuten im Wald steht, spürt die uralte Kraft des Spessarts, der sich in solchen Momenten zeigt, wie er wirklich ist: wild, eigenwillig, unverhandelbar.
Main, Mündung, Menschenmut
Im Maintal wirkt der Sommer zunächst wie ein Versprechen. Der Main liegt ruhig da, ein breiter, glänzender Spiegel, der die Uferorte in ein mildes Licht taucht. Doch unter der Oberfläche arbeitet die Strömung, zieht, drängt, schiebt – ein unsichtbarer Motor, der schon manchen überrascht hat. Wer überhitzt ins Wasser springt, erlebt den Kälteschock wie einen Schlag. Wer die Strömung unterschätzt, merkt erst spät, dass sie stärker ist als gedacht. Der Main ist schön, aber er ist kein stiller See. Er hat seine eigene Logik, seine eigene Kraft, die man respektieren muss.
Tauber, Täler, Tagesgefahren
Im Taubertal erzählt der Sommer seine Geschichten leiser. Die Felder liegen weit und offen, die Weinberge ziehen sich wie grüne Zeilen über die Hänge. Doch auch hier lauern die kleinen Gefahren, die man erst bemerkt, wenn sie schon da sind. Eine Zecke im hohen Gras, eine Wespe, die sich für den Kuchen interessiert, ein kaum sichtbarer Faden aus den Brennhaaren des Eichenprozessionsspinners, den der Wind über die Wege trägt. Sie alle gehören zu dieser Landschaft, so selbstverständlich wie die Lerchen über den Feldern oder die warmen Abende in den Dörfern.
Abend, Atem, Ausklang
Wenn die Hitze nachlässt und die Luft wieder weich wird, kehren die Menschen zurück: vom Wald, vom Wasser, aus den Feldern. Manche mit einem Sonnenbrand, manche mit einem Mückenstich, manche mit dem Gefühl, dem Gewitter gerade noch entkommen zu sein. Und doch tragen sie alle etwas von diesem Tag in sich – eine Ahnung davon, wie lebendig der Sommer ist, wie nah Schönheit und Gefahr beieinander liegen, wie sehr die Natur uns fordert und beschenkt.
Der Sommer im Odenwald, im Maintal, im Spessart und im Taubertal ist kein Postkartenmotiv. Er ist ein Roman, ein Drama, ein Gedicht. Wer ihn erlebt, weiß: Die Natur ist ein großartiger Erzähler. Man muss nur bereit sein, ihr zuzuhören.
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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