Bildergalerie und Essay.
Main, Menschen, Mittendrin. - Gründonnerstag bei uns.
- Die Uferbäume tragen frisches Grün, und die Knospen der Frühblüher öffnen sich, als wollten sie den Feiertagen ein Stück voraus sein.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Der Gründonnerstagnachmittag 2026 zeigt sich in Bürgstadt von seiner freundlichsten Seite. Ein wolkenloser Himmel spannt sich über den Main, das Blau wirkt beinahe übermütig, und die 14 Grad Celsius lassen den Frühling endlich ernst werden.
Auf dem Fluss begegnen sich Ausflugsschiff und Frachter, das eine zieht gemächlich mainaufwärts Richtung Freudenberg, das andere schiebt sich in die Gegenrichtung und lässt die Kreisstadt linkerhand zurück.
Die Uferbäume tragen frisches Grün, und die Knospen der Frühblüher öffnen sich, als wollten sie den Feiertagen ein Stück voraus sein.
Auf dem Spielplatz herrscht Ferienbetrieb. Eltern begleiten ihre Kinder, während Jogger, Radfahrer und Inlineskater ihre Runden drehen.
Ein Erstklässler überreicht seiner zwei Jahre älteren Schwester einen selbstgepflückten Strauß aus Schlüsselblumen, und ihr Lächeln verrät, dass dieser kleine Moment mehr bedeutet als jedes gekaufte Geschenk.
Ein Vater spielt mit seinen beiden Kindern Fußball und telefoniert gleichzeitig weiter, bis die Tochter mit neun Jahren ein Tor erzielt und den Treffer mit der Selbstverständlichkeit einer Stadionsprecherin verkündet. Der Vater nimmt es sportlich und setzt sein Gespräch unbeirrt fort.
Am Ufer führt eine Seniorin ihren großen Hund aus, die Leine straff, der Schritt bestimmt. Auf einer Bank gönnt sie sich eine Pause, der Hund erhält ein Leckerli als Wegzehrung.
Zwei Teenager haben eine Decke ausgebreitet, die Smartphones liegen griffbereit, Cola und Kekse in Reichweite – ein kleines Lager jugendlicher Unabhängigkeit.
An der Erf-Mündung steigt ein Senior von seinem Rad, setzt sich auf eine frei gewordene Bank und lässt sich von der Sonne wärmen, als hätte er diesen Platz schon den ganzen Tag gesucht.
Langsam leert sich das Ufer. Das Eis mit drei Kugeln, vor einer Stunde für 1,70 Euro pro Kugel gekauft, ist längst Geschichte.
Nun zieht es viele heimwärts, zum Kaffee, zur kurzen Ruhe vor dem Abend.
Denn später beginnt der Gottesdienst zum Gründonnerstag, mit Gebet, Fußwaschung und der Andacht an der Ölbergkapelle. Die stillen Tage vor Ostern rücken näher, leiser und schneller, als man es im Trubel des Alltags oft bemerkt.
Und doch liegt in diesem Nachmittag eine leise Vorfreude: auf das Fest, auf das Zusammensein mit der Familie, auf die vertrauten Rituale, die jedes Jahr neu und doch immer gleich tröstlich sind. Der Main hat sie alle gesehen – die Spaziergänger, die Kinder, die Hunde, die Radfahrer – und trägt sie nun weiter in Richtung Feiertage.
Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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