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Würzburger Weihbischof in Walldürn zu Gast - Besondere Ehrung einer Wallfahrtsführerin aus unserer Region
- Im Rahmen des Wallfahrtstages wurde außerdem Erika Ullrich aus Mömbris besonders geehrt. Sie gehört seit 50 Jahren dem dortigen Wallfahrerverein an, engagiert sich seit 40 Jahren aktiv im Wallfahrtswesen und war von 2006 bis 2016 als Wallfahrtsführerin tätig. Darüber hinaus wirkte sie als Pilgerführerin und ist seit 2017 geistlicher Beistand im Wallfahrtsressort. Die Ehrung nahmen Weihbischof Paul Reder sowie der Walldürner Wallfahrtsleiter Pater Josef Bregula OFMConv. vor.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Wallfahrtstag für Mömbris und Baulandgemeinden in Walldürn.
Die Wallfahrt zum Heiligen Blut in Walldürn steht im Jahr 2026 unter dem Leitwort „Die Liebe hört niemals auf“ aus dem ersten Korintherbrief (1 Kor 13,8).
Am Montag, 1. Juni 2026, wurde in Walldürn der Wallfahrtstag für die Pilgerinnen und Pilger aus Mömbris sowie aus den Bauland-Orten rund um Külsheim begangen.
Von 10.00 bis 11.30 Uhr feierten die Gläubigen in der Wallfahrtsbasilika ein festliches Pontifikalamt. Hauptzelebrant war Weihbischof Paul Reder aus Würzburg.
Im Rahmen des Wallfahrtstages wurde außerdem Erika Ullrich aus Mömbris besonders geehrt. Sie gehört seit 50 Jahren dem dortigen Wallfahrerverein an, engagiert sich seit 40 Jahren aktiv im Wallfahrtswesen und war von 2006 bis 2016 als Wallfahrtsführerin tätig. Darüber hinaus wirkte sie als Pilgerführerin und ist seit 2017 geistlicher Beistand im Wallfahrtsressort. Die Ehrung nahmen Weihbischof Paul Reder sowie der Walldürner Wallfahrtsleiter Pater Josef Bregula OFMConv. vor.
Für die festliche musikalische Gestaltung der Pontifikalmesse sorgten Blasmusikerinnen und Blasmusiker aus Eiersheim, Külsheim und Mömbris gemeinsam mit der Walldürner Kirchenmusikerin Birgit Wagner.
In seiner Predigt erläuterte Weihbischof Reder das diesjährige Leitwort „Die Liebe hört niemals auf“ und stellte Bezüge zur heutigen Zeit her. Er betonte, dass dieses Wort zugleich tröstend und herausfordernd sei. Liebe sei mehr als ein Gefühl oder eine bloße Emotion. Sie führe zu neuen Entscheidungen und Haltungen und eröffne dem Einzelnen wie auch der Gemeinschaft neue Wege.
Besonders hob der Weihbischof die Symbolik des Herzens hervor. Sie sei Teil menschlicher Identität und biblisch gesprochen ein mutmachendes Zeichen: eine Einladung zur Quelle des Lebens, zur Liebe Gottes und zur Begegnung mit Jesus. Gerade angesichts von Grenzen, Enttäuschungen und Verletzungen gelte es, immer wieder neu aufzubrechen und sich an diesem Lebensprogramm zu orientieren.
Das Bild des Wallfahrers könne dabei helfen, den Alltag für eine Zeit hinter sich zu lassen und den „Rucksack“ mit dem Wesentlichen zu füllen – mit Glauben, Hoffnung, Liebe und der Bereitschaft, sich von Gott neu ansprechen zu lassen.
„Die Liebe hört niemals auf“ – Reflexion über einen Satz, der länger lebt als seine Stunde.
Es gibt Sätze, die werden nicht bloß gesprochen, sondern bewohnt. Sie ziehen durch Jahrhunderte wie ein Licht, das unterwegs nicht schwächer, sondern menschlicher wird. „Die Liebe hört niemals auf“ – dieser eine, fast unerhörte Satz aus dem sogenannten Hohelied der Liebe im ersten Korintherbrief steht in der Schrift nicht wie eine Verzierung, sondern wie eine Zumutung. Der Apostel Paulus schreibt ihn einer Gemeinde ins Stammbuch, die an Gaben reich und an Einigkeit arm war: viel Rede, viel Geist, viel Eifer – und doch die Gefahr, das Wesentliche zu verfehlen. In diese geräuschvolle Welt hinein setzt Paulus kein Programm der Stärke, sondern eine Grammatik der Zuwendung. Nicht die glänzende Begabung wird bleiben, nicht das religiöse Charisma, nicht einmal die Erkenntnis in ihrer vorläufigen Gestalt – sondern die Liebe. Darin liegt die erste Sprengkraft des Satzes: Er ist kein sentimentales Motto, sondern eine Rangordnung des Wirklichen.
Wer hier „Liebe“ hört und nur an Gefühl denkt, unterschätzt die Wucht des griechischen Wortes agape.
Gemeint ist nicht bloß Zuneigung, nicht nur Begehren, nicht nur Seelenverwandtschaft, sondern jene schöpferische, freie, sich verschenkende Bewegung, die im christlichen Denken ihren Ursprung in Gott selbst hat. Gott ist nicht nur liebend – die spätere Theologie wird sagen: Gott ist Liebe. Der Satz aus Korinth gewinnt deshalb dogmatische Tiefe: Er spricht nicht nur über menschliches Verhalten, sondern über die Weise, wie die Wirklichkeit im Letzten gegründet ist. Wo Liebe nicht aufhört, da klingt etwas von Ewigkeit an.
Paulus kontrastiert sie mit Prophetie, Zungenrede, Erkenntnis – lauter Gaben, die in der frühen Kirche hoch im Kurs standen. Sie sind groß, aber sie sind vorläufig. Liebe dagegen ist nicht Mittel, sondern Vollzug; nicht Dekoration des Glaubens, sondern sein innerstes Organ. Augustinus hat diese Linie später in den Gedanken gegossen, dass alles Erkennen auf die Liebe hingeordnet sei.
Thomas von Aquin wird die caritas zur höchsten eingegossenen Tugend erheben, weil sie den Menschen direkt auf Gott bezieht. So wird aus einem Gemeindesatz ein Grundriss christlicher Anthropologie: Der Mensch vollendet sich nicht zuerst im Wissen, sondern in der Beziehung.
Die Geschichte dieses Verses ist denn auch eine Geschichte seiner Wiederkehr. Er steht auf Traukarten und Grabsteinen, in Predigten, Liedern und stillen Abschieden. Kaum ein anderer paulinischer Satz hat sich so tief in das kulturelle Gedächtnis eingeschrieben. Das ist kein Zufall.
Er begleitet gerade jene Schwellen, an denen das Leben seine Endlichkeit offenlegt: Hochzeit, Krankheit, Sterben, Erinnerung. In solchen Momenten erweist sich, dass der Satz seine Kraft gerade nicht aus Optimismus bezieht. Er behauptet nicht, dass jedes Gefühl bleibt, jede Beziehung gelingt, jede Geschichte heil endet. Er spricht widerständiger. Liebe hört niemals auf – nicht, weil der Mensch immer treu wäre, sondern weil Gott seine Zuwendung nicht widerruft.
In dieser Perspektive ist der Satz Trost und Gericht zugleich: Trost, weil kein gelebtes Erbarmen verloren geht; Gericht, weil alles Blendwerk der Macht, des Prestiges und der religiösen Selbstüberhöhung vergeht. Was bleibt, wird nicht das Lauteste gewesen sein, sondern das Wahrhaftigste.
Feuilletonistisch betrachtet ist dieser Vers ein Stachel im Fleisch der Gegenwart. Denn wir leben in einer Epoche der Beschleunigung, der Meinung, der Sichtbarkeit, der permanenten Selbstanzeige. Vieles drängt nach vorne, will gelten, trendet, vergeht. Gerade darin klingt Paulus fast modern, weil er mit unerbittlicher Nüchternheit an die Halbwertszeit menschlicher Systeme erinnert: Erkenntnisse altern, Sprachen verstummen, Hypes verglühen, Institutionen bröckeln.
Nur die Liebe – sofern man darunter nicht bloß Gefühl, sondern die dem anderen zugewandte Wahrheit versteht – überlebt die Moden. Sie ist das Gegenteil des Spektakels. Sie macht kein Getöse und ist doch die eigentliche Form von Dauer.
Vielleicht ist das die verborgene Symbolik des Satzes: Liebe ist hier kein Rosenmotiv und kein dekoratives Herz, sondern ein Widerstandswort gegen Vergänglichkeit und Verhärtung. Ein kleines theologisches Trotzzeichen gegen den Zynismus.
Und in der Gegenwart? Da steht der Vers weiterhin in Kirchen und Wohnzimmern, in Kondolenzschreiben und Segensworten, manchmal fast verbraucht durch häufigen Gebrauch – und genau darin gefährdet. Denn abgegriffen ist nicht dasselbe wie erledigt. Man muss ihn nur erneut hören, als käme er heute zum ersten Mal: „Die Liebe hört niemals auf.“
Dann wird aus der frommen Formel eine Zumutung an Politik, Gesellschaft und persönliches Leben. Wie reden wir miteinander? Wen lassen wir gelten? Was trägt, wenn Gewissheiten zerfallen? Der Satz antwortet nicht mit einer Strategie, sondern mit einer Haltung. Er verweist auf eine Wahrheit, die nicht beherrscht, sondern trägt. Vielleicht liegt darin seine ungebrochene Aktualität: dass er dem Menschen zuspricht, was er selbst kaum garantieren kann, und ihm zugleich aufgibt, daran Maß zu nehmen.
Am Ende bleibt von diesem biblischen Satz eine eigentümliche Doppelbewegung. Er tröstet die Verwundbaren und entthront die Wichtigen.
Er adelt das Unscheinbare und relativiert das Blendende.
Vor allem aber gibt er der Zeit eine andere Achse: Nicht alles, was groß aussieht, ist von Dauer; nicht alles, was leise ist, vergeht. Vielleicht ist das die schönste Pointe dieses paulinischen Nachsatzes aus der frühen Christenheit: dass die Liebe nicht als sentimentaler Rest nach dem Ende aller Dinge übrig bleibt, sondern als deren eigentlicher Sinn.
Ein Satz wie ein Nachhall im Mauerwerk der Geschichte – und, wenn man so will, die kühnste Nachricht des Christentums in nur fünf Wörtern.
Roland Schönmüller (Text und Fotos)
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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