Bildergalerie und Essay.
Sensibles Rehwild: Kulissen-Wechsel zur Juni-Mitte.
- Der Hunger treibt die Rehe trotz der Hitze und der Betriebsamkeit an. Das frisch nachwachsende, saftige Gras auf den rasierten Wiesen zieht die Tiere magisch an.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Mähen, Meiden, Mitfühlen.
Der Juni-Himmel spannt sich weit über das Land, doch am Boden herrscht helle Aufregung. Wo gestern noch ein Meer aus wogendem Gras stand, zieht die Landwirtschaft heute einen radikalen Schlussstrich. Die Erntemaschinen haben ganze Arbeit geleistet. Sie fressen sich durch das Grün und hinterlassen eine flache, nackte Landschaft. Für das heimische Rehwild bricht in Sekundenschnelle eine neue Zeitrechnung an. Ihr vertrauter Lebensraum ist von jetzt auf gleich verschwunden.
Weide, Wald und Wachsamkeit.
Ein Schritt ins Offene fühlt sich für die Tiere jetzt an wie der Gang auf eine ungeschützte Bühne. Die Nerven der Rehe liegen blank. Jedes Knacken im Holz lässt sie zusammenzucken, die Wachsamkeit ist auf das Maximum hochgeschraubt. Das weite Feld meiden sie im hellen Sonnenlicht komplett. Ein Jäger aus der Region Jäger beobachtet diese Veränderung täglich im Revier. Er blickt besorgt über die kahle Fläche und erklärt, dass die Rehe durch den plötzlichen Deckungsverlust extrem heimlich werden. Sie drücken sich tagsüber tief in das dichte Unterholz und die schattigen Waldränder. Erst wenn das Tageslicht schwindet, wagen sie sich langsam vor. Ihre gesamte Lebensweise verlagert sich laut Brand nun in die späten Abendstunden und die kühle Morgendämmerung, wenn der Schutz der Dunkelheit die offenen Flächen wieder sicher macht.
Knospen, Klee und Kulturlandschaft.
Der Hunger treibt sie dennoch an. Das frisch nachwachsende, saftige Gras auf den rasierten Wiesen zieht die Tiere magisch an.
Ein hiesiger Landwirt kennt die Notwendigkeit des frühen Schnitts für seinen Betrieb, sieht aber auch die Folgen. Er berichtet, dass der zweite und dritte Schnitt zügig durchgezogen werden müssen, um hochwertiges Futter zu sichern. Das junge, eiweißreiche Gras lockt die Rehe sofort wieder an, sobald die Maschinen weg sind. Doch um nicht auf dem Präsentierteller zu stehen, stellen die Tiere ihre Strategie um. Sie knabbern vermehrt an jungen Trieben im Forst oder flüchten in die Getreide- und Maisfelder, die ihnen jetzt die einzige alternative Deckung bieten.
Eine Spaziergängerin beobachtet das Spektakel oft vom Wegrand aus. Sie erzählt berührt, wie seltsam es wirkt, die sonst so scheuen Tiere plötzlich schutzlos auf den nackten Flächen stehen zu sehen, während sie hektisch nach dem saftigen Klee suchen.
Roland Schönmüller (Text und Fotos)
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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