Bildergalerie und Essay.
Markusprozession in Miltenberg-Schippach.
- Auf zum Lindenbaum!
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Markus, Musik, Miteinander.
Ein Bittgang, der Schippach still und würdevoll verband.
Der Donnerstagabend des 23. April 2026 war einer jener frühen Frühlingsabende, an denen das Licht bereits milder wird, ohne seine Klarheit zu verlieren. In Miltenberg‑Schippach, wo die Wege vertraut und die Übergänge zwischen Alltag und Ritual fließend sind, machte sich die traditionelle Markusprozession von der Pfarrkirche St. Wendelin zum Lindenbaum und wieder zurück auf den Weg.
Es war kein lautes Ereignis, sondern eines, das aus der Ruhe seine Kraft bezieht. Pfarrvikar Winiarz erinnerte in seiner Ansprache an die Bedeutung dieses vorpfingstlichen Bittgangs: ein Gehen, das die Felder, die Familien und die kommenden Wochen unter den Schutz Gottes stellt. Die Fürbitten der Messe griffen diese Gedanken auf – schlicht, klar, getragen von der Hoffnung, dass Segen und Verantwortung einander nicht ausschließen, sondern ergänzen.
Der Zug selbst war ein Bild gelebter Gemeinschaft: Ministrantinnen, die mit konzentriertem Schritt vorangingen, Musikerinnen und Musiker der Blaskapelle, deren Choräle sich weich über die Wegbiegungen legten, Erwachsene, Kinder, Jugendliche, Senioren – ein Miteinander, das nicht inszeniert war, sondern selbstverständlich. Die Freiwillige Feuerwehr sicherte die Durchgangsstraße nach Heppdiel‑Windischbuchen und Miltenberg‑Wenschdorf ab und schuf jene stille Schutzhaut, die ein Ritual braucht, um ungestört wirken zu können.
Am Lindenbaum, diesem unscheinbaren, aber seit Jahrzehnten bedeutsamen Ort, schien die Prozession für einen Moment zu verweilen – nicht nur körperlich, sondern innerlich. Vielleicht war es die Abendluft, vielleicht die Musik, vielleicht die schlichte Geste des gemeinsamen Stehens: Der Bittgang erhielt dort jene Tiefe, die man nicht planen kann, die aber entsteht, wenn Menschen gemeinsam unterwegs sind.
Beim Rückweg zur Kirche lag über Schippach eine Atmosphäre, die weder feierlich noch alltäglich war, sondern etwas dazwischen – ein stilles Einverständnis, dass Traditionen dann lebendig bleiben, wenn sie getragen werden, nicht aus Pflicht, sondern aus Verbundenheit.
Fazit:
Die Markusprozession zeigte sich in diesem Jahr als ein leiser, würdevoller Ausdruck dörflicher Gemeinschaft – ein Ritual, das nicht auf Wirkung zielt, sondern auf Zusammenhalt.
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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