Bildergalerie und Essay.
Ein gefährdeter Geweihträger

Ganz schön gefährlich sieht der Hirschkäfer aus. Doch er ist vollkommen harmlos und kann höchstens mit seinen Mundwerkzeugen zwicken, wenn man ihn in die Hand nimmt.
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  • Ganz schön gefährlich sieht der Hirschkäfer aus. Doch er ist vollkommen harmlos und kann höchstens mit seinen Mundwerkzeugen zwicken, wenn man ihn in die Hand nimmt.
  • hochgeladen von Roland Schönmüller

Die selten gewordenen Hirschkäfer sind vereinzelt auch bei uns derzeit unterwegs

Es ist wieder so weit! So mancher Hirschkäfer schwirrt derzeit durch die Luft . Er ist auf der Suche nach «Zapfsäulen» und Geschlechtspartnern.

Bis zu acht Jahre ihres Lebens sollen Hirschkäfer als Larve im Torholz verbringen - sagen die Experten -, bevor sie sich für die Verpuppung in den Boden graben.

Im Gegensatz dazu ist der nächste Lebensabschnitt in beflügelter Form von weit kürzerer Dauer: Nur während vier bis acht Wochen – in der Regel zwischen Ende Mai bis Ende Juli – kann man die fliegenden Hirschkäfer abends in der Dämmerung beobachten.

Hirschkäferlarven «schroten» sich sozusagen durch das Totholz, wobei Mulm entsteht, der später zu nährstoffreichem Humus abgebaut wird.

Larven «schroten» sich aber nicht durch frisches, sondern nur durch stark von Pilzen zersetztes Totholz. Somit muss keine Angst vor eventuellen wirtschaftlichen Schäden bestehen.

Wie gefährlich ist ein Hirschkäfer?

Ganz schön gefährlich sieht der Hirschkäfer aus. Doch er ist vollkommen harmlos und kann höchstens mit seinen Mundwerkzeugen zwicken, wenn man ihn in die Hand nimmt.

Das Männchen kann mit seinen Mandibeln kräftig zupacken, beispielsweise schmerzhaft in einen Finger. Die Weibchen können mit ihren deutlich kleineren Mandibeln noch kräftiger zubeißen.

Sind Hirschkäfer selten?

Der Hirschkäfer ist heutzutage relativ selten geworden, dennoch kennt ihn fast jeder Naturfreund.

Nur die Männchen haben die großen „Geweihe“, mit denen sie miteinander kämpfen. Mit neun Zentimetern ist der Hirschkäfer unser größter Käfer.

Was soll man tun, wenn man Hirschkäfer gefunden hat?

Lebende Hirschkäfer können - falls mal notwendig - vorsichtig in eine Schachtel gesetzt, mit Marmelade, Malzbier oder Zuckerwasser aufgepäppelt werden.

Sie sollten dann möglichst in der Dämmerung in den nächsten passenden Wald, Park oder großen Garten gebracht werden.

Kann der Hirschkäfer fliegen?

Hirschkäfer können fliegen und schwärmen  - besonders in der Dämmerung.

Wie groß werden Hirschkäfer?

Bis zu neun Zentimeter messen männliche Hirschkäfer vom Hinterleibsende bis zum «Geweihende». Mit diesen stolzen Ausmaßen sind sie gar die größten Käfer Mitteleuropas.

Weibchen hingegen besitzen kein «Geweih». Dementsprechend fällt auch deren Größe um einiges kleiner aus: Sie werden durchschnittlich lediglich halb so lang, also ungefähr vier Zentimeter.

Wozu dient das immense «Geweih» der Männchen?

Was von uns als «Geweih» wahrgenommen wird, ist in Tat und Wahrheit der Oberkiefer des Hirschkäfermännchens.

Zum Beißen oder Kauen dient der übergrosse Oberkiefer schon lange nicht mehr.

Stattdessen soll er männlichen Rivalen imponieren oder diese außer Gefecht – sprich auf den Rücken – setzen.

Außerdem wird mithilfe des Geweihs das Weibchen beim Akt der Fortpflanzung in Position gehalten, und dies bis zu mehreren Tagen.

Wozu dient der «gelbe» Pinsel?

Wenn Hirschkäfer der Hunger plagt, «zapfen» sie Bäume an, die aufgrund von Wind oder Wetter Risse in ihrer Rinde verzeichnen.

Dabei nutzen sie den «gelben» Pinsel, ihre Unterlippe, um den zucker- und pilzreichen Baumsaft zu schlecken, der aus den Wunden austritt.

Am beliebtesten ist der Saft von Eichen, doch notfalls kann auch auf Früchte, wie Kirschen, zurückgegriffen werden.

Wenn keine verwundeten Bäume zu finden sind, kann das Weibchen gesunde Bäume mit ihrem Kiefer aufritzen, um an den begehrten Saft zu gelangen.

Männchen sind hier auf die weibliche Vorarbeit angewiesen, da deren überdimensional grosser Oberkiefer ein solches Vorgehen verunmöglicht.

Ein Hirschkäfer torkelt umher. Was ist hier nur passiert?

Hier handelt es sich um ein betrunkenes Exemplar. Ja, dies kann tatsächlich passieren, wenn Hirschkäfer zu viel vergorenen Baumsaft «tanken».

Bakterien zersetzen den Zucker, der in grossen Mengen im Baumsaft vorkommt, zu Alkohol.

Und so kann es kommen, dass Hirschkäfer sich versehentlich einen Rausch antrinken.

Wieso gibt es immer weniger Hirschkäfer?

Aufgrund der langsamen Entwicklung (zur Erinnerung: das Larvenstadium dauert fünf  bis sechs Jahre) sind Hirschkäfer besonders anfällig auf äussere Störungen.

Zudem beschränkt bereits das Vorhandensein geeigneter Lebensräume die Verbreitung in vielen Fällen.

Zwar hat die Totholzmenge in unseren Wäldern seit den 1980er Jahren durchschnittlich zugenommen, jedoch variiert die Menge je nach Region stark.

Zudem ist die Totholz-Qualität gesunken. Qualitativ hochwertiges Totholz bedeutet in diesem Zusammenhang dickes, stark zerfallenes Holz von grossen, alten Bäumen – eher eine Mangelware in den heimischen Wäldern.

Wieso sollte uns dieser Rückgang aufhorchen lassen?

Wie auch andere Holz bewohnende Käfer reagiert der Hirschkäfer empfindlich auf Umweltveränderungen und ist daher ein guter Indikator für den Zustand der Biodiversität.

Von Hirschkühen und Hungermännchen

Der Hirschkäfer, Lucanus cervus, stammt aus der Käferfamilie der Schröter (Lucanidae). Von ihnen gibt es weltweit über 1000 Arten, in Mitteleuropa kommen allerdings nur sieben vor.

Unser fertiger Hirschkäfer weist einen besonders starken Sexualdimorphismus auf. Das bedeutet, dass sich Weibchen und Männchen in ihrem Aussehen deutlich voneinander unterscheiden.

Zumindest die Männchen sind aufgrund ihrer zum Geweih geformten Oberkiefer, den Mandibeln, unverwechselbar.

Die Hirschkäfer-Damen tragen kleine Zangen.

Besonders kleine Exemplare können eventuell mit dem Balkenschröter, einem nahen Verwandten verwechselt werden, lassen sich aber unter anderem durch die glänzenden Flügeldecken bestimmen.

Abhängig von der Nahrungsversorgung im Larvenstadium erreichen Hirschkäfer sehr unterschiedliche Größen.

So kann die Länge ausgewachsener Männchen zwischen fast neun und kaum drei Zentimetern schwanken!

Diese Zwerge besitzen meist auch ein besonders kleines Geweih und werden Hungermännchen, manchmal auch Rehkäfer genannt.

Hirschkäfer haben viele Feinde.

Die dicken Larven und Puppen des Hirschkäfers fallen häufig wühlenden Wildschweinen zum Opfer.

Auch stochernde Grünspechte und Mäuse freuen sich über die proteinreiche Delikatesse!

Doch auch für die erwachsenen aktiven Käfer bleibt im Sommer das Leben ein Spießrutenlauf.

Krähen, Elstern und Eichelhäher fressen meist nur den Hinterleib und lassen Reste zurück, die uns auf ein diskretes Hirschkäfer-Vorkommen hinweisen.

Dachse, Füchse und große Eulen verschlingen das mächtige Insekt hingegen im Ganzen.

Die schlimmste Bedrohung für den Hirschkäfer stellt allerdings die „Säuberung“ mancher Heimatwälder und das Fällen alter Bäume in Gärten und Parks dar.

Hirschkäferlarven haben hohe Ansprüche und können sich nur im Totholz alter Baumwurzeln, -stümpfe und -stämme entwickeln.

Obendrein muss das modernde Holz durch den Befall spezieller Pilze mürbe sein. Das Belassen absterbender Laubbäume im Wald gibt nicht nur Hirschkäfern, sondern auch unzähligen anderen Tier- und Pflanzenarten eine faire Chance zum Überleben!

Muss im Garten oder Park ein alter Baum aus Sicherheitsgründen umgeschnitten werden, so lässt der Hirschkäferfreund oder die Hirschkäferfreundin einen Baumstumpf bis in eine Höhe von ein bis zwei Metern stehen.

So wird über viele Jahre ein wertvoller Lebensraum erhalten, bis der Stamm von selbst vermodert ist.

Weit verbreitet und doch gefährdet
.

Der Hirschkäfer besiedelt fast ganz Europa, ist EU-weit durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt und bildet vor allem im Südosten mehrere Unterarten aus.

Obwohl er immer wieder - und in manchen Gegenden sogar häufig - auch in Gärten und Parks auftritt, sind ihm lichte, naturnahe Eichenwälder mit Abstand am liebsten.

In diesen „Urwäldern“ und wahren Käferparadiesen findet er geeignete Totholzbestände, attraktive Baumriesen und ausreichend Platz zum Fliegen.

Aufgrund der Zerstörung dieser seltenen Lebensräume und der konventionellen Forstwirtschaft, aber auch durch den Verlust von großen Altbaumbeständen in den Gärten und Parks sind die Hirschkäferbestände über viele Jahre leider stark zurückgegangen.

Heute steht der größte heimische Käfer auf der Roten Liste, gilt als stark gefährdet und unsere Kinder kennen ihn meist nur noch vom Hörensagen!

Neben den offiziellen Bemühungen zu seiner Erhaltung auf europäischer und nationaler Ebene kannst auch du zum Schutz des Hirschkäfers beitragen.

Um ihm zu helfen, kann man im Garten Baumstümpfe von dicken Obstbäumen langsam zerfallen lassen.

Mit etwas Glück fliegt dir dann an einem schwülen Abend der dicke Brummer mit dem gewaltigen Hirschgeweih vor die Füße. So beginnt ein guter Sommer!

Autor:

Roland Schönmüller aus Miltenberg

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