Bildergalerie und Essay.
Winterwanderung bei uns.

Auch im Februar ist das Erftal und der Kohlgrund ein ökologisch aktiver Raum. Der Graureiher, der am Hang auf Mäusejagd geht, nutzt die offene Wintervegetation: Die Gräser liegen flach, die Deckung ist gering, die Beute leichter zu orten. Seine Präsenz zeigt, dass das Tal ein funktionierendes Feuchtgebietssystem besitzt – selbst in der kalten Jahreszeit.
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  • Auch im Februar ist das Erftal und der Kohlgrund ein ökologisch aktiver Raum. Der Graureiher, der am Hang auf Mäusejagd geht, nutzt die offene Wintervegetation: Die Gräser liegen flach, die Deckung ist gering, die Beute leichter zu orten. Seine Präsenz zeigt, dass das Tal ein funktionierendes Feuchtgebietssystem besitzt – selbst in der kalten Jahreszeit.
  • hochgeladen von Roland Schönmüller

Im Vordergrund die Erdgeschichte, die geomorphologischen Prozesse, die hydrologische Dynamik und die ökologische Vielfalt des Erftals und Kohlgrunds:
ein Einblick in eine Landschaftsminiatur bei uns.

Erftal im Februar – Ein geologischer und naturkundlicher Gang durch ein lebendiges Tal.

Es gibt Landschaften, die wirken im Winter wie schlafende Wesen. Und es gibt das Erftal. Am 9. Februar 2026 ist es nicht nur wach, sondern in Bewegung: Wasser schießt unaufhörlich talwärts, als wolle es die Geschichte der Region noch einmal freispülen. Zwischen Eichenbühl und Bürgstadt, im Kohlgrund, öffnet sich ein geologisches Archiv, das sich dem geduldigen Wanderer Schicht für Schicht erschließt.

I. Das Tal als geologisches Lehrbuch

Der Kohlgrund ist ein Paradebeispiel für die Buntsandsteinlandschaft des südwestlichen Spessarts. Die farbigen Mauern – rot, violett, ocker – bestehen aus Sedimenten, die vor rund 250 Millionen Jahren in einem ariden, wüstenhaften Klima abgelagert wurden. Die feinen Schichtungen, die man an den aufragenden Wänden erkennt, sind nichts anderes als versteinertes Windspiel: Dünenkämme, Flugsande, episodische Flussläufe.

Im Februar tritt die Geologie besonders klar hervor. Der Regen der letzten Tage hat die Sandsteinflächen dunkel gefärbt, die Poren geöffnet, die Maserungen hervorgehoben. Man sieht die Kreuzschichtungen, die Rippelmarken, die kleinen Auswitterungen, die wie Miniaturhöhlen wirken. Jeder Meter erzählt von einem Klima, das mit dem heutigen nichts mehr zu tun hat – und doch die Grundlage für die heutige Landschaft bildet.

II. Hydrologie in Echtzeit

Das Wasser ist der eigentliche Erzähler dieses Tages. Es rinnt aus den Hängen, sammelt sich in Rinnen, verschwindet im Untergrund und taucht weiter unten wieder auf. Die Quellen im Kohlgrund reagieren sensibel auf Niederschläge: Der Buntsandstein ist porös, speichert Wasser, gibt es aber schnell wieder ab. So entstehen die typischen intermittierenden Bäche, die im Sommer versiegen und im Winter zu lebendigen Adern werden.

Der kleine Bach, der vom Bürgstadter Centgrafenberg herabkommt, ist ein Musterbeispiel für diese Dynamik. Er führt Sedimente aus den Heunessteinbrüchen mit sich – winzige Körner, die einst Teil mächtiger Sandsteinplatten waren. Das Wasser modelliert die Landschaft im Kleinen, wie es die Urflüsse im Großen taten.

III. Ökologie am Hang – ein stilles Winterlabor

Auch im Februar ist das Erftal ein ökologisch aktiver Raum. Der Graureiher, der am Hang auf Mäusejagd geht, nutzt die offene Wintervegetation: Die Gräser liegen flach, die Deckung ist gering, die Beute leichter zu orten. Seine Präsenz zeigt, dass das Tal ein funktionierendes Feuchtgebietssystem besitzt – selbst in der kalten Jahreszeit.

Die Wildschweinspuren erzählen von nächtlicher Aktivität. Die Tiere wühlen nach Wurzeln, Engerlingen, Eicheln – und hinterlassen dabei kleine geomorphologische Eingriffe: Miniaturkrater, die den Boden durchlüften und die Samenverteilung fördern. Ein natürlicher Bodenbearbeiter, der im Spessart seit Jahrtausenden wirkt.

Pferde wiederum prägen die Offenflächen. Ihre Trittspuren verdichten manche Wege, öffnen aber an anderer Stelle den Boden für Pionierpflanzen. Das Erftal ist ein Mosaik aus Nutzung und Wildnis – ein Gleichgewicht, das erstaunlich stabil bleibt.

IV. Der Höllenweg – ein geomorphologischer Pfad

Der Höllenweg trägt seinen Namen zu Unrecht. Er ist kein Ort des Schreckens, sondern ein Lehrpfad der Erosion. Mäanderartig folgt er alten Hangrutschungen, kleinen Rinnen, Ausspülungen. Der Untergrund ist weich, der Hang instabil – ein typisches Merkmal der Buntsandsteinlandschaft. Wo Wasser und Schwerkraft zusammenwirken, entstehen Formen, die sich jedes Jahr verändern.

Die Heunessteinbrüche oberhalb sind geologisch besonders wertvoll. Hier sieht man die Schichtung des Mittleren Buntsandsteins wie in einem aufgeschlagenen Buch. Die Steinmetze der Vergangenheit haben die Natur freigelegt – und gleichzeitig konserviert.

V. Kulturlandschaft und Erdgeschichte – ein Ineinander

Ein Kreuz am Weg, ein alter Brunnen, Biotope, die im Februar wie schlafende Inseln wirken – all das zeigt, wie eng Kultur und Natur hier verwoben sind. Die Menschen haben das Tal genutzt, ohne es zu zerstören. Die Grillplätze am Eingang, die Schutzhütte, die Wassertretanlage: Sie sind Eingriffe, aber keine Brüche.

Die Wege hinauf nach Ebenheid, Rauenberg und Freudenberg öffnen den Blick auf die geomorphologische Großform: ein tief eingeschnittenes Tal, flankiert von langgestreckten Buntsandsteinrücken. Die Höhenzüge sind Reste einer alten Landoberfläche, die seit Millionen Jahren abgetragen wird. Jeder Schritt nach oben ist ein Schritt durch die Zeit.

VI. Die Sage vom Totenbrunnen – Mythos als geologische Metapher

Die Sage vom Totenbrunnen, die immer wieder auftaucht, ist mehr als Folklore. Sie ist ein Echo der Landschaft. Brunnen, Quellen, Versickerungsstellen – all das sind Orte, an denen Wasser verschwindet und wiederkehrt. Für frühere Generationen war das unheimlich. Für Geologen ist es ein Hinweis auf Karstphänomene im Sandstein, auf Klüfte, Spalten, unterirdische Rinnen.

Der Mythos erklärt, was die Geologie beschreibt. Und beides zusammen macht die Landschaft lesbar.

VII. Fazit – Ein Jahreszeitenlabor

Das Erftal ist ein Naturraum, der sich nicht auf eine Jahreszeit festlegen lässt. Im Februar zeigt er seine geologische Klarheit, seine hydrologische Dynamik, seine winterliche Ökologie. Im Sommer wird er ein botanisches Labor, im Herbst ein Farbenarchiv, im Winter ein stilles, aber nie totes System.

Wer hier geht, wandert nicht nur durch ein Tal – er bewegt sich durch Erdgeschichte, Ökologie und Mythos zugleich.

Autor:

Roland Schönmüller aus Miltenberg

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