Was haben uns Kreuzwege heute noch zu sagen? - Hans König und Jutta Winterheld zeigen den Leidensweg Jesu Christi
- Veranstaltung "Kreuzwege"
- Foto: Cornelia König-Becker
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„Kreuzwege“ - unter diesem so einfachen wie prägnanten Titel stand eine Veranstaltung, zu der Cornelia König Becker nach Amorbach in ihren „Raum für Kunst, Kultur, Gespräche, Begegnungen“ eingeladen hatte. Sie selbst stellte den Kreuzweg ihres Vaters Hans König vor, den dieser in den 50er Jahren für die Kirche in Trennfurt geschaffen hatte. Jutta Winterheld präsentierte ihre Darstellung des Leidensweges Jesu Christi aus den 90er Jahren, der sich in der Kapelle Maria Hilf in Miltenberg-Nord befindet.
Die gut besuchte Veranstaltung führte zu anregenden Gesprächen und einer regen Beteiligung der Anwesenden. Einführend ging Cornelia König-Becker auf die Geschichte der Kreuzweg-Darstellungen ein, die bis ins Mittelalter zurück reichen. Etwa ab dem 17. Jahrhundert wurden sie in katholischen Kirchen üblich.
Die 14 Kreuzweg-Stationen ihres Vaters - jener Kreuzweg, der den großen Brand der Trennfurter Kirche fast unbeschadet überstanden hatte - stellte König-Becker anhand eines Videos vor, das sie durch weitere Ausführungen ergänzte. Besonders hob sie das heute außergewöhnliche Material hervor: Hans König erstellte den Kreuzweg als eine Serie von Mosaiken aus unregelmäßig gebrochenen Keramikplatten. Dieses spröde Material bestimmt die strenge Formensprache und die klaren Strukturen. Das in weiß gehaltenen Gewand des Gottessohnes wird dabei zum durchgängigen Motiv, das in allen Stationen erscheint und in der letzten, der Grablegung, besonders hervortritt. Denn obwohl hier der Tod dargestellt ist, verweist die aufrechte Haltung Jesu bereits auf die Auferstehung, die Überwindung des Todes.
Demgegenüber ist der 15teilige Kreuzweg von Jutta Winterheld expressiver, in Acrylfarben auf Leinwand gemalt. Er endet nicht mit der Grablegung, sondern umfasst eine weitere Station zur Auferstehung. Die Künstlerin erläuterte ihre Arbeitsweise und ihr Herangehen an das Thema exemplarisch an drei Stationen: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch, Jesus wird seiner Kleider beraubt und Grablegung. Im Namen Veronika wird der Lateinische Begriff Vera Icon, wahres Abbild, bereits angedeutet, da nach Überzeugung vieler Christen das Antlitz Jesu sich auf dem Schweißtuch abbildete. Die geraubte Kleidung Jesu wird bei Jutta Winterheld zu einer symbolisch blutroten Fläche mit einem gelben Davidsstern, einem Verweis in die jüngere Geschichte, da jüdische Menschen diesen an der Kleidung zu tragen hatten.
Nach den Ausführungen zu den Kreuzwegen entspann sich eine anregende Diskussion. Was kommt nach dem Tod? Was sagen die Weltreligionen dazu, die z.B. auch den Glaube an Wiedergeburt vertreten? Welche Verantwortung für mein eigenes Handeln entspringt aus meinem Glauben, aus meinem endlichen Leben auf Erden? Die Anwesenden waren sich einig, dass man dem Religiösen wieder näher kommt, wenn man sich auf die Grundfragen des Lebens einlassen kann. Dazu sind auch künstlerische Mittel gut geeignet, z.B. die Darstellung des Kreuzweges.
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