Bildergalerie und Essay.
Straßenbau-Umleitung im Kaltenbachtal. Vorbildliche Rücksichtsmaßnahmen auf Amphibien.
- Umleitung wegen Straßenbaumaßnahmen im Kaltenbachtal
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Bau, Buntsandstein, Busverkehr – Das Kaltenbachtal im Odenwald im Umbruch.
Ein Tal im Ausnahmezustand.
Wer in diesen Wochen das Kaltenbachtal zwischen Eichenbühl-Pfohlbach und Walldürn-Kaltenbrunn betritt, spürt sofort: Hier wird nicht einfach eine Straße saniert. Hier wird ein Stück Odenwald neu geschrieben.
Das Tal, sonst ein stiller, fast verwunschener Korridor zwischen Waldhängen, Mühlen und Bachlauf, klingt nun nach Maschinen, nach Metall, nach Veränderung.
Die Straße, die sich wie ein schmaler Geduldsfaden durch das Tal zieht, ist aufgerissen.
Bagger stehen dort, wo sonst Rehe äsen. Walzen drücken sich Zentimeter für Zentimeter voran.
Und immer wieder blitzt der Buntsandsteinuntergrund auf – rötlich, feucht, uralt. Ein geologisches Tagebuch, das bei jedem Aushub eine neue Seite zeigt.
Die Baustelle, die das Tal verändert.
Die Maßnahmen sind umfassend: Rohrverlegung, Neu-Asphaltierung, Verbreiterung enger Passagen, Sicherheitsoptimierungen für den täglichen Schulbusverkehr.
Verantwortlich ist das Bayerische Bauamt Aschaffenburg/Miltenberg, das hier eine der wichtigsten Verbindungen zwischen den Eichenbühler Gemeindeteilen Windischbuchen und Pfohlbach ertüchtigt.
Die Straße war über Jahrzehnte ein Kompromiss: zu schmal, zu kurvig, zu nah am Hang, zu nah am Bach. Wer im Winter oder bei Starkregen unterwegs war, kennt die heiklen Stellen. Nun wird aus dem Kompromiss ein Versprechen: mehr Sicherheit, mehr Übersicht, mehr Zukunft.
Die drei Mühlen – stille Zeugen im Lärm
Mitten im Baustellenbetrieb stehen die drei historischen Mühlen wie Figuren eines alten Odenwaldromans:
Die Spritzenmühle, deren Wasserrad seit Jahrhunderten murmelt.
Die Lauersmühle, die in diesen Tagen fast wie ein logistischer Knotenpunkt wirkt.
Die Schulzenmühle, die stoisch am Rand der Bauarbeiten wacht.
Sie haben Kriege, Hochwasser, Stürme und Strukturwandel erlebt.
Nun erleben sie aus der Nähe Bagger und Walzen – und bleiben dennoch, was sie immer waren: Fixpunkte in einem Tal, das sich wandelt, ohne sich zu verlieren.
Der Feuersalamander – ein leuchtender Protagonist.
Zwischen Absperrband und Asphalt taucht er auf: der Feuersalamander.
Schwarz glänzend, gelb gefleckt, als hätte jemand ein Stück Nacht mit Sonnenlicht besprenkelt.
Er ist der heimliche Star des Tals.
Ein Tier, das seit Jahrhunderten hier lebt, das Feuchtigkeit liebt, Bachnähe braucht und in den frühen Morgenstunden gern über den Waldboden wandert.
Die Bauarbeiten nehmen Rücksicht auf ihn und seine stillen Wege. Amphibienschutzzäune ziehen sich entlang der Baustelle wie grüne Linien der Fürsorge. Sie schützen Kröten, Molche, Frösche – und eben jenen Salamander, der im Odenwald fast mythischen Status besitzt.
Der Alltag, der weitergehen muss.
Während die Maschinen arbeiten, muss der Verkehr weiterfließen.
Die Strecke war und ist Schulbusroute, Pendlerweg, Lebensader.
Zwei Umleitungen halten das Tal in Bewegung:
Über Pfohlbach – Heppdiel – Schippach.
Eine pragmatische, ruhige Route für alle, die Richtung Miltenberg oder Walldürn unterwegs sind.
Über Windischbuchen – Lauersmühle – Kaltenbrunn - Reinhardsachsen - Buchen.
Eine landschaftlich reizvolle Alternative, kurvig, waldnah, ideal für Ortskundige.
Beide Wege zeigen: Der Odenwald bleibt erreichbar, auch wenn seine Hauptader gerade erneuert wird.
Stimmen aus dem Tal.
Ein Landwirt aus Kaltenbrunn sagt:
„Es ist laut, ja. Aber es wird Zeit. Die Straße war einfach durch.“
Eine Mutter aus Windischbuchen meint:
„Wenn der Schulbus künftig sicherer durchkommt, nehme ich derzeit die Umwege gern in Kauf.“
Ein älterer Spaziergänger an der Lauersmühle lächelt:
„Ich beobachte das jeden Tag. Der Odenwald hat schon Schlimmeres erlebt. Und am Ende wird’s gut.“
Ein Tal zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Das Kaltenbachtal ist ein Ort, an dem Geschichte und Gegenwart sich berühren.
Die Mühlen erzählen von früher.
Der Buntsandstein erzählt von Jahrmillionen.
Die Baustelle erzählt von morgen.
Und irgendwo am Bachrand sitzt ein Feuersalamander, betrachtet die neue Schneise im Tal – und bleibt dennoch, was er immer war: ein Symbol für die stille Beharrlichkeit der Natur.
Ausblick.
Wenn die Maschinen abziehen, wird eine modernisierte, sicherere und langlebige Verbindung bleiben.
Eine Straße, die dem Tal gerecht wird.
Eine Straße, die den Menschen dient.
Eine Straße, die zeigt, dass Fortschritt und Landschaft sich nicht ausschließen müssen.
Vielleicht wird man später sagen:
Es war die Zeit, in der das Kaltenbachtal kurz den Atem anhielt – um danach umso freier durchzuatmen.
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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