Bildergalerie und Essay
Exzellente, einstündige Zeitreise ins Jahr 1525 in Miltenberg.
- Götz von Berlichingen auf der Durchreise in Miltenberg beim Gespräch mit einer einheimischen Bürgerin.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Erste Impressionen vom 21. Mai 2025 von einer faszinierenden Stadtführung anlässlich des 500. Bauernkrieg-Gedenkjahres am Beispiel Miltenberg.
Unterwegs in Miltenberg anno 1525 im Bauernkriegsjahr.
Zeitreise fünf Jahrhunderte zurück und Zusammentreffen mit sieben Leuten in der historischen Altstadt.
Miltenberg. Wer am vergangenen Mittwoch, dem 21. Mai 2025, zwischen neun und zehn Uhr in der Fußgängerzone unterwegs war, dürfte fast seinen Augen nicht getraut haben.
„Sieben auf einen Streich“ traf man als verkleidete, geschichtsträchtige Gestalten nach und nach zwischen
- Schwarzviertel,
- Schnatterloch,
- Fischergasse,
- am Gasthaus „Zum Riesen“ und
- direkt am Alten Rathaus.
Die bekannteste Persönlichkeit war Götz von Berlichingen mit der markanten „Eisernen Faust“, der unter anderem seinen bekannten Spruch zitierend, von sich und seinen Beweggründen als Anführer des „weißen Haufens“ berichtete.
Nicht fehlen durften Friedrich Weigand (Weygandt), der hiesige Amtmann,
sowie sein Schwager, der populäre protestantische Pfarrer Johannes Drach.
An der Pfarrkirche St. Jakobus d. Ä.bat ein barfüßiger Bettler um eine milde Gabe.
Der kontaktfreudige Riesenwirt erzählte unweit seiner Wirkungsstätte von seinen alltäglichen Pflichten bei der Rückkehr vom Burgschmied, wo sein Wirtshausschild repariert worden war.
Ein umtriebiger, kenntnisreicher Zeidler (Bienenzüchter) spendierte Honig und eine wohlhabende, sympathische Bürgerin wies den Weg durch die Fischergasse an den Leinreiter-Behausungen vorbei zur altehrwürdigen Apotheke und zum Staffelbrunnen.
Wäre nicht der gegenwärtige Alltag zur Wochenmitte mit Lieferverkehr, renovierenden Handwerkern, vorbeifahrenden Radfahrern und einkaufenden Zeitgenossen gewesen, hätte jeder Gast sich fünfhundert Jahre voll und ganz zurückversetzt gefühlt.
Vor einem standen im passenden Outfit präsentierend und in der damaligen Sprache artikulierend,
authentisch anmutende Personen,
die Vieles von sich, von ihrem Leben und ihrem Schicksal rund um das Bauernkriegsjahr 1525 erzählten.
Wer die Begegnung mit Gestalten aus der Zeit vor fünfhundert Jahren selbst erleben möchte, hat dazu noch die Möglichkeit an drei weiteren Terminen.
• Stadtführungen mit darstellenden Stadtführern in Miltenberg (12.07., 20.09. und 11.10.2025),
Historischer Hintergrund:
1524 / 1525 erhoben sich ländliche und städtische Untertanen ("der gemeine Mann") gegen ihre Obrigkeiten.
Diese erste Massen-Erhebung der deutschen Geschichte heißt seit langem meist "Bauernkrieg",
obwohl sie nicht nur Bauern im engeren Sinne, sondern auch klein- und unterbäuerliche, städtische Mittel- und Unterschichten sowie Bergknappen umfasste.
In den Zwölf Artikeln wurde beispielsweise gefordert, die Herrschaft nach dem göttlichen Recht (Heilige Schrift) neu zu ordnen.
Ursachen der Erhebung:
Der Bauernkrieg entsprang einer "Vielfalt und Komplexität der Ursachen“ - lokal oft unterschiedlicher Konfliktfelder.
Am Anfang standen
herrschaftliche,
wirtschaftliche und
soziale Probleme
im Gefolge von Pest und
Agrarkrise,
- auf welche die Herren mit widerrechtlich erhöhten Forderungen reagierten, indem sie die Leibeigenschaft neu belebten,
- um Macht- und Einkommensverluste auszugleichen und / oder
- um ihre territoriale Herrschaft auf- und auszubauen, wie spätmittelalterliche Unruhen und "Bundschuh-Aufstände" belegen.
Der Bauernkrieg scheiterte.
Wo die Untertanen militärisch unterlagen, zahlten sie einen hohen Preis:
- Schlachtentote
- Exil
- Hinrichtung und Verstümmelung von Rädelsführern
- Geldstrafen und Schadenersatz
- Entwaffnung
Bilanz:
Im Verbreitungsgebiet des Bauernkrieges verschlechterte sich die Lage der Untertanen nicht weiter, aber östlich der Elbe, wo die Gutsherrschaft entstand.
Der Bauernkrieg war also zwar nicht erfolgreich, wohl aber nicht gänzlich umsonst gewesen.
Weitere Bilder und Infos folgen!
BU 1: Persönlichkeiten im Bauernkrieg vor 500 Jahren in und um Miltenberg: v. l. Zeidler, Amtmann, Pfarrer, Gastwirt, Götz von Berlichingen und Bürgerin. Gesehen am 21.05.2025 am Marktplatz.
Foto Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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