80 Jahre Menschen, die helfen
BRK Kreisverband Miltenberg-Obernburg feiert Jubiläum am Weltrotkreuztag mit Blick auf Geschichte, Menschlichkeit und humanitäres Völkerrecht

Festabend zum 80-jährigen Bestehen des BRK Kreisverbands Miltenberg-Obernburg. Von links: Bürgermeister Bernd Kahlert, Referent und BRK-Ehrenmitglied Reinhold Dietsch, Landrat Björn Bartels, BRK-Kreisvorsitzende Ute Afifi, Kreisgeschäftsführer Edwin Pfeifer, Bezirksgeschäftsführer des BRK Unterfranken Harald Erhard sowie Uwe Eisner, der zum 1. Oktober 2026 die Position des Kreisgeschäftsführers übernehmen wird.
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  • Festabend zum 80-jährigen Bestehen des BRK Kreisverbands Miltenberg-Obernburg. Von links: Bürgermeister Bernd Kahlert, Referent und BRK-Ehrenmitglied Reinhold Dietsch, Landrat Björn Bartels, BRK-Kreisvorsitzende Ute Afifi, Kreisgeschäftsführer Edwin Pfeifer, Bezirksgeschäftsführer des BRK Unterfranken Harald Erhard sowie Uwe Eisner, der zum 1. Oktober 2026 die Position des Kreisgeschäftsführers übernehmen wird.
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Im BRK Service Center in Miltenberg stand am 8. Mai ein besonderes Jubiläum im Mittelpunkt: Der BRK Kreisverband Miltenberg-Obernburg blickte auf sein 80-jähriges Bestehen zurück. Die Feier fand am Weltrotkreuztag statt, dem Geburtstag von Henry Dunant, dessen Idee von Menschlichkeit und unparteiischer Hilfe bis heute das Selbstverständnis des Roten Kreuzes prägt.

Zu den Gästen zählten Vertreter aus der Kommunalpolitik, den Rotkreuzgemeinschaften, der Blaulichtfamilie sowie aus Wohlfahrtsverbänden und Pflegeeinrichtungen.

Der Abend solle nicht nur Raum für Begegnung bieten, sondern auch Gelegenheit geben,

„den Blick schweifen zu lassen über die Ursprünge des Roten Kreuzes und die Geschichte unseres Kreisverbandes“,

so die BRK-Kreisvorsitzende Ute Afifi in ihrer Begrüßung.

Von den Nachkriegsjahren zur modernen Hilfsorganisation

In ihrer Ansprache zeichnete Afifi die Entwicklung des Kreisverbandes nach. Gegründet wurde dieser 1946,  in einer Zeit, die wie die Geburtsstunde der Rotkreuz-Idee vom Leid des Krieges geprägt war.
Die ersten Helferinnen und Helfer unter dem Zeichen des Roten Kreuzes im Landkreis unterstützten nach dem Zweiten Weltkrieg Flüchtlinge, Kriegsheimkehrer und Hungernde.
Heute ist der Kreisverband eine moderne Hilfs- und Wohlfahrtsorganisation mit einem breiten Angebot von Rettungsdienst über ambulante Pflege bis hin zu Hausnotruf, Fahrdiensten und Integrationshilfe.

„Seitens des Ehrenamtes bauen wir auf ein starkes Fundament aus rund 2.000 engagierten Helferinnen und Helfern“,

sagte Afifi. Sie dankte insbesondere den Ehrenamtlichen:

„Der Slogan ‚80 Jahre Menschen, die helfen‘ wird durch unsere ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer lebendig gemacht.“

Zugleich bezog sie auch die hauptamtlichen Mitarbeitenden, die Gremien sowie Fördermitglieder und Spender in ihren Dank ein.

Humanität als Auftrag

Im Mittelpunkt des Jubiläumsabends stand der Vortrag des BRK-Ehrenmitglieds Reinhold Dietsch, ehemaliger Bezirksgeschäftsführer des BRK Unterfranken. Unter dem Titel „Das humanitäre Völkerrecht – Idee, Anspruch, Herausforderung“ zeigte er auf, dass das humanitäre Völkerrecht konkrete Regeln umfasst, die darauf abzielen, Leid in bewaffneten Konflikten zu begrenzen und Menschlichkeit zu bewahren, und welche Rolle dabei die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung als zentrale humanitäre Organisation spielt.
Zudem erläuterte er, wie aus den Erfahrungen Henry Dunants nach der Schlacht von Solferino (1859) die Grundlagen des humanitären Völkerrechts entstanden und welche Bedeutung sie bis heute haben.

Zum Einstieg zitierte Dietsch aus Dunants Buch „Eine Erinnerung an Solferino“. Ein animierter Kurzfilm des Deutschen Roten Kreuzes zeigte anschließend, wie Dunants Entsetzen über das Leid tausender verwundeter Soldaten zur Gründung der internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung führte. Auf seine Initiative hin wurde 1864 in Genf die erste Genfer Konvention verabschiedet, der Grundstein des humanitären Völkerrechts.

Dietsch erinnerte an die sieben Grundsätze des Roten Kreuzes: Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität.

„Wir helfen nach dem Maß der Not“,

betonte er. Menschliches Leid lasse sich zwar häufig nicht verhindern, aber lindern, und dazu könne jeder Einzelne beitragen, so Dietsch.
Besonders berührend war Dietschs Schlusswort. Mit dem historischen Ruf „Tutti fratelli e sorelle“ - „Alle sind Brüder und Schwestern“ - erinnerte er an die Frauen von Castiglione, die Dunant halfen und nach der Schlacht von Solferino Verwundete ohne Unterschied versorgten. Dieser Satz wurde zum Sinnbild der Rotkreuz-Idee.

Nachdenkliche Worte

Miltenbergs Bürgermeister Bernd Kahlert zeigte sich von dem Vortrag bewegt.

„Es macht mich nachdenklich und zugleich sprachlos, dass man in der heutigen Zeit überhaupt noch über Kriegsgefahr, Krisen und Leid reden muss“,

sagte er.
Das Jubiläum erfülle mit „großer Dankbarkeit und berechtigtem Stolz“. Seit acht Jahrzehnten stehe der Kreisverband für Menschlichkeit, Hilfe und gelebte Solidarität.

„Ein Geburtstag unter Freunden“

Für den erst wenige Tage zuvor ins Amt eingeführten Landrat Björn Bartels war der Jubiläumsabend ein ganz besonderer Termin. Bartels war zuvor zehn Jahre beim BRK tätig, zuletzt als stellvertretender Kreisgeschäftsführer.

„Es ist nicht einfach nur der letzte Termin am Freitag, sondern ein Geburtstag unter Freunden“,

sagte Bartels.

„Es hat ein bisschen etwas von Nachhause kommen.“

Er betonte die Bedeutung des BRK für den Landkreis:

„Menschen, die helfen, sind ein unschätzbares Gut.“

Das BRK sei „für den Landkreis Miltenberg unverzichtbar“.

Wichtiger Teil der Rotkreuz-Familie

Auch Harald Erhard, Bezirksgeschäftsführer des BRK Unterfranken, hob die Bedeutung des Kreisverbandes hervor. Er würdigte insbesondere das starke ehrenamtliche Engagement und die gute Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamt.

„Ohne den Kreisverband Miltenberg-Obernburg wären wir in Unterfranken und Bayern in vielen Bereichen schlichtweg ärmer.“

Nach einem Abend voller Rückblicke, aktueller Herausforderungen und klarer Botschaften blieb vor allem ein Gedanke haften: Die Idee Henry Dunants ist auch über 160 Jahre nach Solferino aktueller denn je. Oder, wie Reinhold Dietsch es mit Dunants Worten formulierte: „Mitgefühl ist nie verschwendet.“

Autor:

Marlene Deß aus Miltenberg

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